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Stichworte: Können Labortätigkeiten mit humanem Blut in die Risikogruppe 1 eingestuft werden und somit auch die erforderliche Schutzstufe?

Frage:

1.) Im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung beschäftigen wir uns derzeit auch mit dem Einsatz von nicht charakterisiertem humanem Blut in biologischen Laboratorien. Nach TRBA 100 6.1.2 sind die Tätigkeiten mit diesem Material ja im Allgemeinen unter den Bedingungen der Schutzstufe 2 nach Biostoffverordnung durchzuführen. Wir würden gerne die erforderliche Schutzstufe bei diesen Tätigkeiten von 2 auf 1 senken, sind aber nicht in der Lage, das Blut der einzelnen Proben auf HIV, HCV, HBV testen zu lassen, bevor damit gearbeitet wird. Der Grund hierfür ist, dass die Proben sehr frisch eingesetzt werden müssen. Alternativ zur Einzelcharakterisierung jeder Probe würden wir gerne die Blutproben nur von einem begrenzten Pool von Spendern beziehen, die in regelmäßigen Abständen (z.B. alle 3 Monate) auf HIV, HBV, HCV getestet werden. Wir gehen davon aus, dass durch diese Maßnahme das Risiko, kontaminiertes Material zu bearbeiten, deutlich minimiert werden könnte. Meine Frage ist nun, ob eine solche Maßnahme aus Sicht des Arbeitsschutzes ausreichen würde, in Analogie die Anforderungen der TRBA 100, Punkt 6.1.2 (5) zu erfüllen? Schließlich kann auch eine Charakterisierung jeder einzelnen Probe eine Kontamination mit o.g. Viren nicht gänzlich ausschließen (diagnostisches Fenster).

2.) Wir beziehen aus einer anderen Quelle auch Blut, das extern charakterisiert wird, zum einen durch Antikörpertests, die schnell durchgeführt werden, zum anderen durch eine lang dauernde PCR auf HIV und HCV. Ist für uns die Aussage einer negativen Charakterisierung auf HIV, HBV, HCV aus den schnellen Antikörpertests zur Verwendung dieses Materials unter Schutzstufe 1 nach TRBA 100 ausreichend, oder müssen wir dafür zusätzlich auf die Ergebnisse der PCR warten?

Antwort :

In der TRBA 100 (Schutzmaßnahmen für gezielte und nicht gezielte Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien - Ausgabe Dezember 2006) sind beispielhaft Schutzstufenzuordnungen bei nicht gezielten Tätigkeiten aufgeführt.
Nach Ziffer 4.3.2 Abs.1 der TRBA 100 ist Blut, dessen Infektionsstatus nicht weiter charakterisiert ist, als potentiell infektiös anzusehen und sind entsprechende Tätigkeiten im Allgemeinen unter den Bedingungen der Schutzstufe 2 durchzuführen.
Liegen nach der Charakterisierung humanen Probenmaterials klinisch unauffälliger Spender keine wirtstypspezifischen Erreger der Risikogruppe 2 und höher vor, so sind die Bedingungen der Schutzstufe 1 ausreichend. Dies ist z.B. der Fall, wenn die Probenmaterialien HIV-, HBV- und HCV-negativ sind. I.d.R. ist dann davon auszugehen, dass eine Infektionsgefährdung durch andere Krankheitserreger vernachlässigbar ist (4.3.2 Abs. 5 TRBA 100).
Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung hat der Arbeitgeber eine Begründung für die vorgenommene Schutzstufenzuordnung schriftlich abzugeben.
Zu Frage 1:
Nach Ihren Angaben ist das Blut selbst nicht charakterisiert, nur der Spenderpool wird in regelmäßigen Abständen entsprechend untersucht.
Aus arbeitsschutzrechtlicher Sicht sind die Untersuchungen der Spender nicht gleichwertig mit einer Einzelcharakterisierung des Blutes. Die Wahrscheinlichkeit möglicher Infektionen ist deutlich höher als bei Tätigkeiten mit getestetem Blut. Eine Abweichung von den Schutzmaßnahmen der Schutzstufe 2 ist aus arbeitsschutzrechtlicher Sicht nicht zulässig.
Zu Frage 2:
Hier ist nicht bekannt, wie sicher die schnellen Antikörpertests im Vergleich zur genaueren PCR sind und welche Tätigkeiten durchgeführt werden. Der Arbeitgeber hat im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung abzuschätzen, ob auf Grund der negativen Ergebnisse der schnellen Antikörpertests möglicherweise einzelne Maßnahmen der Schutzstufe 2 bei bestimmten Tätigkeiten mit dem extern charakterisierten Blut nicht angewendet werden müssen.

Stand: Mai 2007


Dialognummer: 5566

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