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Nutzerpfad: Physikalische Belastungen und Beanspruchungen > Ionisierende Strahlung > Strahlenschutzorganisation
Stichworte: Befreiung von der Pflicht zur Deckungsvorsorge gemäß Strahlenschutzverordnung

Frage:

Betrifft: § 10 StrlSchV Befreiung von der Pflicht zur Deckungsvorsorge
1) In einer nuklearmedizinischen Arztpraxis wird meist mit mehreren Nukliden umgegangen. Dem Text der StrlSchV folgend, gilt das Kriterium für die Befreiung „kleiner 10 hoch 6 mal Freigrenze (bzw. 10 hoch 5 bei offenen radioaktiven Stoffen)“ für jedes genehmigte Nuklid einzeln, unabhängig von den anderen genehmigten Nukliden.
In einem Genehmigungsverfahren in NRW ist mir jetzt erstmals der Fall begegnet, dass die Genehmigungsbehörde eine gewichtete Summenformel bei der Prüfung verwendet hat und dadurch eine Befreiung nicht zustande kam. Auf welcher Rechtsgrundlage wurde die Summenformel angewendet?
2) Das Nuklid Tc-99m wird in der nuklearmedizinischen Arztpraxis mit Hilfe eine Mo-99-Generators gewonnen. Daher ist Mo-99 das zu genehmigende Nuklid. Beim Tc-99m handelt es sich hier unstrittig um einen offenen radioaktiven Stoff. Doch wie ist es mit dem Mo-99? Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch ist Mo-99 im Generator gebunden und kann nicht freiwerden. Der Generator ist umschlossen, also sollte es sich um einen umschlossenen radioaktiven Stoff handeln, für den das Kriterium „kleiner 10 hoch 6 mal Freigrenze“ lautet. Ist diese Aussage korrekt? Falls nein, warum nicht?

Antwort :

Zur Frage 1:

Die Anwendung der Summenformel ist in den Vorbemerkungen zur Tabelle 1 der Anlage III zur Strahlenschutzverordnung vorgegeben.

Dort heißt es: "Bei mehreren Radionukliden ist die Summe der Verhältniszahlen aus der vorhandenen Aktivität (Ai) oder spezifischen Aktivität (Ci) und den jeweiligen Freigrenzen FGi der einzelnen Radionuklide gemäß Spalte 2 oder 3 zu berechnen (Summenformel), wobei i das jeweilige Radionuklid ist."

Zur Frage 2:

Ein Mo-/Tc-Generator kann kein umschlossener radioaktiver Stoff i.S. der Strahlenschutz-verordnung sein.

Mit der Einteilung in offene und umschlossene radioaktive Stoffe hat der Verordnungsgeber versucht, die Anforderungen an den Umgang mit den verschiedenen radioaktiven Stoffen an das Gefahrenpotential anzupassen. So können -weil bei ihnen bei üblicher betriebsmäßiger Beanspruchung radioaktive Stoffe nicht freiwerden, also das Kontaminationsrisiko entfällt- bei umschlossenen Stoffen (z.B. Strahler zur Anzeigekontrolle von Messgeräten oder Markierungsstifte) Anforderungen entfallen, die beim Umgang mit offenen Stoffen sehr wohl er-forderlich sind (z.B. arbeitstägliche Kontaminationskontrollen).

Das Freisetzen radioaktiver Stoffe aber ist gerade der Bestimmungszweck der Mo/Tc-Generatoren. Und dabei kann durch den sog. Durchbruch auch Molybdän als offener radio-aktiver Stoff freiwerden. Nicht umsonst ist die Prüfung auf Molybdändurchbruch eine der Prüfpositionen vor der "Inbetriebnahme" eines Generators. Das Kriterium aus § 3 Abs. 2 Nr. 29 b) ist also bauartbedingt nicht erfüllt. Danach sind umschlossene radioaktive Stoffe solche, "die ständig von einer allseitig dichten, festen inaktiven Hülle umschlossen oder in festen inaktiven Stoffen ständig so eingebettet sind, dass bei üblicher betriebsmäßiger Beanspruchung ein Austritt radioaktiver Stoffe mit Sicherheit verhindert wird".

Welche Anforderungen an Temperatur-, Druck- Schlag- Schwingungs- und Durchstoßbeanspruchbarkeit ein Strahler erfüllen muss, um als umschlossener radioaktiver Stoff zu gelten, ist in der DIN 25426 geregelt. Diese Anforderungen sind für einen Mo/Tc-Generator bauartbedingt nicht zu erfüllen.

 


Dialognummer: 5687
Stand: 04.06.2007

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