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Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Sanierungsarbeiten, Entsorgung > Sanierungsarbeiten, Entsorgung
Stichworte: Dürfen andere als in der BGI 664 genannte Verfahren zur Estrichentfernung angewandt werden, wenn die Exposition dabei noch unbekannt ist?

Frage:

In der BGI 664 gibt es ein Verfahren mit geringer Exposition zur Entfernung asbesthaltiger Estriche. Dürfen andere Verfahren zur Estrichentfernung angewandt werden, wenn die Exposition dabei noch unbekannt ist? Oder reicht die Aufnahme in die BGI 664 aus, um hier den Stand der Technik zu definieren?
Nach dem Minimierungsgebot dürften Verfahren mit höherer Exposition dann unzulässig sein.

Antwort :

Da Asbest zu den besonders gefährlichen krebserzeugenden Gefahrstoffen zählt, ist es mit einem grundsätzlichen Expositionsverbot belegt. Ausgenommen sind Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten (ASI-Arbeiten).

Die TRGS 519 "Asbest: Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten" sieht nun in Nr. 2.8 für Arbeiten mit geringer Exposition unter bestimmten Voraussetzungen Erleichterungen hinsichtlich der zu ergreifenden Schutzmaßnahmen vor. Arbeiten mit geringer Exposition der Beschäftigten liegen dann vor, wenn eine Asbestfaserkonzentration am Arbeitsplatz von 15.000 Fasern/m3 unterschritten wird. Bei diesem Wert handelt es sich nicht um einen Grenzwert. Er ist im Sinne der TRGS 519 lediglich dazu gedacht, dass bei seiner Unterschreitung bestimmte Schutz- und Vorsorgemaßnahmen unterbleiben können.

Die Frage der Unterschreitung der v.g. Asbestfaserkonzentration kann im Regelfall nur auf der Grundlage von Messergebnissen beantwortet werden. Allerdings ist diese Vorgehensweise nicht in jedem Einzelfall erforderlich, da auch vorhandene Messergebnisse vergleichbarer Arbeiten herangezogen werden können. Die BGI 664 enthält eine Auflistung der bisher vom Arbeitskreis „Asbestexposition bei ASI-Arbeiten“ beim Berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitsschutz (BGIA) positiv geprüfter Arbeitsverfahren. In die BGl 664 werden Verfahren aufgenommen, von denen bekannt ist, dass mit Sicherheit diese Faserkonzentration unterschritten wird. Insofern stellt die BGl 664 nicht den Stand der Technik dar, sondern stellt Verfahren zusammen, von denen Messergebnisse bekannt sind, die belegen, dass die kritische Faserkonzentration nicht erreicht wird. Bei dem Verfahren BT 18 „Entfernen asbesthaltiger Estriche…“ handelt es sich beispielsweise um ein solches geprüftes Verfahren mit geringer Exposition gem. Nr. 2.10 Abs. 8 TRGS 519.

Es mag also durchaus Verfahren geben, die auch diese geringe Faserkonzentration einhalten. Wie ein solches Verfahren in die Liste der BGl 664 aufgenommen werden kann, ist auf den ersten Seiten der BGl beschrieben. Die Entscheidung liegt beim Arbeitskreis ASI-Arbeiten. Entscheidend ist aber auf jeden Fall, dass eine Aussage über die Faserkonzentration getroffen wird, sei es durch eigene Messungen oder durch vergleichbare Messungen ähnlicher Arbeitsweisen.

Der Arbeitgeber ist grundsätzlich nicht verpflichtet, ein solches geprüftes Verfahren im Einzelfall anzuwenden, wenn durch andere Maßnahmen zumindest in vergleichbarer Weise der Schutz der Gesundheit und die Sicherheit der Beschäftigten gewährleistet wird. Wenn allerdings die Exposition bei Verfahren, die nicht in der BGl 664 aufgeführt sind, unbekannt ist, kann es sich nicht um Arbeiten mit geringer Exposition handeln. Es ist dafür aber der worst-case zu unterstellen, also die Spitzenbelastung bei ASI-Arbeiten, so dass alle Arbeitsschutzmaßnahmen durchzuführen sind, und nicht die Erleichterungen nach BGl 664. Dies ist in der Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung zu begründen.

Im vorliegenden Fall wären die in der TRGS 519 aufgeführten Maßnahmen einschließlich der erforderlichen Messungen durchzuführen, um letztlich zu dokumentieren, dass es sich bei dem Ersatzverfahren um Arbeiten mit geringer Exposition handelt. Nach § 11 Abs. 3 Gefahrstoffverordnung ist der Arbeitgeber bei ASI-Arbeiten ohnehin verpflichtet die technischen Möglichkeiten zur Begrenzung der Exposition auszuschöpfen, um den Schutz der Beschäftigten während dieser Tätigkeiten zu gewährleisten.


Dialognummer: 5959
Stand: 04.09.2007

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