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Nutzerpfad: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen
Stichworte: Gibt es ein Regelwerk welches konkrete Hilfestellung bei der Einteilung der Ex-Zonen gibt? Gibt es Sachverständige, die Lackieranlagen prüfen?

Frage:

Wir haben im letzten Jahr eine neue Lackieranlage installiert.
Der abgetrennte Hallenbereich ist lt. Brandschutzgutachten dafür geeignet. In der 350 m³ großen Lackierhalle befindet sich eine Farbnebelabsaugwand (=Spritzstand), ein Abdunstkanal sowie eine darauf abgestimmte Belüftungsanlage.
Eine Hängebahn ist aufgestellt worden zur Trocknung der lackierten Teile (Pumpen).
Im zweiten Bereich der Halle befinden sich Lagerflächen für die unlackierten sowie auch der lackierten Pumpen. In Gefahrstoffschränken werden die Lacke gelagert.

Ein Explosionsschutzdokument haben wir bereits erstellt, doch sind uns nicht sicher, ob es richtig ist. Sowohl Lackieranlagenhersteller als auch Lacklieferant geben uns nur allgemeine Informationen, z.B. zur Zoneneinteilung. Und wir als Betreiber sollen eben die Details festlegen. Gibt es ein Regelwerk oder eine Norm oder sonst etwas, welches uns konkrete Hilfestellung bei der Einteilung der Zonen gibt.
Gibt es Sachverständige, die Lackieranlagen prüfen (wie es z.B. Sachverständige gibt, die Krane und Tore prüfen)?




Antwort :

Explosionsgefährdete Bereiche:
Der Arbeitgeber muss nach
§ 6 Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV ein Explosionsschutzdokument erstellen, wenn ein explosionsgefährdeter Bereich im Sinne des § 2 Abs. 10 BetrSichV  vorliegt. Ob ein solcher explosionsgefährdeter Bereich vorliegt, muss der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermitteln.

Jeder Stoff, der zu einem explosionsgefährdeten Bereich führt oder einen vorhandenen Ex-Bereich beinflussen kann, muss im Explosionsschutzdokument behandelt werden. Es empfielht sich, das Explosionsschutzdokument in einen allgemeinen Teil und in anlagenbezogene bzw. raumbezogene Teile zu untergliedern. Im ersten allgemeinen Teil kommen dabei alle Informationen zum Tragen, die für alle Anlagenteile/Räume gelten.

Bei der Festlegung der explosionsgefährdeten Bereiche (bzw. der Ex-Zonen) sollte in der nachstehenden Reihenfolge vorgegangen werden:

1. Nutzung von Angaben zur Zoneneinteilung in technischen Regeln. (z.B. Technische Regeln für brennbare Flüssigkeiten z.B. TRbF 20, TRbF 30, Technische Regeln für Betriebssicherheit - TRBS z.B.TRBS 2152), 
2. Branchenspezifische Informationen und Regeln zum Explosionsschutz (s.u.),
3. Nutzung von Merkblättern und Beispielsammlungen (insbesondere die
Explosionsschutzregeln Ex-Rl - BGR 104),
4. Anwendung der DIN VDE 0165 Teil 101 oder anderer Normen (analytisches Verfahren für Gase),
5. Ableitung der Zoneneinteilung aus ähnlichen Beispielen unter Berücksichtigung der eigenen Angaben über Freisetzung  und Schutzmaßnahmen.

Werden keine ausreichenden Angaben gefunden oder handelt es sich um komplexe Anlagen, so wird empfohlen, Explosionsschutz-Sachverständige hinzuzuziehen. 

Konkrete arbeitsschutzrechtliche Vorgaben für Lackierkabinen mit Beispielen zu Ex-Zonen erhalten Sie u.a. durch die BGI 740 "Lackierräume und -einrichtungen für flüssige Beschichtungsstoffe". Die BGR 231 "Schutzmaßnahmenkonzept für Spritzlackierarbeiten - Lackaerosole" und die BGI 557 "Lackierer" sind ebenfalls relevant.

Allgemeine Informationen und Hilfen zur Erstellung der Explosionsschutzdokumente finden sie z.B. hier:
Praxis-Leitfaden zur Umsetzung der Explosionsschutzrichtlinie 1999/92/EG [pdf; 1 MB]
Infoblatt zu Ex-Schutzdokument [pdf]
Mitteilung 1/2003 zur Gefährdungsbeurteilung / Explosionsschutz (-dokument) [html]

Prüfung und Beratung:
Bei Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen im Sinne des § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 BetrSichV müssen Prüfungen erstmalig und nach einer wesentlichen Veränderung sowie nach einer Änderung der Bauart und des Betriebes der Anlage durch eine zugelassene Überwachungsstelle erfolgen (§ 14 Absätze 1 und 2 BetrSichV). Wiederholungsprüfungen im Betrieb müssen spätestens alle drei Jahre durchgeführt werden (§ 15 Abs. 15 BetrSichV). In beiden Fällen können die Prüfungen der Geräte und Schutzsysteme sowie Sicherheits-, Kontroll- und Regelvorrichtungen im Sinne der Rl. 94/9/EG durch befähigte Personen geprüft werden (§ 14 Abs. 3 BetrSichV).

Arbeitsplätze in explosionsgefährdeten Bereichen müssen vor der erstmaligen Nutzung nach Nr. 3.8 des Anhangs 4 A BetrSichV geprüft werden. Hierbei wird die Explosionssicherheit des Arbeitsplatzes einschließlich der vorgesehenen Arbeitsmittel und der Arbeitsumgebung sowie Maßnahmen zum Schutz von Dritten geprüft. Diese etwas globalere Prüfung muss mindestens durch eine befähigte Person mit besonderen Kenntnissen auf dem Gebiet des Explosionsschutzes vorgenommen werden.

Nähere Erläuterungen zur Prüfperson und des Prüfumfanges bieten die Leitlinien zur BetrSichV im Abschnitt E.14 und die entsprechenden Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) an; z.B. TRBS 1201 Teil 1 "Prüfung von Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen und Überprüfung von Arbeitsplätzen in explosionsgefährdeten Bereichen" und TRBS 1203 Teil 1 "Befähigte Personen - Besondere Anforderungen - Explosionsgefährdungen".

Erläuterungen zu Prüfungen bieten z.B. auch die Dialoge der Komnet-Wissensdatenbank an.

Als Ansprechpartner für technische Beratung und die Prüfungen sind z.B. die Technischen Überwachungsvereine (TÜV) zu nennen, die auch gleichzeitig als zugelassene Überwachungsstelle im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung fungieren. Weitere zugelassene Überwachungsstellen (z.B. Dekra, Exam BG und Germanischer Lloyd) finden sie auf der Homepage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) --> zugelassene Überwachungsstellen.

Weitere Auskünfte kann auch die Prüf- und Zertifizierstelle für Bauteile, Maschinen, Geräte und Schutzsysteme im Ex-Schutz (Dekra Exam GmbH) geben.

Stand: August 2007


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