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Nutzerpfad: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Gefährdungen durch Arbeitsmittel und Einrichtungen
Stichworte: Sind Mitarbeitern in Call-Centern personengebundene Headsets zur Verfügung zu stellen?

Frage:

Ich habe eine Frage in meiner Funktion als Betriebsrat in einem Call-Center. Die Geschäftsleitung plant, an den Telefonen fest installierte Headsets anzubringen, bisher gab es für jeden Mitarbeiter personengebundene Headsets. Dieses Vorhaben sorgt verständlicherweise für Aufregung und Unmut, allein aus hygienischem Gesichtspunkt. Meine HNO-Ärztin ist von diesem Vorhaben ebenfalls nicht begeistert. Gibt es vielleicht Untersuchungen oder Erhebungen bzw. Empfehlungen zu diesem Thema? Kann ein Mitarbeiter ein personenbezogenes Headset erwarten?

Antwort :

Nach § 3 Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG ist der Arbeitgeber verpflichtet, alle erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu treffen. Dabei muss er alle Umstände berücksichtigen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Der Arbeitgeber muss im Rahmen einer Gefährdungsbeuteilung ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind (§ 5 ArbSchG) . Bei diesen Maßnahmen muss er den Stand der Technik, der Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen (§ 4 Ziffer 3 ArbSchG).

Es steht außer Zweifel, dass in einem Call-Center aus hygienischen Gründen in der Regel jedem Mitarbeiter / jeder Mitarbeiterin ein persönliches Headset zur Verfügung zu stellen ist.
Diese Forderung wird in der berufsgenossenschaftlichen Information der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft – BGI 773 Call Center - Hilfen für Planung und Einrichtung konkretisiert. Danach sollen Headsets in Call-Centern folgende Anforderungen erfüllen: 

-  Jeder/jede Mitarbeiter/Mitarbeiterin verfügt über sein/ihr persönliches Headset, 
- Ohr- und Mikropads bzw. die Sprechröhrchen an den Mikrofonen müssen aus hygienischen Gründen austauschbar sein und regelmäßig ersetzt werden, 
- die Kopfhörer verfügen über Schallpegelbegrenzungen, um zu verhindern, dass eine Lautstärke von 85 dB(A) überschritten wird, 
- die Geräte erlauben eine Lautstärkeregelung, um die Sprachverständlichkeit zu verbessern.

Die Formulierung „soll“ bedeutet im Arbeitsschutz, dass es sich hierbei um grundsätzliche Anforderungen handelt, von denen nur dann abgewichen werden darf, wenn ein sogenannter „atypischen Einzelfall“ vorliegt, der  im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung besonders zu begründen ist.

Zur Klärung des Sachverhaltes empfehlen wir den Arbeitgeber aufzufordern, eine Stellungnahme der Fachkraft für Arbeitssicherheit und des Betriebsarztes einzuholen.
Sofern ein Betriebsrat vorhanden ist, sollte dieser hinzugezogen werden. Ein geeignetes Gremium Probleme des Arbeitsschutzes betriebsspezifisch zu erörtern, ist der Arbeitsschutzausschuss. Im Arbeitsschutzausschuss sind gemäß Arbeitssicherheitsgesetz Arbeitgeber, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Betriebsarzt, Sicherheitsbeauftragte und der Betriebsrat vertreten.
Weitere Informationen zu dem Thema bieten z.B. die Internetseiten von ergo-online unter http://www.ergo-online.de/site.aspx?url=html/arbeitsorganisation/call_center/headsets.htm  an.

Hinweis:
Sind Beschäftigte auf Grund konkreter Anhaltspunkte der Auffassung, dass die vom Arbeitgeber getroffenen Maßnahmen und bereitgestellten Mittel nicht ausreichen, um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Arbeit zu gewährleisten, und hilft der Arbeitgeber darauf gerichteten Beschwerden von Beschäftigten nicht ab, können sich diese an die zuständige Behörde wenden. Hierdurch dürfen dem Beschäftigten keine Nachteile entstehen (§ 17 Abs. 2 ArbSchG) .


Dialognummer: 5963
Stand: 21.11.2013

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