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Nutzerpfad: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Absturzsicherungen, Geländer
Stichworte: Dürfen Personen mittels Höhensicherungsgerät am Haken eines Deckenkranes gesichert werden, wenn der Kran entsprechend stillgesetzt wurde?

Frage:

Absturzsicherung bei Arbeiten auf Maschinen/Anlagen in ca. 3 Meter Höhe: Dürfen Personen mittels Höhensicherungsgerät am Haken eines Deckenkranes gesichert werden, wenn der Kran entsprechend stillgesetzt wurde (Kranhauptschalter mittels Schloss gesichert, unkritische Fallstrecke inklusive Falldämpfer vorausgesetzt)?

Antwort :

Gemäß § 9 Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, "dass Arbeitsmittel unter Berücksichtigung der zu erwartenden Betriebsbedingungen so verwendet werden, dass Beschäftigte gegen vorhersehbare Gefährdungen ausreichend geschützt sind. Insbesondere müssen
... 
5. sichere Zugänge zu Arbeitsplätzen an und in Arbeitsmitteln gewährleistet und ein gefahrloser Aufenthalt dort möglich sein,
6. Schutzmaßnahmen getroffen werden, die sowohl einen Absturz von Beschäftigten als auch von
Arbeitsmitteln sicher verhindern
...
"
 
Nach Nr. 2.1 zum Anhang der Arbeitsstättenverordnung müssen Arbeitsplätze und Verkehrswege, bei denen die Gefahr des Absturzes von Beschäftigten bestehen, mit Einrichtungen versehen sein, die verhindern, dass Beschäftigte abstürzen können. Bei der Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) gegen Absturz muss in der Gefährdungsbeurteilung ausführlich ein Rettungskonzept erarbeitet werden

Der Arbeitgeber muss im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach §§ 5,6 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) die vorhandenen Gefährdungen ermitteln und festlegen, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes getroffen werden. Nach § 4 des ArbSchG muss der Arbeitgeber bei der Festlegung der Arbeitsschutzmaßnahmen u. a. den Stand der Technik berücksichtigen. Der Stand der Technik wird u.a. in Technischen Regeln und den Berufsgenossenschaftlichen Vorschriften konkretisiert.

Die Technische Regel für Betriebssicherheit TRBS 2121 „Gefährdung von Personen durch Absturz – Allgemeine Anforderungen" - Punkt 4 fordert:

Bei der Festlegung der Schutzmaßnahmen muss dem kollektiven Gefahrenschutz Vorrang vor dem individuellen Gefahrenschutz eingeräumt werden. Die Schutzmaßnamen sind entsprechend der nachfolgenden Rangfolge auszuwählen:

A. Absturzsicherung z. B. Abdeckungen, Geländer oder Seitenschutz
B. Auffangeinrichtung z. B. Schutznetze, Schutzwände und Schutzgerüste
C. Individueller Gefahrenschutz

Bei gelegentlichen Wartungs-, Kontroll- und Reparaturarbeiten ist der Einsatz von Hubarbeitsbühnen zulässig, wenn kein anderer Aufstieg verfügbar ist. Weitere Hinweise zu Hebebühnen finden sich in der DGUV Regel 100-500 "Betreiben von Arbeitsmitteln" im Kapitel 2.10 "Betreiben von Hebebühnen“ und in der DGUV Information 208-019 "Sicherer Umgang mit fahrbaren Hubarbeitsbühnen“. (Das berufsgenossenschaftliche Vorschriften- und Regelwerk finden Sie unter http://www.dguv.de/publikationen )

Können Absturzsicherungen und Auffangeinrichtungen nicht angewendet bzw. eine Hubarbeitsbühne nicht eingesetzt werden, ist Persönliche Schutzausrüstung (PSA) gegen Absturz vorzusehen. Die Verwendung von PSA gegen Absturz setzt eine weitere Gefährdungsbeurteilung für diesen Einzelfall voraus. (Weitere Hinweise:
DGUV Regel 112-198 "Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz“).

Ergänzend weisen wir auf die Ausführungen unter www.bühnenmagazin.de/Kran/Archiv/Kranmagazin_43/sicherheit.pdf hin, in dem die Auffassung des Fachausschusses "Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz" aus 2001 zu der Thematik wie folgt wiedergegeben wird (Auszug):
"Nach Auffassung des Arbeitskreises ist eine planmäßige Verwendung des Kranhakens als Anschlagpunkt für PSA gegen Absturz nicht zulässig. Ein Anschlagpunkt muss fest bzw. wenn er beweglich ist, zumindest geführt sein. Dies trifft für den Kranhaken nicht zu. So sind während der Benutzung, z.B. durch die Bewegung des Hakens, Beeinflussungen des Benutzers ggf. auch des Auffangsystems möglich, die die Sicherheit beeinträchtigen können. Für den Rettungsfall ist eine unplanmäßige Verwendung sicherlich möglich. Es ist jedoch zu beachten, dass bei Erstellung eines Rettungsplanes der Kranhaken nicht mit aufgenommen werden darf."

 


Dialognummer: 6622
Stand: 30.06.2016

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