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Nutzerpfad: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Ergonomie > Heben, Tragen, Schieben, Ziehen, Stehen
Stichworte: Lastenhandhabung, körperliche Leistungsvoraussetzungen, gesetzliche Vorschriften, arbeitswissenschaftliche Empfehlungen

Frage:

Bei Verladearbeiten sind Teile beidhändig vom Boden aufzunehmen und auf einem Wagen abzustellen.
Arbeitsbedingungen: Aufnahme der Teile in ca. 20 cm Griffhöhe, Abstellen in ca. 80 cm Griffhöhe,
ca. 100 Teile in 4 Stunden, danach andere Tätigkeit;
Lastgewichte 25kg, 36 kg bzw. 41 kg je nach Programm; gleiche Werkstücke während der Arbeitsperiode von 4 h.
- Ist diese Aufgabe der Lastenhandhabung für Männer durchschnittlicher körperlicher Belastbarkeit unter Arbeitsschutzaspekten zulässig?
- Ab welchem Lastgewicht sind ggf. für ältere oder körperlich weniger leistungsfähige Mitarbeiter Vorsichtsmaßnahmen erforderlich (reduzierte Arbeitszeit, Heben zu zweit, ..)?
- Gibt es hierzu Rechtsvorschriften, die die Arbeitsbedingungen, Pausenregelungen oder körperliche Leistungsvoraussetzungen regeln, bzw. gibt es entsprechende arbeitswissenschaftliche und arbeitsmedizinische Empfehlungen?
- Können Sie mir Internet-Seiten nennen, auf denen ich die Leitmerkmalmethode der BAuA interaktiv anwenden kann oder von der ich die Methode herunter laden kann?


Antwort :

Die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BauA) in Zusammenarbeit mit dem Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASi) zur Erfüllung der aus dem Arbeitsschutzgesetz und der Lastenhandhabungsverordnung abgeleiteten Dokumentationspflicht entwickelte und im Mai 2001 nach einer mehrjährigen Erprobungsphase in einer Neufassung vorgelegte Leitmerkmalmethode weist für die angebenen Bedingungen Punktwerte von 36 (Risikobereich 3) ,48 (Risikobereich 3) sowie 120 (Risikobereich 4). Die Beurteilung reichen damit von „Wesentlich erhöhte Belastung, körperliche Überbeanspruchung ist auch für normal belastbare Personen möglich. Gestaltungsmaßnahmen sind angezeigt“ (Risikobereich 3) bis „Hohe Belastung, körperliche Überbeanspruchung ist wahrscheinlich, Gestaltungsmaßnahmen sind erforderlich“. (Risikobereich 4)
In Bezug auf eine arbeitsschutzrechtliche „Zulässigkeit“, bei den geschilderten Arbeitsbedingungen ist davon auszugehen, dass für Arbeitsbedingungen, die in den Risikobereich 4 der Leitmerkmalmethode fallen, Maßnahmen des Arbeitsschutzes „erforderlich“ sind (vgl. § 3 Arbeitsschutzgesetz). D.h. solche Arbeitsbedingungen können deshalb als im weiteren Sinne „unzulässig“ bezeichnet werden.

Eine Anwendung des NIOSH-Verfahrens weist einen Lastrichtwert von ca. 8 kg aus, der damit deutlich unterhalb der angegebenen Lastgewichte liegt.

Weiter zu den angegebenen Teilfragen

Antwort zu Teilfrage 1:
Die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BauA) in Zusammenarbeit mit dem Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASi) entwickelte und im Mai 2001 in einer Neufassung vorgelegte Leitmerkmalmethode weist bereits für die angegebenen Bedingungen bei der niedrigsten dort angebenen Gewichtsstufe (<10 kg für Männer bzw. <5 kg für Frauen) einen Punktwert von 24 entsprechend einer Beurteilung "
Erhöhte Belastung, eine körperliche Überbeanspruchung ist bei vermindert belastbaren Personen möglich". Für diesen Personenkreis sind Gestaltungsmaßnahmen sinnvoll. Vermindert belastbare Personen sind in diesem Zusammenhang Beschäftigte, die älter als 40 oder jünger als 21 Jahre alt, "Neulinge" im Beruf oder durch Erkrankungen leistungsgemindert sind.

Unabhängig davon gelten die Bestimmungen des Mutterschutzgesetz (MuschG): § 4 – Beschäftigungsverbote, Abs. 2 verbietet, werdende Mütter mit Arbeiten zu beschäftigen, bei denen regelmäßig Lasten von mehr als 5 kg Gewicht oder gelegentlich Lasten von mehr als 10 kg Gewicht ohne mechanische Hilfsmittel von Hand gehoben, bewegt oder befördert werden.

Antwort zu Teilfrage 2:
Wesentliche Eckpunkte sind hier das Arbeitsschutzgesetz, die Lastenhandhabungsverordnung sowie das Mutterschutzgesetz (s.a. Antwort zu Teilfrage 1). Innerhalb der Lastenhandhabungsverordnung ist in § 3 –Übertragung von Aufgaben festgelegt. Erläuternde Ausführungen hierzu finden sich z.B. in Bongwald, Luttmann, Laurig: Leitfaden für die Beurteilung von Hebe- und Tragetätigkeiten – HVBG (Hrsg.),
1995.

Antwort zu Teilfrage 3.:
Das Institut ASER bietet auf seinem Internetangebot unter www.aser.uni-wuppertal.de
 die Leitmerkmalmethode als Javaskriptanwendung an. Diese vereinfachte Version, die keine Interpolationen zwischen den Stufengrenzen erlaubt, wird ergänzt durch eine downloadbare Windows-Applikation in der Beta- bzw. Erprobungsfassung, innerhalb der neben der Leitmerkmalmethode (mit automatischer Interpolation) auch das aktuelle NIOSH-Verfahren sowie der aktuelle Normenentwurf prEN 1005 umgesetzt wurde.
 


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