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Nutzerpfad: Registrierung > Stoffsicherheitsbeurteilung / Stoffsicherheitsbericht > Grenzwerte anderer Rechtsbereiche (DNEL, PNEC, ...)
Stichworte: Welche Sachkunde benötigt man zur Erstellung der Stoffsicherheitsberichte?

Frage:

Für die Erstellung der Stoffsicherheitsberichte benötigt man Sachkunde. Kann man die durch die Kurse zur Erstellung der Sicherheitsdatenblätter erlangen? Ab wann hat man die zusätzlich geforderte Erfahrung?

Antwort :

Durch REACH ergeben sich viele neue Anforderungen an die beruflichen Verwender von Chemikalien, soweit pro Hersteller oder Importeur Mengen von mehr als einer Tonne pro Jahr vermarktet werden. So dürfen Chemikalien nur in der Weise verwendet werden, wie es durch das erweiterte Sicherheitsdatenblatt und die Stoffsicherheitsbeurteilung abgedeckt ist. Die dort empfohlenen Risikomanagementmaßnahmen sind umzusetzen.
Nach REACH Artikel 14 “Stoffsicherheitsbericht und Pflicht zur Anwendung und Empfehlung von Risikominderungsmaßnahmen“ ist „(…) für alle Stoffe, die nach diesem Kapitel registrierungspflichtig sind, eine Stoffsicherheitsbeurteilung durchzuführen und ein Stoffsicherheitsbericht zu erstellen, wenn der Stoff in Mengen von 10 Tonnen oder mehr pro Jahr und Registrant registriert wird (…)“. Demnach dokumentiert der Stoffsicherheitsbericht „(…) die Stoffsicherheitsbeurteilung, die nach den Absätzen 2 bis 7 und nach Anhang I entweder für jeden Stoff als solchen oder in einer Zubereitung oder in einem Erzeugnis oder für eine Stoffgruppe durchzuführen ist (…)“.
Weiterhin ist dazu im REACH Anhang 1 „Allgemeine Bestimmungen für die Stoffsicherheitsbeurteilung und die Erstellung von Stoffsicherheitsberichten“ ausgeführt, dass die „(…) Stoffsicherheitsbeurteilung (…) von einer oder mehreren sachkundigen Personen durchgeführt (wird), die über entsprechende Erfahrung verfügen und entsprechende Schulungen einschließlich Auffrischungskursen erhalten haben (…)“.
Der REACH Anhang I enthält sehr detaillierte Anforderungen, wie die physikalisch-chemischen, humantoxikologischen und ökotoxikologischen Eigenschaften von chemischen Stoffen, unter anderem auch die CMR-, PBT und vPvB-Eigenschaften, und deren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu ermitteln und zu bewerten sind. Weiterhin sind die während des Lebenszyklus eines Stoffes zu erwartenden Expositionen abzuschätzen und zu beurteilen, für die vorgesehenen Verwendungen des Stoffes sind die Risiken durch Expositionsszenarien mit Risikominimierungsmaßnahmen (RMM) zu beschreiben und aus den toxikologischen Daten sind die Einstufungen und Kennzeichnungen nach der EG-Stoffrichtline 67/548/EWG sowie die für Mensch und Umwelt unschädlichen Konzentrationen DNEL (Derived No-Effect Level) bzw. PNEC (Predicted No-Effect Level) abzuleiten.
Diese Anforderungen des REACH Anhangs I gehen weit über die Anforderungen hinaus, die im REACH Anhang II „Leitfaden für die Erstellung des Sicherheitsdatenblatts“ als Sachkunde zur Erstellung eines Sicherheitsdatenblattes genannt wird. Die bisher bestehende EG-Sicherheitsdatenblattrichtlinie 91/155/EG, novelliert durch die EG-Richtlinie 2001/58/EG, wird mit Inkrafttreten von REACH durch den Artikel 139 aufgehoben und durch den REACH Anhang II ersetzt. Nach § 7 „Sicherheitsdatenblatt“ der GefStoffV ist dafür zu sorgen, „(…) dass das Sicherheitsdatenblatt von einer fachkundigen Person erstellt (…)“ wird.
Die Anforderungen zur Erstellung von Stoffsicherheitsbeurteilungen und Stoffsicherheitsberichten nach REACH sind daher noch am besten mit den Anforderungen an die Fachkunde nach § 7 der
GefStoffV „Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung“ vergleichbar, die vor allem vom Betriebsarzt und von der Fachkraft für Arbeitssicherheit abgedeckt wird. Bei diesen Fachkräften ist im Allgemeinen auch die nach REACH geforderte berufliche Erfahrung bei der Ermittlung und Beschreibung, Bewertung, Vermeidung und Verminderung von Gefährdungen und Risiken anzutreffen.
Wenn die betrieblichen Fachkräfte fehlen, können auch externe, auf dem Gebiet der Chemikaliensicherheit qualifizierte Dienstleister hinzugezogen werden. Bisher gibt es allerdings noch keine amtlichen Erlasse zu den Anforderungen der REACH Sachkunde, wie diese z.B. mit „Hinweisen und Empfehlungen zum Sachkundenachweis gemäß § 5 der Chemikalien-Verbotsverordnung vom 1. Oktober 2005“ und der „Pflanzenschutz-Sachkundeverordnung vom 28. Juli 1987“ bereits seit längerer Zeit bestehen. Eine Beurteilung der fachlichen Qualität externer Dienstleister hinsichtlich der Anforderungen der REACH-Verordnung ist nur eingeschränkt möglich, da der REACH Prozess erst ab 1. Juni 2007 beginnt und daher noch keine praktischen Erfahrungen vorliegen können.
Der Zugang zum REACH-Net – Beratungsservice findet sich unter der Internetadresse
www.reach-net.com. Dort kann jeder online in der REACH-Wissensdatenbank recherchieren und - nach einer einfachen, persönlichen Anmeldung - auch neue Fragen an den REACH-Expertenverbund stellen. Dort werden auch die veröffentlichte REACH-Verordnung 1907/2006 (EU-ABl. L 396 vom 30.12.2006) und begleitende Rechtsakte angeboten.
(Basis: cc9561)


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