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Stichworte: Abschirmung einer Ganzglaswand im Bereich eines Verkehrsweges nach Arbeitsstättenrecht

Frage:

Abschirmung einer Ganzglaswand im Bereich eines Verkehrsweges

 Nach ASR8/4 Forderung einer Abschirmung auch bei bruchsicheren Werkstoffen.

 Es ergibt sich jedoch eine differenzierte Betrachtungsweise bei Beachtung verschiedener "Erläuterungen zur ASR8/4" (z.B. WEKA-Verlag) oder Baurecht oder DIN.

 Der Bauleiter weist jetzt darauf hin, dass die Ganzglaswand aus Verbundsicherheitsglas besteht. Das Verbundsicherheitsglas ist splitterbindend und durchschlaghemmend.

 Die Statik weist als horizontale Holmlast 1kN/m aus, was der Forderung für Treppengeländer entspricht.

Kann man argumentieren, dass das Schutzziel (keine Verletzung von Personen nach Bruch und Verhinderung von Abstürzen von Personen) hier auf anderem Wege erreicht wurde und somit die Forderungen der ArbStättV Anhang 1.5(3) und ASR 8/4 erfüllt sind?

Antwort :

Nach Arbeitsstätten-Richtlinie "Lichtdurchlässige Wände" ASR 8/4 Ziffer 2.2 muss eine Abschirmung bei bruchsicherem Glas nur dann vorhanden sein, wenn der Verkehrsweg oder der Arbeitsplatz an eine lichtdurchlässige Wand grenzt und eine Absturzgefahr vorhanden ist.

Nach Arbeitsstätten-Richtlinie "Schutz gegen Absturz und herabfallende Gegenstände" ASR 12/1-3 müssen bei einer Absturzgefahr Umwehrungen angebracht werden. Die Umwehrung ist nach Ziffer 2.2 der ASR 12/1-3 so zu gestalten, dass Arbeitnehmer nicht hindurchfallen können. Dies ist bei einer Scheibe aus bruchsicherem Glas gegeben.

Die Umwehrung muss nach Ziffer 2.4 so beschaffen und befestigt sein, dass an ihrer Oberkante eine Horizontallast von 1kN/m aufgenommen werden kann. Diese Angabe wird unter der Vorraussetzung gemacht, dass die Umwehrung aus Fußleiste, Knieleiste und Handleiste besteht. Wenn sich ein Arbeitnehmer an und über den obersten Holm lehnt, muss dieser die geforderten 1 kN/m aushalten. Dabei handelt es sich um eine Linienlast Kraft/Meter. Wenn sich ein Arbeitnehmer gegen eine Scheibe lehnt (oder im schlimmsten Fall auf dem Verkehrsweg ins Stolpern gerät und in die Scheibe stürzt) handelt es sich wohl um eine Flächenlast Kraft/Quadratmeter. Die beiden Fälle sind also nicht unmittelbar miteinander vergleichbar.

Relevant ist hier besonders die Technischen Regeln für die Verwendung von absturzsichernden Verglasungen (TRAV) , Fassung Januar 2003. Diese Technischen Regeln behandeln die in der Frage aufgezeigte Problematik sehr detailliert. Sie können heruntergeladen werden von der Seite des Deutschen Instituts für Bautechnik DIBt: www.dibt.de. Insbesondere ist der Abschnitt 6 zu beachten: Nachweis der Tragfähigkeit unter stoßartigen Einwirkungen.

Ein Statiker sollte den Nachweis erbringen, dass die gewünschte Scheibe die gleiche Sicherheit bietet wie eine Umwehrung. Dann kann Ihrer Argumentation gefolgt werden. Siehe auch die BGI 669 "Glastüren, Glaswände".

Stand: März 2007


Dialognummer: 5230

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