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Stichworte: Welche Anforderungen an die Registrierung gelten für Zulieferer der Automobilindustrie?

Frage:

1. Gibt es bereits spezifische Studien über die Wirkungen der REACH Verordnung für Zulieferer aus der Automobilbranche welche nach REACH Importeure sind und somit Registrierungspflichten haben? Dabei geht es uns besonders darum, einschätzen zu können, ob die Produkte welche importiert werden, z.B. Ölfilter, Stoßdämpfer, Bremsscheiben, Bremsbeläge, Wasserpumpen, Lichtmaschinen, Glühbirnen etc, nach der Verordnung registriert werden müssen.
2. In den allermeisten Fällen handelt es sich bei unseren Produkten laut REACH Verordnung um Erzeugnisse. Diese müssen allerdings nur registriert werden wenn:
- die Stoffe in den Erzeugnissen das Jahresvolumen von einer Tonne überschreiten,
- die Stoffe für die betreffende Verwendung noch nicht registriert sind (FRAGE: muss also der Stoff überhaupt nicht mehr registriert werden, wenn er für die betreffende Verwendung schon registriert ist, z.B. ein Schmierstoff, ein Öl in einem Stoßdämpfer?)
- der Stoff unter normalen oder vernünftigerweise vorhersehbaren Umständen freigesetzt werden soll (FRAGE: wie verhält es sich hierbei z.B. bei Bremsbelägen, deren Stoffe ja eigentlich auch durch Abrieb freigesetzt werden? Geht es hier nur um Lösemitteldiffusion oder Abrieb, der für die Freisetzung sorgt? Gibt es diesbezüglich praktische Beispiele die zu unserer Produktpalette passen (Automobilzulieferindustrie), nicht Druckerpatrone, Duftkerze oder Kugelschreiber?)
3. Stahl ist nach REACH eine Zubereitung da es sich um eine Legierung handelt. Ist es richtig, dass Zubereitungen ohne Einschränkungen immer registriert werden müssen?
4. Was genau müssen wir über die Produkte in Erfahrung bringen, um die Prüfkriterien anzuwenden, außer der Verwendung und der Mengen der Einzelstoffe in den Erzeugnissen?

Antwort :

Vorab ist wichtig, dass nur derjenige registrierungspflichtig ist, der Stoffe importiert oder herstellt bzw. die Kriterien für registrierungspflichtige Erzeugnisse (siehe unten) erfüllt.
zu 1.: Studien, die sich ausschließlich mit Erzeugnissen aus dem Bereich Automobilindustrie beschäftigen sind uns bisher nicht bekannt. Sie müssen jedes Produkt individuell beleuchten, ob es unter die REACH-Verordnung fällt. Dies lässt sich jedoch teilweise sehr schnell durchführen. Sie haben in 2. die Kriterien genannt, die für eine Registrierungspflicht notwendig sind. Aus diesen Kriterien ergeben sich Filter, die Sie anwenden können. Bitte beachten Sie, dass es sich bei den Kriterien um eine „Und-Verknüpfung“ handelt: > 1 Tonne pro Jahr und Hersteller und Freisetzung möglich oder beabsichtigt, d.h. wenn eines von beiden nicht erfüllt ist, gibt es auch keine Registrierungspflicht.
Der Sinn der genannten Regelungen ist, Erzeugnisse zu erfassen, die evtl. toxische Stoffe in nennenswerten Mengen freisetzen. Die von Ihnen genannten Erzeugnisse fallen aus unserer Sicht somit nicht unter REACH (Ausnahme evtl. das Öl im Stossdämpfer, da es kein Erzeugnis ist). Ein Erzeugnis, das einen Stoff willentlich freisetzen würde, wäre zum Beispiel der gefüllte Wischwasserbehälter.
zu 2.: Stoffe, die bereits registriert sind, müssen nicht nochmals registriert werden. Die Registrierung der sog. identifizierten Anwendung erfolgt dabei entweder durch Hersteller/Importeur oder den Nachgeschalteten Anwender. Stoffe, die bei der Endnutzung von anderen Stoffen oder Erzeugnissen entstehen, müssen nach Anhang V, Nr. 3 nicht registriert werden (Beispiel: Abrieb aus Bremsbelägen, Schweißrauch, Autoabgase, Dieselruß, verharzte Schmierfette etc.). Schmierstoffe und Öle in Stossdämpfern sind in der Regel Zubereitungen aus mehreren Stoffen. Somit sind die Einzelkomponenten (= Stoffe) vom jeweiligen Lieferanten oder Importeur zu registrieren.
zu 3.: Stahl muss als Legierung nicht immer registriert werden. Wenn Stahl in Form eines fertigen Produktes (Kotflügel, Karosserie etc.) oder Halbfabrikates importiert wird, dann ist er ein Erzeugnis und somit kein registrierungspflichtiger Stoff. Zubereitungen allgemein sind ebenfalls nicht registrierungspflichtig, sondern nur die darin enthaltenen Stoffe. Im Fall von Legierungen wären das die darin enthaltenen Metalle.
zu 4.: Sie sollten vorab Ihre Produkte im Hinblick darauf beleuchten, ob es sich um Erzeugnisse (bestimmt durch die äußere Form) oder Stoffe (bestimmt durch die Stoffeigenschaften) handelt. Innerhalb der 1. Kategorie sollten sie dann diejenigen Erzeugnisse ermitteln, die Stoffe abgeben können. Nach Aufstellung einer Liste, in der alle potenziell zu registrierenden Stoffe und Stoffe in Zubereitungen enthalten sind, brauchen Sie Analysen der enthaltenen einzelnen Stoffmengen, um eine Zuordnung zu den Mengenbändern zu bekommen. Die Anforderungen an Daten in den Mengenbändern erhalten sie aus den Anhängen VII bis X.
Hinweis: Für genauere Informationen empfehlen wir die Kontaktaufnahme mit einem Branchenverband, z.B. dem VDA, oder den IHK. In den Branchenverbänden werden die Auswirkungen von REACH teilweise detailliert diskutiert.
Der Zugang zum REACH-Net – Beratungsservice findet sich unter der Internetadresse www.reach-net.com
. Dort kann jeder online in der REACH-Wissensdatenbank recherchieren und - nach einer einfachen, persönlichen Anmeldung - auch neue Fragen an den REACH-Expertenverbund stellen. Dort werden auch die veröffentlichte REACH-Verordnung 1907/2006 (EU-ABl. L 396 vom 30.12.2006) und begleitende Rechtsakte angeboten.
Stand: Februar 2008
(Basis: cc11192)


Dialognummer: 6353
Stand: 10.09.2009

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