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Nutzerpfad: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen
Stichworte: Darf eine werdende Mutter in einem Autismus-Therapiezentrum weiter mit den Patienten arbeiten? Auch fehlt eine Immunisierung gegenüber Zytomegalie?

Frage:

Darf eine werdende Mutter in einem Autismus-Therapiezentrum weiter mit den Patienten arbeiten? Zusätzlich fehlt eine Immunisierung gegenüber Zytomegalie. Das "Bällchenbad" und andere Therapieeinrichtungen werden aber von allen Therapeuten mit ihren Patienten genutzt.

Antwort :

Nach § 2 "Gestaltung des Arbeitsplatzes" des Mutterschutzgesetzes (MuSchG) und gemäß Mutterschutzarbeitsverordnung (MuSchArbV) ist der Arbeitgeber verpflichtet, sofort nach der Mitteilung einer Schwangerschaft eine Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes der Schwangeren zu erstellen. Dabei sind nicht nur die Bestimmungen des Mutterschutzgesetzes, sondern auch das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) sowie die Biostoffverordnung (BioStoffV) zu beachten. Die Gefährdungen sollen personen- und tätigkeitsbezogen beurteilt und daraus folgernd die erforderlichen Schutzmaßnahmen ergriffen werden.
Die generellen Beschäftigungsverbote (§§ 4, 8 MuSchG) sind sofort zu beachten. So ist z.B. Alleinarbeit bei gefährlichen Arbeiten grundsätzlich verboten. Des Weiteren sind auch Tätigkeiten mit erhöhten Unfallgefahren, insbesondere Arbeiten mit potentiell aggressiven Patienten, ebenfalls verboten.
Autismus tritt in verschiedenen Schweregraden und oft in Kombination mit anderen Behinderungen und Krankheiten auf, zum Beispiel dem Tourette-Syndrom, einer Epilepsie oder mit Aufmerksamkeitsdefizits- und Hyperaktivitätsstörungen. Etwa 70 Prozent der autistischen Menschen sind geistig behindert.

Daher ist es besonders wichtig, die Gefahr durch Patientenübergriffe in dem Therapiezentrum zu beurteilen. Nach einer Auswertung von Unfallanzeigen durch den Gemeindeunfallversicherungsverband Westfallen-Lippe (GUV) sind 40 % aller Unfälle auf Patientenübergriffe zurückzuführen. Hinzu kommt noch die reale Angst der Beschäftigten (psychische Überforderung) vor der unberechenbaren Gewalt, die von psychisch kranken Patienten ausgehen kann.

Bei Übergriffen ist durch offene Verletzungen zusätzlich mit einer Infektionsgefahr (Hepatitis, HIV) zu rechnen. Eine mögliche höhere Infektionsgefährdung des Personals durch TBC, Hepatitis B und C sowie HIV ist auch gegeben.
Arbeiten mit der besonderen Gefahr des Entstehens einer Berufskrankheit ( z. B. Infektionskrankheiten ) sind untersagt, genauso wie alle Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen. Zu den biologischen Arbeitsstoffen (s. Biostoffverordnung - BioStoffV -) gehören Stoffe, Zubereitungen oder Erzeugnisse, die Krankheitserreger übertragen können, z. B. durch Blut oder andere Körperflüssigkeiten. Die Verordnung stellt eindeutig fest, dass eine Schutzausrüstung (Schutzhandschuhe) nicht als ausreihend betrachtet werden kann, wenn ein Arbeitsgang mit stechenden oder schneidenden Instrumenten (Schere, Injektionsnadel ...)  zu tun hat. Der Anteil von infektiösen Patienten ist bei der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen.

Zur CMV - Übertragung

Das Cytomegalie-Virus (CMV) wird nach einer Inkubationszeit von 4-8 Wochen in Urin, Speichel, Muttermilch, vaginalen Sekreten und Samen ausgeschieden. Jede Person mit einer CMV-Infektion, auch ohne Krankheitszeichen kann das Virus übertragen. So gelangt das Virus in den Körper: über Schleimhautkontakte mit Urin, Speichel, Muttermilch, Vaginalsekret, Blut u. a.,- Schmierinfektion, Tröpfcheninfektion.
Da das Virus sehr labil und zellgebunden ist, muss es zu einer massiven Exposition kommen. Das heißt, es sind familienähnliche, sehr enge und häufige Körperkontakte für die Übertragung notwendig.

Die Angaben über die Häufigkeit, mit der die Cytomegalieinfektion von den Kindern auf das (Pflege)Personal übertragen wird, sind unterschiedlich. Nach einer Studie haben Krankenschwestern in Neugeborenenstationen kein erhöhtes Risiko gegenüber HCMV. Bei ihnen wurde keine höhere Serokonversionsrate gefunden als bei der Durchschnittbevölkerung. Dagegen zeigten die Untersuchungen in Kinderheimen und Kindertagesstätten eine hohe berufliche Gefährdung von Kindergärtnerinnen. Es fanden sich jährliche 7-fach höhere Konversionsraten von Kinderpflegerinnen zwischen 14 und 20 % (norm. 2,4 % bei Frauen im Alter von 25-35 Jahren in den USA und Westeuropa).

Somit kann man keine einheitliche und tätigkeitsunabhängige Empfehlung für die Cytomegalie formulieren. Im Gesundheitswesen beschäftigte Schwangere ohne Antikörperschutz dürfen nur dann beruflichen Umgang mit Kindern unter drei Jahren haben, wenn der Arbeitgeber garantieren kann, dass durch persönliche Schutzmaßnahmen eine Infektion mit dem Cytomegalievirus sicher vermieden werden kann. Hierzu gehört auch eine ausführliche arbeitsmedizinische Beratung aller dort tätigen werdenden Mütter zu den Übertragungswegen (Urin, Speichel, Tränen und Blut) und zu den im Gesundheitswesen üblichen und notwendigen Hygienemaßnahmen (siehe auch TRBA 250 "Einführung sicherer medizinischer Instrumente").
Natürlich muss sich der Arbeitgeber auch vergewissern, dass die Schwangere die empfohlene Persönliche Schutzausrüstung (PSA, z. B. Handschuhe, Schutzkleidung, Atemschutz) konsequent trägt. In diesem Bereich sind diese Präventivmaßnahmen auch nicht praxisfern, sondern gehören auch zum Tätigkeitsfeld.

In den KiTas sind solche Hygienemaßnahmen praxisfremd und nicht realisierbar. Das Tragen von Atemschutz bzw. von Handschuhen bei der täglichen Arbeit mit Kindern ist unüblich und wird weder von dem Personal noch von der KiTa-Leitung (auch Eltern) gewollt bzw. akzeptiert. Daher dürfen schwangere Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen ohne Antikörperschutz keinen beruflichen Umgang mit Kindern bis zum dritten Geburtstag (d. h. dem vollendeten dritten Lebensjahr) haben. Grundsätzlich sollten werdende Mütter vom Wickeln freigestellt werden, auch bei älteren, behinderten Kindern.

Die generellen Beschäftigungsverbote muss der Arbeitgeber festlegen und nicht der behandelnde Arzt. Weitere Informationen zum Mutterschutz bietet die Arbeitsschutzverwaltung NRW an.


Dialognummer: 6318
Stand: 01.01.2008

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