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Nutzerpfad: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen
Stichworte: Dürfen werdende Mütter Patienten nach einer nuklearmedizinischen Untersuchung begleiten, wenn dabei unmittelbarer Kontakt möglich ist?

Frage:

Ich habe eine Frage zum Kontakt von werdenden Müttern mit nuklearmedizinsch behandelten Patienten, die radioaktive Stoffe inkorporiert haben und damit eine Strahlungsquelle darstellen.
Wie verhält es sich aus Ihrer Sicht bei Mitarbeiterinnen, die im Patiententarnsport eines Krankenhauses eingesetzt sind, und derartige Patienten nach Behandlung mit einem Rollstuhl wieder zur Station bringen müssen?
Hier besteht für Zeiträume bis zu 10 Min. ein unmittelbarer Kontakt zwischen Strahlungsquelle und werdender Mutter.
Ist hier von einer erhöhten Gefährdung und somit von einem Beschäftigungsverbot auszugehen?

Antwort :

Eine Strahlenexposition der Schwangeren ist durch äußere Strahlenquellen, aber auch durch inkorporierte radioaktive Stoffe möglich. Der Schutz werdender Mütter vor ionisierenden Strahlen ist in § 4 Abs. 1 Mutterschutzgesetz (MuSchG) in Verbindung mit § 37 Abs.1 Nr. 2 der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) bzw. mit § 22 Abs.1 Nr. 2. Röntgen-Verordnung (RöV) geregelt. Die novellierte Strahlenschutzverordnung vom 20.07.2001 als auch die Röntgenverordnung vom 21.06.2002 ermöglichen schwangeren Arbeitnehmerinnen den Zutritt zu Kontrollbereich sowie das Arbeiten in Überwachungsbereich.
Bei Transport bzw. Versorgung der mit offenen radioaktiven Substanzen behandelten Patienten muss man mit Strahlenexposition der Schwangeren rechnen. Bei einem Patienten, bei dem ein Radionuklid appliziert worden ist, kann ein temporärer Kontrollbereich (je nach applizierter Dosis in einem Umkreis bis etwa 3 Meter) entstehen. „Der Zutritt“ bzw. Aufenthalt im Kontrollbereich für Schwangere ist nur dann möglich wenn:

1. zwingende Gründe dafür vorliegen. (§ 37 Abs. 1 Nr. 2a StrlSchV, § 22 Abs. 1 Nr. 2a RöV).
2 der Strahlenschutzverantwortliche oder der Strahlenschutzbeauftragte dem Zutritt vorher ausdrücklich zugestimmt haben (§ 37 Abs. 1 Nr. 2d StrlSchV, § 22 Abs. 1 Nr. 2d RöV). Dies geschieht arbeitswöchentlich immer erneut!
3. der Strahlenschutzbeauftragte arbeitswöchentlich neu sicherstellt, dass der Dosisgrenzwert für das ungeborene Kind von 1 Millisievert vom Zeitpunkt der Mitteilung der Schwangerschaft bis zu deren Ende eingehalten ist (§ 55 Abs. 4 Satz 2 StrlSchV; § 31 a Abs. 4 Satz 2 RöV). Die Feststellung der Personendosis erfolgt entweder

a. unter Zugrundelegung der maximal auftretenden Ortsdosisleistung, die der technische Sachverständige gemessen und dokumentiert hat, um die Personendosis der Schwangeren im Kontrollbereich konservativ abzuschätzen oder

b. mit einem elektronischen Dosimeter. Diese zeigen die Personendosis in den hierfür relevanten Messbereichen mit der erforderlichen Auflösung an. Eine Liste der Bauartzulassungen von Personendosimetern steht über die Internetseite der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) (Pfad: Abt.6 Fachbereiche, Fachlaboratorien und Projekte Fachlabor 6.31Bauartprüfung Liste 23.3) zur Verfügung. Dabei ist zu beachten, dass die Personendosimeter eine Empfindlichkeit (Nenngebrauchsbereich) unterhalb von 55 keV haben. Eine amtliche Qualifizierung ist in Deutschland noch nicht erfolgt.

Grundsätzlich sind die Arbeitsbedingungen der Schwangeren so zu gestalten, dass eine Aufnahme von radioaktiven Stoffen ausgeschlossen ist. Beim Patiententransport sehen wir keinen zwingenden Grund, weshalb ausgerechnet die Schwangere diese Tätigkeit durchführen sollte. Zusätzlich wäre sie unter Umständen auch anderen physikalischen Gefahren ausgesetzt ( z. B. schwere körperliche Arbeit durch Schieben oder Ziehen des Rollstuhls, Heben des Patienten beim Umsetzten etc.). Wegen des unter Umständen hohen Schutzaufwandes wird empfohlen, dass die werdende Mutter nicht mit Patienten (bzw. deren Ausscheidungen) in Berührung kommt, denen radioaktive Stoffe appliziert wurden. Die Schwangere sollte vorübergehend mit anderen, ungefährlichen Tätigkeiten beschäftigt werden.

Sollte die Mutter mit radioaktiven Stoffen in Berührung gekommen sein, muss sie darauf hingewiesen werden, dass der Säugling diese beim Stillen aufnehmen könnte (§ 38 Abs. 3 StrlSchV).



Dialognummer: 6134
Stand: 11.03.2013

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