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Nutzerpfad: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen
Stichworte: Ich bin im vierten Monat schwanger und arbeite in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in einem Jugendtreff. Was ist zu beachten?

Frage:

Ich bin im vierten Monat schwanger und arbeite in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in einem Jugendtreff, z.T. mit Kindern (ca. 8-13 Jahre), vorwiegend mit Jugendlichen/jungen Erwachsenen (14-21 Jahre) und habe diverse Fragen:
Ich bin nicht immun gegen Ringelröteln, Keuchhusten und Hepatits A/B. Welche Impfungen/Immunitäten benötige ich überhaupt in diesem Arbeitsfeld während der Schwangerschaft? Wer trägt die Kosten, um gegebenenfalls den Impstatus festzustellen?

Das örtliche Amt für Arbeitsschutz hat empfohlen alle Mitarbeiter dem Betriebsarzt vorzustellen (da niemand eine Impfung Hepatitis A/B hat bzw. Gefährdungsbeurteilung wg. meiner Schwangerschaft). Wie schnell muss dies durch den Arbeitgeber umgesetzt werden?

Darf ich im Rahmen meiner Arbeit noch Jugendliche mit dem PKW befördern, z.B. Ausflüge?

In wie weit ist der Arbeitgeber verpflichtet, mich zeitnah nach Mitteilung der Schwangerschaft bezüglich der Mutterschutzrichtlinien zu belehren?

Antwort :

Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, den Arbeitsplatz und die Arbeitsbedingungen einer werdenden oder stillenden Mutter so zu gestalten, dass Leben und Gesundheit von Mutter und Kind durch die berufliche Tätigkeit nicht gefährdet werden.
Das bedeutet, dass der Arbeitgeber sofort nach Bekanntgabe der Schwangerschaft eine sorgfältige Beurteilung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsbedingungen durchführen muss. Die Beurteilung erstreckt sich auf jede Tätigkeit, die die werdende Mutter durchführt und beinhaltet Art, Ausmaß und Dauer der Gefährdung.
Falls die Arbeitsplatzbeurteilung ergibt, dass die Sicherheit oder Gesundheit der werdenden Mutter oder des ungeborenen Kindes gefährdet ist, muss der Arbeitgeber geeignete Schutzmaßnahmen in folgender Rangfolge veranlassen:
1. Umgestaltung des Arbeitsplatzes
2. Arbeitsplatzwechsel
3. Freistellung wegen eines Beschäftigungsverbotes

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die werdende Mutter über das Ergebnis der o. g. Arbeitsplatzbeurteilung und über zu ergreifende Schutzmaßnahmen zu unterrichten.
Bei der Weiterbeschäftigung einer werdenden Mutter mit direktem und regelmäßigem Kontakt mit Kindern/ Jugendlichen vom sechsten bis vollendeten 18. Lebensjahr sind folgende Beschäftigungsbeschränkungen und –verbote vom Arbeitgeber zu beachten:

Bei nicht geklärter oder fehlender Rötelnimmunität gilt für Schwangere bei beruflichem Umgang mit Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr ein generelles Beschäftigungsverbot bis zur 20. Schwangerschaftswoche (SSW). Nach dem Ablauf der 20. SSW besteht auch bei nicht immunen Schwangeren kein erhöhtes Risiko für Missbildungen, Entwicklungsverzögerungen oder Spätschäden für das Kind. Diese treten nicht häufiger auf als bei nicht vorgeburtlich infizierten Kindern. Da die Infektionsgefahr für die Schwangere und das Ungeborene aber weiterhin besteht, soll beim Auftreten der Erkrankung in der Einrichtung eine Freistellung erfolgen. Drei Wochen nach dem letzten aufgetretenen Erkrankungsfall kann die Schwangere ihre Beschäftigung wieder aufnehmen.

