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Nutzerpfad: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Verlauf, Abmessung und Anzahl von Fluchtwegen
Stichworte: Kann eine zweiter Fluchtweg durch Technikräume geführt werden? ist die Fluchtwegführung ausreichend?

Frage:

Der zweite Fluchtweg aus einem Personalumkleideraum (WC, Dusche, Umkleide) im Kellergeschoss eines Sportzentrums soll nach einer Umbaumaßnahme durch zwei hintereinanderliegende Technikräume und anschließend über einen Flur und eine außen liegende Treppe ins Freie geführt werden.
Laut Baurecht handelt es sich bei einem Umkleideraum und Sanitärräumen nicht um Aufenthaltsräume - trotzdem erscheint es mir erforderlich, einen zweiten (notwendigen) Fluchtweg sicherzustellen.
Ist es zulässig, diesen (zweiten) Fluchtweg durch die Technikräume zu führen?
Gibt es Literaturqellen, die eine Unzulässigkeit dieser Fluchtwegführung dokumentieren?

Antwort :

Gemäß der Arbeitsstättenverordnung (§ 4 Abs. 4 ArbStättV)muss der Arbeitgeber Vorkehrungen treffen, dass die Beschäftigten bei Gefahr sich unverzüglich in Sicherheit bringen und schnell gerettet werden können. Dabei ist es grundsätzlich möglich, einen Fluchtweg durch einen Technikraum zu führen.

Das Arbeitsschutzrecht kennt keine Unterscheidung zwischen einem ersten und einem zweiten Fluchtweg. Nach Ziffer 2.3 des Anhangs der Arbeitsstättenverordnung ist die Anzahl, Anordnung und Abmessung von Fluchtwegen - in einer Gefährdungsbeurteilung - nach den Kriterien festzulegen, die dort genannt werden.
Der Begriff erster und zweiter Fluchtweg ruft den Eindruck hervor, dass es sich um Fluchtwege unterschiedlicher Qualität handelt. Nach Arbeitsstättenrecht müssen aber alle Fluchtwege die Anforderungen erfüllen, die unter Ziffer 2.3 an Fluchtwege gestellt werden.

Z
iffer 5 der Technischen Regel für Arbeitsstätten - ASR A2.3 - Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan
fordert, dass eine Fluchtweglänge, z.B. in einen gesicherten Bereich, nicht länger als 35 Meter sein darf. Wenn ein Fluchtweg durch einen Technikraum führt, dann berechnet sich diese Länge nicht nach der Luftlinie, sondern nach der effektiven Weglänge, die wirklich zurückgelegt werden muss.

Anforderungen an Türen in Fluchtwegen werden ebenfalls in der ASR A2.3 getrofffen. Technikräume sind oft verschlossen, Nach ASR A2.3, Ziffer 6 müssen aber alle Türen im Verlauf von Fluchtwegen gewisse Eigenschaften aufweisen, die dem eventuell entgegenstehen.
Technikräume tendieren dazu, als Abstellräume missbraucht zu werden. Es muss also wirklich sichergestellt sein, dass die Fluchtwege immer frei gehalten werden. Gegebenfalls muss eine Sicherheitsbeleuchtung installiert werden.

Das Baurecht spricht häufig nicht von Fluchtwegen, sondern von Rettungswegen. Der Unterschied ist folgender: man "flüchtet" aus eigener Kraft, zur Rettung wird häufig die Hilfe der Feuerwehr benötigt. Sie sollten daher Ihre Planung unbedingt auch mit der Feuerwehr abstimmen. Für nähere Informationen im Einzelfall und zur der Frage des erforderlichen ersten und zweiten Rettungsweges empfehlen wir, sich mit der Fragestellung an die jeweils zuständige Baubehörde zu wenden. 


Dialognummer: 5770
Stand: 12.09.2012

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