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Stichworte: Muss in ein Firmenfahrzeug eine Klimaanlage eingebaut sein?

Frage:

Gibt es eine Vorschrift, die den Arbeitgeber verpflichtet, ein Firmenfahrzeug mit einer Klimaanlage auszurüsten, wenn man täglich mehr als 1-1,5 Stunden ununterbrochen im Fahrzeug sitzt?

Antwort :

Der Arbeitgeber hat auch für Arbeitsplätze im Außendienst auf Kraftfahrzeugen eine Gefährdungsbeurteilung gemäß § 5 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) durchzuführen. In dieser Gefährdungsbeurteilung muss auch auf mögliche Gefährdungen durch zu hohe Temperaturen im Fahrzeuginneren eingegangen werden.
Nach § 3 ArbSchG ist der Arbeitgeber verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu treffen. Die erforderliche Maßnahme zur Vermeidung von Gesundheitsgefahren könnte die Anschaffung von Fahrzeugen mit Klimaanlage sein; zwingend vorgeschrieben ist sie nicht.

Die klimatischen Bedingungen im Fahrzeuginneren müssen nur dann den Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung entsprechen (siehe auch Abschnitt B der Leitlinien zur Arbeitsstättenverordnung ), wenn dieser ausschließlich innerbetrieblich oder auf privatem Gelände (Baustelle) eingesetzt wird. In den anderen Fällen gilt speziell das Verkehrsrecht bzw. die Unfallverhütungsvorschriften.

Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) Ziffer 3.5 und 3.6 des Anhangs -Raumtemperaturen/Lüftung :
3.5 (1) In Arbeits-, Pausen-, Bereitschafts-, Sanitär-, Kantinen- und Erste-Hilfe-Räumen, in denen aus betriebstechnischer Sicht keine spezifischen Anforderungen an die Raumtemperatur gestellt werden, muss während der Arbeitszeit unter Berücksichtigung der Arbeitsverfahren, der körperlichen Beanspruchung der Beschäftigten und des spezifischen Nutzungszwecks des Raumes eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur bestehen.

3.6 (1) In umschlossenen Arbeitsräumen muss unter Berücksichtigung der Arbeitsverfahren, der körperlichen Beanspruchung und der Anzahl der Beschäftigten sowie der sonstigen anwesenden Personen ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft vorhanden sein.

3.6 (3) Werden Klimaanlagen oder mechanische Belüftungseinrichtungen verwendet, ist sicherzustellen, dass die Beschäftigten keinem störenden Luftzug ausgesetzt sind.

Ferner verweisen wir auf § 7 der BGV D 29 "Fahrzeuge". Hier wird für Fahrzeuge mit einem geschlossenen Führerhaus lediglich eine Belüftung und Beheizung gefordert, nicht jedoch eine Klimaanlage.


Nachfolgend einige nähere Informationen zum Thema klimatische Belastungen in Fahrzeugen:

Veröffentlichung in der Zeitschrift ADAC Motorwelt 9/98, Prof. Dr. H. Lewrenz, Mitglied im ADAC - Ärztekollegium: ”Hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit an heißen Tagen machen Autofahrer vorzeitig müde. Das bestätigt eine TÜV-Untersuchung: Bei 35 Grad Celsius Innentemperatur reagiert man um 20 % langsamer als bei 25 Grad Celsius, etwa so, als hätte man 0,5 Promille Alkohol im Blut. Mit einer guten Klimaanlage bleibt der Fahrer länger fit und verliert außerdem weniger Wasser und Salz, weil er weniger schwitzt. Besonders kreislaufgeschädigte oder anfällige Menschen können mit guten Klimaanlagen z.B. Herz-Kreislaufprobleme im Auto vermeiden. Allerdings gilt: Nicht zu kühl einstellen, um eine Erkältung zu vermeiden.”

Ob ein Raumklima als angenehm empfunden wird, hängt nicht allein von der tatsächlichen Temperatur ab. Es kommt auch auf das Alter, das Geschlecht, die körperliche Verfassung und Beanspruchung, die Bekleidung, die Feuchtigkeit der Luft, die Bewegung der Luft, den Luftdruck und die Wärmeeinstrahlung, die von den Wänden ausgeht, an.

