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Nutzerpfad: Registrierung > Stoffsicherheitsbeurteilung / Stoffsicherheitsbericht > Grenzwerte anderer Rechtsbereiche (DNEL, PNEC, ...)
Stichworte: Gibt es Vorgaben für die `identifizierte Verwendung` von Stoffen?

Frage:

Meine Fragen beziehen sich auf die "identifizierte Verwendung". Gibt es eine Liste mit allgemeinen Formulierungen zu den identifizierten Verwendungen, die verpflichtend sind, oder formuliert diese jeder Hersteller/Importeur etc. selbst? Müssen identfzierte Verwendungszwecke auch in Sicherheitsdatenblätter von Zubereitungen/Mischungen genannt werden, oder nur bei Stoffen?

Antwort :

Nach REACH Artikel 6 Absatz 1 muss jeder Hersteller oder Importeur, der einen Stoff als solchen oder in einer oder mehreren Zubereitungen innerhalb der EU herstellt oder in die EU importiert, ab einer Menge von 1 Tonne pro Jahr ein Registrierungsdossier bei der Europäischen Chemikalien Agentur (EChA) in Helsinki einreichen. Nach Artikel 10 muss das Registrierungsdossier ein technisches Dossier enthalten, unter anderem mit folgenden Informationen:
• Identität des Herstellers oder Importeurs nach Anhang VI Abschnitt 1
• Identität des Stoffes nach Anhang VI Abschnitt 2
• Herstellung und Verwendungen des Stoffes nach Anhang VI Abschnitt 3

Dabei müssen alle identifizierten Verwendungen des vom Herstellers oder Importeurs registrierten Stoffes aufgeführt werden, wobei kurze und allgemeine Angaben zu den Verwendungen ausreichen. Dabei können auch die Verwendungen angegeben werden, von denen der Hersteller oder Importeur abrät.

In der REACH Verordnung sind somit keine zwingenden Vorgaben enthalten, nach denen die Verwendungen von Stoffen beschrieben werde müssen, so dass der Registrant weitgehend selbst über die Art der Beschreibung entscheiden kann. Dabei kann aber auch die Möglichkeit genutzt werden, die identifizierten Verwendungen mit den dafür relevanten Verwendungs- und Expositionskategorien zu beschreiben, die in Anhang VI Abschnitt 6 wie folgt beschrieben werden:
• Hauptverwendungskategorie: 1. industriell 2. gewerblich 3. durch Verbraucher
• Hauptverwendungsarten: 1. geschlossen 2. unter Einschluss 3. eingeschränkt 4. verbreitet
• Expositionswege Mensch: 1. oral 2. dermal 3. inhalativ
• Expositionswege Umwelt: 1. Wasser 2. Luft 3.fester Abfall 4. Boden
• Expositionsmuster: 1. selten 2. gelegentlich 3. ständig/häufig

Eine Hilfestellung zur Nutzung dieser Verwendungs- und Expositionskategorien (BDIHS 3.2.4, Word-Datei, 76 kB) ist auf der Homepage des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e.V. (BDI) zu finden. Bei der Erstellung des Registrierungsdossiers, zu dem zwingend die Nutzung der elektronischen Formular-Anwendung IUCLID5 vorgeschrieben ist, besteht auch die Möglichkeit, die identifizierten Verwendungen in Form eines Descriptoren-Systems durch Auswahl aus einer „Pick-List“ einzugeben. Eine Beschreibung dieses Eingabesystems ist im Leitfaden Guidance on information requirements and chemical safety assessment [englisch, pdf-Datei, 304 kB] – Chapter R.12: Use descriptor system“ auf der EChA Homepage unter  zu finden.

Wenn die hergestellten oder importierten Mengen 10 Tonnen pro Jahr und mehr erreichen, ist nach Artikel 14 außer dem Technischen Dossier ein Stoffsicherheitsbericht (CSR) nach Anhang I zu erstellen. In diesem Stoffsicherheitsbericht ist zu jeder identifizierten Verwendung die mit dieser Verwendung verbundenen Exposition (Expositionsszenarien) gegenüber den Beschäftigten am Arbeitsplatz, gegenüber der Umwelt und gegenüber den Verbrauchern mit den notwendigen Schutz- und Risikomanagementmaßnahmen (RMM) zur Vermeidung oder Verminderung der Exposition dazustellen ist, und zwar im gesamten Lebenszyklus eines Stoffes einschließlich der Verwendungen des Stoffes in Zubereitungen und Erzeugnissen, der Entsorgung und des Recyclings.

Nach Artikel 31 ist es die Pflicht des Herstellers oder Importeurs, der einen Stoffsicherheitsbericht erstellen muss, als Lieferant dem Nachgeschalteten Anwender (DU: Downstream User) des Stoffes die identifizierten Verwendungen und die dazu gehörigen Expositionsszenarien, evt. einschließlich der Verwendungs- und Expositionskategorien, im Sicherheitsdatenblatt mitzuteilen. Da zu den Verwendungen eines Stoffes auch den Einsatz in Zubereitungen umfasst, sind auch in den Sicherheitsdatenblättern von Zubereitungen die identifizierten, d.h. zulässigen Verwendungen anzugeben.
Nach Artikel 37 Absatz 2 hat jeder Nachgeschaltete Anwender (DU) das Recht, aber nicht die Pflicht, seinem Lieferanten die vom ihm vorgesehenen Verwendungen bekannt zu geben und Informationen zu diesen Verwendungen zu übermitteln, damit diese zu identifizierten Verwendungen werden. Nach Absatz 3 haben dann die Lieferanten die Möglichkeit, aber nicht die Verpflichtung, im Stoffsicherheitsbericht die Expositionsszenarien oder Verwendungs- oder Expositionskategorien der vom DU vorgesehenen Verwendungen zu erstellen. Wenn der Lieferant dieser Möglichkeit aus nachvollziehbaren Gründen nicht nachkommen kann, kann nach Absatz 4 der DU selbst einen Stoffsicherheitsbericht nach den Vorgaben des Anhang XII erstellen, damit seine vorgesehene Verwendung zu einer identifizierten und damit auch zulässigen Verwendung des Stoffes wird.

Der Zugang zum REACH-Net – Beratungsservice findet sich unter der Internetadresse www.reach-net.com
. Dort kann jeder online in der REACH-Wissensdatenbank recherchieren und - nach einer einfachen, persönlichen Anmeldung - auch neue Fragen an den REACH-Expertenverbund stellen. Dort werden auch die veröffentlichte REACH-Verordnung 1907/2006 (EU-ABl. L 396 vom 30.12.2006) und begleitende Rechtsakte angeboten.

Stand: September 2008
(Basis: cc14711)


Dialognummer: 6568
Stand: 09.09.2009

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