Bei nicht geklärter oder fehlender Windpockenimmunität gilt für Schwangere bei beruflichem Umgang mit Kindern bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr ein generelles Beschäftigungsverbot für die gesamte Schwangerschaft (strikte räumliche Trennung). Bei der Beschäftigung mit älteren Kindern nur noch beim Auftreten von Erkrankungen in der Einrichtung. Sind 28 Tage lang keine neuen Erkrankungsfälle in der Einrichtung aufgetreten, kann die Schwangere mit dem Beginn der fünften Woche ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Bei nicht geklärter oder fehlender Ringelrötelnimmunität gilt für Schwangere bei beruflichem Umgang mit Kindern und Jugendlichen bis zum sechsten Lebensjahr ein generelles Beschäftigungsverbot bis zur 20. Schwangerschaftswoche (SSW). Nach dem Ablauf der 20. SSW besteht auch bei nicht immunen Schwangeren kein erhöhtes Risiko für Missbildungen, Entwicklungsverzögerungen oder Spätschäden für das Kind. Diese treten nicht häufiger auf, als bei nicht vorgeburtlich infizierten Kindern. Da die Infektionsgefahr für die Schwangere und das Ungeborene aber weiterhin besteht, soll beim Auftreten der Erkrankung in der Einrichtung eine Freistellung erfolgen. Drei Wochen nach dem letzten aufgetretenen Erkrankungsfall kann die Schwangere ihre Beschäftigung wieder aufnehmen.

Bei nicht geklärter oder fehlender Keuchhustenimmunität gilt für Schwangere nur bei Auftreten der Erkrankung in der Einrichtung ein Beschäftigungsverbot. Sind 20 Tage nach der letzten Erkrankung keine neuen Erkrankungsfälle aufgetreten, kann die Schwangere ab dem 21. Tag ihre Beschäftigung wieder aufnehmen.

Die Hepatitis A wird durch Schmierinfektion (verunreinigtes Wasser, Lebensmittel, Stuhl) übertragen. Durch konsequente Hygienemaßnahmen ist eine Schmierinfektion in der Regel zu verhindern. Beim Auftreten von Erkrankungen in der Einrichtung sollen nicht immune Schwangere und stillende Mütter befristet von der Arbeit freigestellt werden. Aufgrund der langen Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung) darf die Schwangere ihre Beschäftigung erst wieder aufnehmen, wenn nach 50 Tagen kein neuer Erkrankungsfall aufgetreten ist.

Die Hepatitis B wird hauptsächlich durch Blut und Blutprodukte übertragen. Von daher sind Tätigkeiten mit Verletzungsgefahr und Blutkontakt zu vermeiden. Für Schwangere gilt wegen der Verletzungsgefahr ein generelles Beschäftigungsverbot für die Betreuung von behinderten, verhaltensgestörten Kindern mit aggressivem Verhaltensmuster (Kratzen, Beißen, Schlagen), die nachgewiesen mit Hepatitis B infiziert sind. Eine Impfung ist nur gegen Hepatitis B verfügbar. Beschäftigte, die mit o. g. Risikogruppen arbeiten, sollen grundsätzlich geimpft werden.

Bei Ausbruch von Masern, Mumps Scharlach oder Grippe in der Einrichtung gelten ebenfalls befristete Beschäftigungsverbote.
Die Feststellung der Immunitätslage (in der Regel durch den Betriebsarzt) ist vom Arbeitgeber zu veranlassen. Die Kosten für die Untersuchung trägt ebenfalls der Arbeitgeber.

Solange die Immunitätslage nicht festgestellt ist, sind vom Arbeitgeber die v.g. Beschäftigungsverbote und -beschränkungen bei sofort einzuhalten. Wie oben bereits erwähnt, ist der Arbeitgeber verpflichtet, Sie über das Ergebnis der Beurteilung und über die zu ergreifenden Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zu unterrichten,  sobald das möglich ist (§§ 1 u. 2 Mutterschutzrichtlinienverordnung). Das bedeutet, dass die Unterrichtung vom Arbeitgeber unverzüglich vorzunehmen ist.

Werdende Mütter dürfen nach Ablauf des dritten Monats der Schwangerschaft nicht auf Beförderungsmitteln beschäftigt werden (§ 4 Abs. 2 Nr. 7 Mutterschutzgesetz). Diese Vorschrift gilt nur, wenn die Beschäftigung schwerpunktmäßig oder während eines bedeutenden Teils der Arbeitszeit auf einem Beförderungsmittel ausgeübt wird.

Auf die Informationen unter http://www.arbeitsschutz.nrw.de/Themenfelder/mutterschutz/index.phpsowie den Leitfaden zum Mutterschutzgesetz, http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/themen-lotse,did=3156.html  und die Broschüre Elterngeld und Elternzeit, http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/familie,did=89272.html  weisen wir hin.

Stand: August 2009

 


Dialognummer: 8917
Stand: 14.10.2009

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