Die Verpflichtung des Arbeitgebers, für gesundheitlich zuträgliche Temperatur zu sorgen, verlangt eine Raumtemperatur, die nicht nur unmittelbare Gesundheitsgefahren ausschließt, sondern auch als thermisch behaglich empfunden wird. Dies rechtfertigt sich aus den arbeitsmedizinisch gesicherten Erkenntnissen, dass gerade bei Langzeiteinwirkungen Temperaturen unterhalb der thermischen Behaglichkeit zu gesundheitlichen Schäden führen können. Ziffer 3.5 des Anhangs ArbStättV will schon dem Risiko eines Schadenseintritts infolge unzureichender Raumtemperaturen vorbeugen.

Die maßgebenden Werte ergeben sich aus der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A 3.5 - Raumtemperatur. Danach muss in den Arbeitsräumen bei überwiegend sitzender Tätigkeit (z.B. Steuertätigkeit, Sortieren kleiner Teile) die Raumtemperatur mindestens +19 Grad Celsius betragen. Die Raumtemperaturen dürfen unterschritten werden, wenn auf Grund betriebstechnischer Gründe geringere Raumtemperaturen erforderlich sind. Allerdings sollte die Raumtemperatur nicht +26 Grad Celsius überschreiten.

Geht man von einer verminderten Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers aus, dürfte sich ein entsprechender Schutz in jedem Fall auch rechnen, da wegen des geringeren Reaktionsvermögens auch mit einer erhöhter Unfallgefahr zu rechnen ist.
Zu prüfen ist allerdings, ob eine Klimaanlage (die mit Nachteilen behaftet ist) oder ein sehr guter Strahlungsschutz mit Belüftung nicht besser ist.
Der Hauptgrund, warum Klimaanlagen in Pkws eingebaut werden, ist nicht die hohe Außentemperatur, die in Deutschland nur selten über 30 Grad Celsius Lufttemperatur ansteigt, sondern die hohe Innenraumtemperatur im Fahrzeug, die sehr schnell auf weit über 40 Grad Celsius ansteigen kann.

Die Aufheizung erfolgt durch die Sonneneinstrahlung auf die Karosserie und besonders durch die Fenster. Glas hat die in diesem Fall unangenehme Eigenschaft, Sonneneinstrahlung herein, aber die Wärme nicht wieder heraus zu lassen.
Wenn es technisch möglich und finanziell günstiger ist, die Fahrzeuge entsprechend umzubauen (Isolierung der tragenden Teile, Sonnenschutzglas) und mit einer wirksamen Be- /Entlüftung zu versehen, sollte diese Lösung bevorzugt werden.

Voraussetzung für die genannte Technik ist, dass die Fahrer im Sommer leichte Kleidung tragen dürfen und durch die Belüftung eine (regelbare) spürbare Luftgeschwindigkeit vorhanden ist. Die Luftgeschwindigkeit muss am Kopf automatisch erheblich geringer als am Körper sein. Weiterhin muss der Fahrer die Möglichkeit der regelmäßigen Flüssigkeitsaufnahme haben (dies ist bei Klimaanlagen nicht erforderlich).
Unabhängig davon, welche der beiden Lösungen bevorzugt wird, erfordert der Um-/Einbau Fachkenntnis auf dem Gebiet der Klimatechnik und auf dem Gebiet der Einwirkung von Klimakomponenten auf den Menschen.
Weiterhin müssen die Bediener geschult werden, damit es bei unsachgemäßer Einstellung nicht zu vermehrten Erkältungskrankheiten (z.B. Nebenhöhlenentzündungen) kommt.

Um bei bekannten oder gemessenen Klimagrundparametern zu entscheiden, ob die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten noch gesundheitlich zuträglich sind, stehen als Praxishilfe verschiedene anerkannte Regeln der Technik über Klimasummenmaße zur Verfügung. Die Beurteilung von Arbeitsbedingungen über Klimasummenmaße ermöglicht z.B. der ”Klimarechner” des Instituts ASER e.V., Wuppertal, der von der Internetseite unter der Rubrik "Praxis Instrumente" kostenlos heruntergeladen werden kann.

Daneben kann auch mit der berufsgenossenschaftlichen Information BGI 504-30 ”Auswahlkriterien für die spezielle arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 30 Hitzearbeiten” beurteilt werden, ob es sich bei gegebenen Arbeitsbedingungen um einen Hitzearbeitsplatz handelt oder nicht.  


Dialognummer: 4622
Stand: 20.08.2012

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