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Nutzerpfad: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Absturzsicherungen, Geländer
Stichworte: Wie sieht es mit einer Gerüstfreigabe oder regelmäßigen Prüfungen bei einem dauerhaft erstellten Gerüst aus?

Frage:

Um Silofahrzeuge mit pulverförmigen Produkten zu befüllen, ist eine Befüllstation (überdacht) durch eine Gerüstbaufirma errichtet worden. Die Standbeine des Gerüstes sind zur Stabilisierung betoniert worden. Das damalige Provisorium ist nun seit einigen Jahren in Betrieb. Wie sieht es mit einer Gerüstfreigabe oder regelmäßigen Prüfungen bei einem dauerhaft erstellten Gerüst aus ?

Antwort :

Die Benutzung von Gerüsten durch Beschäftigte wird durch die Nrn. 5.1 und 5.2  Anhang 2 Betriebssicherheitsverordnung geregelt. Diese Mindestanforderungen sind bei der Gefährdungsbeurteilung nach § 3 BetrSichV zu berücksichtigen.
Die Vorgaben werden durch technische und berufsgenossenschaftliche Regeln konkretisiert. Relevant ist z.B. die BGI 5101 der BG Bau (http://www.bgbau-medien.de/site/asp/dms.asp?url=/zh/bgi5101/titel.htm).
Anforderungen an den Gerüstbauer und den Gerüstnutzer finden Sie in der Handlungsanleitung für den Umgang mit Arbeits- und Schutzgerüsten der Bau-BG (BGI 663) bzw. gleichlautend als LASI-Leitfaden LV 37 (http://lasi.osha.de/de/gfx/publications/lv37.htm).
Aus den v.g. Schriften wird der Weg der Errichtung des Gerüstes und Übergabe an den Benutzer folgendermaßen beschrieben (z.B. Kapitel 5 und 6 der BGI 663):
Für Auf-, Um- und Abbau und Benutzung des Gerüstes ist ein Plan zu erstellen. Für die Regelausführung kann hierzu die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers verwendet werden. Wenn erforderlich, sollte sie um besondere Hinweise zur Benutzung ergänzt werden.
Der Plan für die Benutzung wird nach Fertigstellung des Gerüstes dem Auftraggeber bzw. dem Benutzer übergeben und enthält Hinweise zur bestimmungsgemäßen Verwendung und kann auch das Übergabeprotokoll sein. Der Anhang 1der BGI 663 zeigt die einzelnen Schritte zum Nachweis der Eignung als sicheres Gerüst in schematischer Darstellung.
Ist das Gerüst fertig montiert, veranlasst der Ersteller, dass das Gerüst gemäß Bild 11 der BGI 663 geprüft wird, um dessen ordnungsgemäßen Zustand festzustellen. Die Prüfung darf nur eine hierzu befähigte Person, z. B. der Aufsichtführende, nach Abschnitt 2 der BGI 663, durchführen. Die Ergebnisse der Prüfung sollten in Form eines Prüfprotokolls dokumentiert und mindestens drei Monate über die Standzeit des Gerüstes hinaus aufbewahrt werden.
Hat sich der Gerüstersteller vom ordnungsgemäßen Zustand des Gerüstes überzeugt, kann er es an den Nutzer übergeben. Es ist ratsam, die Übergabe gemeinsam mit dem Nutzer durchzuführen und z. B. in einem Protokoll zu dokumentieren. Dieses Protokoll kann auch der geforderte Nachweis der Prüfung und das vom Nutzer gegengezeichnete Prüfprotokoll sein. In der Praxis hat es sich bewährt, Prüfprotokoll und Übergabeprotokoll in einem Dokument zusammenzufassen (Ein Beispiel dafür zeigt Anhang 2 der BGI 663).
Ein Beispiel für den Nachweis der letzten Prüfung kann eine am Gerüst angebrachte Kennzeichnung sein. Aber die Kennzeichnung ersetzt nicht das Prüfprotokoll.
Jeder Unternehmer, der eigene Beschäftigte oder Leiharbeitnehmer Gerüste oder Teilbereiche benutzen lässt, trägt Verantwortung dafür, dass sich diese in einem ordnungsgemäßen Zustand befinden, denn er ist verantwortlich für die Sicherheit seiner Beschäftigten. Deshalb soll er vor der für ihn ersten Inbetriebnahme durch eine Prüfung des Gerüstes dessen sichere Funktion feststellen. Er kann sich diese Prüfung erleichtern, wenn er dazu seine Gefährdungsbeurteilung und den Plan für die Benutzung verwendet, den ihm der Gerüstersteller, der Bauherr oder der SiGeKo im Sinne der Baustellenverordnung zur Verfügung gestellt hat.
Da es sich bei Gerüsten um Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung handelt, sind im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung Art, Umfang und Fristen wiederkehrender Prüfungen  zu ermitteln und festzulegen. Auf Grund der hier vorliegenden Besonderheit, das Gerüst über einen längeren Zeitraum stehen zu lassen empfehlen wir, mit dem Gerüsthersteller Kontakt aufzunehmen und mit diesem die Nutzungsbedingungen und Prüfmodalitäten abzuklären.
Arbeitsschutzvorschriften sowie weitere Rechtsvorschriften können Sie unter http://www.arbeitsschutz.nrw.de/Service/rechtsvorschriften/index.php   oder www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16032 aufrufen.

 


Dialognummer: 7256
Stand: 08.04.2009

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