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Nutzerpfad: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Gefährdungen für werdende / stillende Mütter
Stichworte: Welchen Immunschutz benötigt eine schwangere Praktikantin in einer Kindertagesstätte?

Frage:

Wir haben in unserer Kindertagesstätte eine Praktikantin, die die Ausbildung zur Erzieherin beginnen möchte und hierfür vorher ein 6-monatiges (unbezahltes) Praktikum benötigt. Nun ist sie schwanger und ihre Ärztin hat ihr Immunschutz für Röteln und Windpocken bescheinigt. Eine Bescheinigung bezüglich des Immunschutzes von weiteren Krankheiten hält die Ärztin für nicht erforderlich und zudem für viel zu aufwendig und teuer (mehrere Hundert EURO), die die Praktikantin selbst zahlen muss. Kann die Praktikantin auf den Schutz verzichten? Ist die Feststellung des Immunschutzes tatsächlich so aufwendig und teuer? Was können wir tun? Wir wollen die Praktikantin ungern verlieren.

Antwort :

Falls ihre Praktikantin Arbeitnehmerstatus hat, dann unterliegt sie dem Schutz des Mutterschutzgesetzes - MuSchG und der Mutterschutzverordnung. Dann sind Sie als Arbeitgeber verpflichtet, nach der Bekanntgabe der Schwangerschaft sofort eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen, um einen sicheren und schwangerschaftsgerechten Arbeitsplatz einrichten zu können. Dabei sind noch die speziellen Bestimmungen der Mutterschutzrichtlinien - Verordnung, des Arbeitsschutzgesetzes sowie der Biostoffverordnung zu beachten.

Im § 4 MuSchG sind die generellen Beschäftigungsverbote konkretisiert. So dürfen Schwangere z.B. keine Lasten von mehr als 5 kg regelmäßig oder 10 kg gelegentlich per Hand heben und tragen.
Des Weiteren besteht für die Schwangeren mit intensivem beruflichen Kontakt eine erhöhte Ansteckungsgefahr gegenüber folgenden Infektionskrankheiten:
Röteln
Ringelröteln,
Windpocken,
Masern,
Mumps,
Zytomegalie,
Hepatitis A und B (falls pflegebedürftige Kinder betreut werden, z. B. körperlich behinderte Kinder).

Es ist zu raten, die Immunitätslage der werdenden Mutter gegenüber o. g. Infektionskrankheiten zu prüfen. Bei Schwangeren soll dies im Rahmen der arbeitsmedizinischen Betreuung seitens des Betriebsarztes erfolgen. Die Kosten für diese arbeitsmedizinische Untersuchung trägt der Arbeitgeber.

Impfungen sind während einer Schwangerschaft nur bedingt durchführbar. Nur Impfungen mit einem Totimpfstoff (Tetanus, Hepatitis B...) sind möglich, wobei im ersten Drittel der Schwangerschaft nur dringend erforderliche Impfungen vorgenommen werden sollten. Impfungen mit einem Lebendimpfstoff ( MMR, Varizellen ...) sind in der Schwangerschaft nicht möglich!!!

Bei nicht ausreichender Immunität gegenüber o. g. Erkrankungen müssen die notwendigen Schutzmaßnahmen (Beschäftigungsverbote) eingeleitet werden.

Folgende Erkrankungen und Schutzmaßnahmen sind bei Kindergärtnerinnen zu berücksichtigen:
Röteln: bei fehlendem Immunschutz Beschäftigungsverbot bis zum Ende der 20. Schwangerschaftswoche (SSW), danach folgt nur beim Auftreten des ersten Erkrankungsfalles eine zeitlich befristete Freistellung.

Ringelröteln: keine Impfung möglich, für nichtimmune Schwangere soll ein Beschäftigungsverbot bis zum Ende der 20 Schwangerschaftswoche (SSW) erfolgen , danach folgt nur beim Auftreten des ersten Erkrankungsfalles eine zeitlich befristete Freistellung.

Zytomegalie: keine Impfung möglich, bei fehlendem Immunschutz ist keine Beschäftigung mit Kindern bis zum vollendeten 3. Lebensjahr, Umgang mit älteren Kindern ist erlaubt unter Beachtung der erforderlichen Schutzmaßnahmen (Handschuhe, Freistellung vom Wickeln, keine Hilfestellung bei Toilettenbenutzung durch die Schwangere, Vermeidung jedes Kontaktes mit Urin und Speichel). 

Windpocken: Beschäftigungsverbot für jede seronegative Schwangere für die gesamte Schwangerschaft

Masern: Beschäftigungsverbot für jede seronegative Schwangere für die gesamte Schwangerschaft

Mumps: Beschäftigungsverbot für jede seronegative Schwangere für die gesamte Schwangerschaft

Hepatitis B: Beschäftigungsverbot bei fehlendem Immunschutz und Tätigkeit in einer Einrichtung in einem Gebiet mit anzunehmender erhöhter Infektion der Bevölkerung (z.B. Kinder aus Familien ausländischer Herkunft, Kinder aus sozial schwachen Familien z. B. Kinder von Drogensüchtigen...) oder auch bei bekannten Hepatitis B infizierten Kindern in der Einrichtung

Keuchhusten, Influenza, Scharlach, Hepatitis A: befristetes Beschäftigungsverbot beim Auftreten der Erkrankung in der Einrichtung bzw. einer Epidemie in der Region

Einzelheiten über die Beschäftigung von Schwangeren beim beruflichen Umgang mit Kindern können sie dem Merkblatt "Mutterschutz beim beruflichem Umgang mit Kindern" entnehmen.


Dialognummer: 5261
Stand: 20.03.2007

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