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Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Verwendungsverbote > Asbest
Stichworte: Wo finde ich die Begründung für den neuen Arbeitsplatzgrenzwert von Asbest?

Frage:

Ich bin auf der Suche nach einem Begründungspapier für den neuen AGW für Asbest von 100.00 F/m³. Ich werde oft gefragt, wie dieser Wert festgelegt wurde, kann aber nichts finden.


Antwort :

Bei dem genannten neuen Grenzwert für Asbest von 100.000 F / m³ handelt es sich offensichtlich nicht um den Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) von Asbest entsprechend der Definition der ab 1.1.2005 gültigen Gefahrstoffverordnung (GefStoffV vom 23.12.2004).

Vor 1.1.2005 war in der TRGS 900 – Luftgrenzwerte - eine -> Technische Richtkonzentration (TRK) für Asbest von 250.000 F / m³ als technikbasierter Grenzwert festgelegt und in der TGRS 901-1 arbeitsmedizinisch-epidemiologisch begründet.

Seit Inkrafttreten der neuen GefStoffV sind nur noch Biologische Grenzwerte (BGW, vorher BAT-Wert) und Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW, vorher MAK-Wert) als gesetzliche, gesundheitsbasierte Grenzwerte zulässig. Alle bis dahin festgelegten technischen Grenzwerte (TRK) mit den zugehörigen Begründungen sind daher ausgesetzt und haben keine gesetzliche Bindung mehr. Für den als krebserzeugend in Kategorie 1 eingestuften Asbest (Amosit, Chrysotil, Krokydolith u.a.) wurde vom AGS bisher kein AGW aufgestellt, und es ist auch nicht zu erwarten, dass für Asbest ein Expositionsniveau ohne gesundheitsschädliche Auswirkungen gefunden werden kann.

Weitere Konzentrationsgrenzen werden in der TRGS 519 – Asbest: Abbruch-, Sanierungs- oder Instandsetzungsarbeiten – wie folgt genannt: 
-> Asbestkonzentrationen unter 150.000 F / m³ für Arbeiten geringen Umfanges 
-> Asbestkonzentrationen unter 15.000 F / m³ für Arbeiten mit geringer Exposition gemäß BGI 664 
-> Asbestkonzentrationen unter 500 F / m³ bzw. 1.000 F / m³ (obere Poisson-Schranke) als Wirksamkeitskriterium nach Abschluss der Arbeiten
Diese Konzentrationsgrenzen sind ebenfalls nicht als gesetzliche und Gesundheitsbasierte Grenzwerte, sondern entsprechend den für diese Arbeiten notwendigen technischen Anforderungen festgelegt.

Bei dem in der Anfrage genannten neuen Grenzwert für Asbest handelt es sich vielmehr um einen „verbindlichen Arbeitsplatzgrenzwerte“ (EU-AGW) der Europäischen Gemeinschaft (EG), die seit 1998 gemäß EG-Richtlinie 98/24/EG „(…) zum Schutz der Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer vor der Gefährdung durch chemische Arbeitsstoffe bei der Arbeit (…)“ festgelegt werden. Es handelt sich dabei um Grenzwerte beruflicher Exposition (OEL), die als gewichtete, über acht Stunden gemittelte Durchschnittswerte (8-h-TWA) bestimmt werden. Diese Grenzwerte sind als Mindeststandards von den Mitgliedstaaten zu übernehmen und in Regelwerken – hier die TRGS 900 – umzusetzen, wobei die Grenzwerte auch unterschritten werden können, nicht jedoch höher festgelegt werden dürfen.

Auf der Homepage des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften wird unter http://www.hvbg.de/d/bia/akt/arbeitsplatzgrenzwerte.html  auf die Bekanntmachung der verbindlichen EU-Arbeitsplatzgrenzwerte für bisher fünf Stoffe im Bundesarbeitsblatt (2006) Nr. 4, S. 46 hingewiesen. Unter http://www.hvbg.de/d/bia/pub/rep/rep02/pdf_datei/biar0498/kap2.pdf  ist in Kap. 2 des BIA-Reports 04/1998 „Grenzwerte für chemische Einwirkungen an Arbeitsplätzen“ eine ausführliche Darstellung des Grenzwertkonzeptes der EU zu finden.
In Art. 8 der EG-Richtlinie 2003/18/EG, der Novellierung der EG-Richtlinie 83/477/EWG (EU-Asbest-Richtlinie), ist der neue -> EU-Arbeitsplatzgrenzwert für Asbest mit 0,1 mg/cm³ (100.000 mg/m³) festgelegt und bis 15. April 2006 durch die Mitgliedsstaaten umzusetzen. In Nr. 2 der Begründung dieser Richtlinie wird auf Studien über Expositionsgrenzwerte für Chrysotilasbest und Messmethoden für Asbest hingewiesen, die zur Festlegung des neuen Grenzwertes geführt haben. Eine Erläuterung der Schutzziele der EU-Asbestrichtlinie ist unter http://ec.europa.eu/employment_social/health_safety/asbestos_de.htm  dargestellt.

Zur Sichtung der vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse und zur Ableitung von Grenzwerten hat die Europäische Kommission (EC) die Arbeitsgruppe „Wissenschaftlicher Ausschuss für Grenzwerte berufsbedingter Exposition gegenüber chemischen Arbeitstoffen“ (SCOEL; Scientific Committee on Occupational Exposure Limits) berufen und beauftragt, wie unter http://ec.europa.eu/employment_social/health_safety/scoel_de.htm  beschrieben. Die Arbeitsweise des SCOEL, bestehend aus der Bearbeitung der Liste prioritärer Stoffe, der Recherche und Bewertung wissenschaftlicher Stoffinformationen sowie dem Entwurf von Grenzwertempfehlungen ist unter http://ec.europa.eu/employment_social/health_safety/occupational_de.htm  dargestellt. Für jeden der bewerteten chemischen Stoffe wird der Stand der wissenschaftlichen Information als Begründung für die Festsetzung des Grenzwertes in Form einer Zusammenfassung (SCOEL/SUM bzw. SUM-DOC) dargestellt, wie z.B. unter http://ec.europa.eu/employment_social/health_safety/docs/oel_sum_83_lead_en.pdf für Blei und anorganische Bleiverbindungen. Diese Zusammenfassung und weitere Dokumente über Arbeitsplatzgrenzwerten sind unter http://ec.europa.eu/employment_social/health_safety/docs_de.htm#pub4  zu finden.

Eine Begründung für den Arbeitsplatzgrenzwert von Asbest konnte jedoch an dieser Internet-Fundstelle und in allen anderen im Internet suchbaren Veröffentlichungen trotz intensiver Recherche nicht gefunden werden.

Stand: Juni 2006


 


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