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Nutzerpfad: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Verkehrswege
Stichworte: Welche Sicherheitsanforderungen gelten bei Portalkranen in Gebäuden?

Frage:

Mein Kunde möchte einen neuen Halbportalkran beschaffen. Die Kranschienen sollen quer über den Verkehrsweg verlaufen, so dass das Portal über den Verkehrsweg fährt!
Frage 1:Welche Sicherheitsanforderungen gelten bei Portalkranen in Gebäuden?
Frage 2: Reicht der Sicherheitsabstand 0,50 m vom Portal quer zu dem elektrischen Schaltschrank aus?
Frage 3: Gibt es Portalstopper die versenkt sind, d.h. keine Stolpergefahr darstellen?

Antwort :

Sicherheitsanforderungen für den Betrieb von Portalkranen  in Bezug auf den innerbetrieblichen Verkehr ergeben sich aus der Arbeitsstättenverordnung - ArbStättV, insbesondere Ziffer 1.8 "Verkehrswege" des Anhangs zur ArbStättV und der BGV D 6 -Krane, http://publikationen.dguv.de .  
In den Leitlinien zur Arbeitsstättenverordnung, LASI-Leitlinien LV 40 wird unter Abschnitt J1.8_1 "Sicherheitsabstand beim Einsatz von Transportmitteln auf Verkehrswegen" zu der Frage:
"Bisher wurde eine Ausnahmezulassung der zuständigen Behörde benötigt, wenn Verkehrswege für kraftbetriebene oder schienengebundene Beförderungsmittel nicht über einen Sicherheitsabstand von mindestens 0,50 m auf beiden Seiten des Verkehrsweges verfügten. Die ArbStättV 2004 fordert nur noch das Vorhandensein eines ausreichenden Sicherheitsabstandes ohne Angabe von konkreten Maßzahlen.
In welchen Fällen ist noch eine Ausnahmezulassung der zuständigen Behörde erforderlich?"
folgende Antwort gegeben:
"Nr. 1.8 Abs. 3 des Anhangs zur ArbStättV 2004 fordert, dass für Fußgänger ein ausreichender Sicherheitsabstand gewahrt werden muss, wenn Transportmittel auf Verkehrswegen eingesetzt werden, sofern dies aufgrund der Eigenschaften der Arbeitsstätte oder der Tätigkeit, der Umstände oder einer Gefahr erforderlich ist (vgl. Präambel zum Anhang). Die zahlenmäßige Bewertung von „ausreichend“ erfolgt durch den Arbeitgeber auf der Grundlage des Standes der Sicherheitstechnik, der Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene.
Bei dieser Bewertung hat der Arbeitgeber die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit nach § 7 Abs. 4 bekannt gemachten Regeln für Arbeitsstätten zu berücksichtigen. Bis zum 24. August 2010, längstens jedoch bis zur Veröffentlichung entsprechender Regeln, kann hierzu die Arbeitsstätten-Richtlinie „Verkehrswege“ (ASR 17/1,2) herangezogen werden, die einen beidseitigen Sicherheitsabstand von 0,5 m als in der Regel ausreichend erachtet. Weicht der Arbeitgeber von den Anforderungen der Regeln für Arbeitsstätten bzw. der ASR ab, z. B. indem er einen kleineren
oder gar keinen Sicherheitsabstand vorsieht, muss er durch andere Maßnahmen die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz der Beschäftigten erreichen, bzw. muss die Abweichung mit dem Schutz der Beschäftigten vereinbar sein.
Einer Ausnahmezulassung durch die zuständige Behörde bedarf es daher nur in den Fällen, in denen zwar aufgrund der Eigenschaften der Arbeitsstätte oder der Tätigkeit, der Umstände oder einer Gefahr ein ausreichender Sicherheitsabstand erforderlich wäre, der vorhandene Sicherheitsabstand jedoch nicht ausreichend ist, andere, ebenso wirksame Maßnahmen nicht getroffen wurden, derartige Maßnahmen im Einzelfall zu einer unverhältnismäßigen Härte führen würden und die Abweichung mit dem Schutz der Beschäftigten vereinbar ist.
Bei den folgend genannten Beispielen ist daher eine Ausnahmezulassung in der Regel nicht erforderlich:
• Der Verkehrsweg wird ausschließlich von Transportmitteln genutzt, z. B. weil
der Zutritt von Personen in den Verkehrsweg durch geeignete Maßnahmen dauerhaft und wirksam verhindert wird.
• Es handelt sich um Regalgassen in automatisch betriebenen Regallagern.
• Die Transportmittel sind entsprechend Anhang I der Maschinen-Richtlinie 98/37/EG auf den bestimmungsgemäßen Betrieb in Schmalgassen ausgelegt, d.h. sie verfügen über Schutzsysteme, die für die jeweilige Nutzungsart des Verkehrsweges geeignet sind (vgl. u.a. DIN EN 954-1, DIN 15185-2) und die direkt auf den Antrieb des Flurförderzeugs wirken."

Ähnliche Anforderungen an den Sicherheitsabstand sind auch unter  § 11 Sicherheitsabstände  der BGV D6 Krane formuliert:
"(1) Zur Vermeidung von Quetsch- und Schergefahren müssen die kraftbewegten äußeren Teile schienengebundener und ortsfest betriebener Krane, ausgenommen Trag- und Lastaufnahmemittel, zu Teilen der Umgebung des Kranes hin einen Sicherheitsabstand nach oben, unten und nach den Seiten von mindestens 0,5 m haben. Der Sicherheitsabstand nach den Seiten hin ist außerhalb des Verkehrs- oder Arbeitsbereiches nicht erforderlich."

Beim Beurteilen der Situation auch unter dem Aspekt erforderlicher Flucht- und Rettungswege ist die
ASR A2.3 "Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan"  einzubeziehen.  
Bezüglich der Möglichkeit versenkbarer Portalstopper liegen uns hier keine Kenntnisse vor. Wir empfehlen eine entsprechende Frage direkt an die Hersteller von Portalkrananlagen zu richten. 
Rechtsvorschriften zum Arbeitsschutz werden unter:
http://www.arbeitsschutz.nrw.de/Service/rechtsvorschriften/index.php    oder
www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16032   angeboten.


Dialognummer: 7225
Stand: 17.03.2009

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