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Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Zulässige Belastungen > Grenzwerte
Stichworte: Auf welchen unteren Schwellenwert bzw Hauptalarm soll ein Gaswarngerät für Schwefelwasserstoff zum Schutz der Beschäftigten eingestellt werden?

Frage:

Gaswarngeräte
1. Wenn ein Gaswarngerät im Labor zum Warnen der Beschäftigten vor Schwefelwasserstoff eingesetzt werden soll: Auf welchen unteren Schwellenwert (Voralarm bzw. Hauptalarm) soll das Gerät zum Schutz der Beschäftigten eingestellt werden? Es geht hier nicht um Ex-Schutz. Da zur Zeit kein gültiger Arbeitsplatzgrenzwert existiert, soll der Hauptalarm nach den Empfehlungen der MAK-Kommission auf 7,1 mg/Kubikmeter eingestellt werden?
2. Wie sieht dies für Kohlenstoffmonoxid aus?. Da es hier noch einen Arbeitsplatzgrenzwert gibt auf 35 mg/Kubikmeter?

Antwort :

Für die Einstellung der Schwellenwerte von Gaswarngeräten zum Auslösen von Voralarm und Hauptalarm gibt es keine einheitlichen Vorgaben. Einerseits soll ein möglichst hohes Maß an Sicherheit erreicht werden, andererseits ist auch ein zu häufiges Auslösen von Alarmsignalen nicht zielführend und kann sogar zu einem Nachlassen des Sicherheitsbewusstseins beitragen. Die Alarmschwellen sind daher den bei den Tätigkeiten zu erwartenden Konzentrationen und Konzentrationsänderungen des zu messenden Gefahrstoffes anzupassen.

Zu 1.: Schwefelwasserstoff (H2S, Hydrogensulfid), CAS-Nummer 7783-06-4, EG-Nummer 231-977-3, ist ein farbloses Gas von charakteristischem Geruch („faule Eier“), das gefahrstoffrechtlich als F+, R12 „Hochentzündlich.“, T+, R26 „Sehr giftig beim Einatmen.“ und N „Umweltgefährlich.“ mit R50 „Sehr giftig gegenüber Wasserorganismen.“ eingestuft ist. Schwefelwasserstoff kommt unter Anderem bei der Erdgas- und Erdölaufbereitung, bei der biologischen Zersetzung von organischen Materialien in der Landwirtschaft und in Entsorgungsbetrieben, in Brunnenschächten, Jauchegruben und Abwasserkanälen vor.
Folgende Wirkungen werden in Abhängigkeit von der Konzentration beschrieben:
ab 0,1 ppm: Geruchsschwelle; bei höherer Konzentration verschwindende Wahrnehmung
ab 20 ppm: Hornhautschäden bei längerer Einwirkung
ab 100 ppm: Reizempfindung an Augen- und Atemwegs-Schleimhäuten, Speichelfluss, Hustenreiz
ab 200 ppm: Atembeschwerden, Kopfschmerz
ab 300 ppm: Brechreiz
ab 500 ppm: Krämpfe, Bewusstlosigkeit, lebensgefährlich in 30 Minuten
ab 1.000 ppm: Lebensgefahr in wenigen Minuten
ab 5.000 ppm: tödlich in wenigen Sekunden

Bis zum Inkrafttreten der neuen Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) war in der TRGS 900 folgender Grenzwert (MAK) für Hydrogensulfid als 8-h-Schichtmittelwert festgelegt: 10 ml/m³ (ppm), 14 mg/m³. Als Faktor für die Spitzenbegrenzungskategorie war 1 festgelegt, d.h. auch kurzzeitig während einer Mittelungszeit von 15 Minuten durfte keine Überschreitung des Grenzwertes stattfinden. Mit Inkrafttreten der neuen GefStoffV im Jahr 2005 wurde der Grenzwert für Hydrogensulfid ausgesetzt, d.h. zur Zeit ist in der TRGS 900 kein Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) festgelegt.

Zur Festlegung eines unteren Alarmwertes steht demnach kein gesetzlicher Grenzwert zur Verfügung. Aus pragmatischen Gründen kann jedoch der von der DFG Senatskommission veröffentlichte MAK-Wert von 5 ppm bzw. 7,1 mg/m³ und der Kurzzeitwert von 10 ppm bzw. 14,2 mg/m³ herangezogen werden, da er dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis entspricht und somit ein hohes Schutzniveau erreicht werden kann. Weil der Konzentrationsunterschied zwischen dem DFG-MAK-Wert von 5 ppm und dem Wert 20 ppm für die ersten zu erwartenden Wirkungen nicht sehr groß ist, wird als unterer Schwellenwert für den Voralarm ein Wert von 5 ppm bzw. 7,1 mg/m³ wie der MAK-Wert selbst oder niedriger empfohlen. Als oberer Schwellenwert für den Hauptalarm wird ein Wert unterhalb des Wertes von 20 ppm für die ersten zu erwartenden Wirkungen, wie z.B. von 15 ppm empfohlen. Wenn das Gaswarngerät über Möglichkeiten zur Wertspeicherung und –verarbeitung verfügt, sollten zusätzlich die Funktionen „TWA-Alarm“ für Überschreitungen des 8-h-Schichtmittelwertes von 5 ppm und „STEL-Alarm“ für Überschreitungen des 15-min-Kurzzeitwertes von 10 ppm genutzt werden.

Zu 2.: Kohlenmonoxid, CAS-Nummer 630-08-0, EG-Nummer 211-128-3, ist ebenfalls ein farbloses, aber geruchloses Gas, das gefahrstoffrechtlich als F+, R 12 „Leichtentzündlich.“, T, R23 „Giftig beim Einatmen.“ und als „Fortpflanzungsgefährdend.“ mit R61 „Kann das ungeborene Kind schädigen.“ eingestuft ist.
Folgende konzentrationsabhängige Wirkungen werden beschrieben:
bis 115 ppm: keine gesundheitliche Gefährdung bei Erwachsenen auch bei täglich 8 h Dauerbelastung
150-300 ppm: Schwindel, Schläfrigkeit, Übelkeit, Erbrechen
1.500 ppm: tödliche Wirkung innerhalb 60 min möglich

Im Gegensatz zu Hydrogensulfid besteht in der TRGS 900 ein gesetzlicher Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) von 30 ppm bzw. 35 mg/m³ mit einem Faktor für die Spitzenbegrenzungskategorie von 1, d.h. auch kurzzeitig darf während einer Mittelungszeit von 15 Minuten keine Überschreitung des Grenzwertes stattfinden.
Der Konzentrationsunterschied zwischen dem AGW und dem Wert 115 ppm für die ersten zu erwartenden Wirkungen ist relativ groß, so dass als unterer Schwellenwert für den Voralarm ein Wert von 30 ppm bzw. 35 mg/m³ wie der AGW selbst oder höher, wie z.B. 50 ppm empfohlen wird. Als oberer Schwellenwert für den Hauptalarm wird ein Wert unterhalb des Wertes von 115 ppm für die ersten zu erwartenden Wirkungen, wie z.B. von 100 ppm empfohlen. Wenn das Gaswarngerät über Möglichkeiten zur Wertspeicherung und –verarbeitung verfügt, sollten zusätzlich die Funktionen „TWA-Alarm“ für Überschreitungen des 8-h-Schichtmittelwertes von 30 ppm und „STEL-Alarm“ für Überschreitungen des 15-min-Kurzzeitwertes von ebenfalls 30 ppm genutzt werden.


Dialognummer: 6772
Stand: 04.12.2008

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