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Nutzerpfad: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Arbeitszeitberatung und -gestaltung > Schichtarbeit
Stichworte: Gibt es Regelungen, wie oft samstags bei Schichtarbeit gearbeitet werden darf?

Frage:

Wir arbeiten im 3-Schichtsystem ohne Wochenendarbeit. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 40 h (d.h. 5 Tage Früh-und Spätschicht 37,5h und Nachtschicht 45 h-insgesamt in 3 wochen 120 h) .Jetzt arbeiten wir seit April 6 Tage die Woche (also Früh-und Spätschicht auch am Samstag). Dies soll so bis Ende des Jahres weitergehen. In der Betriebsvereinbarung ist die Samstagarbeit gestattet. Es ist leider nicht festgeschrieben, an wievielen Samstagen diese Mehrarbeit stattfinden kann. Gibt es dazu gesetzliche Regelungen, wie die Mehrarbeit bei Schichtarbeitern geregelt ist? Die Ruhezeit von 11 h wird ja eingehalten. Aber es kann ja nicht sein, dass wir bis Ende des Jahres 6 Tage arbeiten und einen Tag nur frei haben.

Antwort :

Das Arbeitszeitgesetz - ArbZG lässt eine Sechs-Tage-Woche und damit die Samstagsarbeit zu. Der Samstag gilt nach dem ArbZG als regulärer Arbeitstag und wird arbeitsschutzrechtlich genau so gesehen wie die übrigen Werktage der Woche.
Die Fünf-Tage-Woche (Montag-Freitag) beruht in der Regel auf arbeitsrechtlichen Vereinbarungen wie Tarif- oder Betriebsvereinbarungen.

Bei Schichtarbeit sind aber auch die Regelungen des§ 6 ArbZG zu beachten. Danach ist die Arbeitszeit der Nacht- und Schichtarbeitnehmer nach den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit festzulegen.
Die Arbeitswissenschaft ist sich darin einig, dass es kein optimales Schichtsystem gibt, das für alle Arbeitsformen geeignet ist. Gleichwohl haben intensive Forschungen und Studien im Bereich der Nacht- und Schichtarbeit Erkenntnisse zu Tage gebracht, die als Leitlinien zur Humanisierung von Schichtsystemen herangezogen werden können. Diese Leitlinien wurden 1991 von der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Dublin (Wedderburn, Leitlinien für Schichtarbeiter, BEST-Bulletin of European Shift work Topics, Nr. 3/1991) wie folgt:
• Keine dauerhafte Nachtschicht, nur in besonderen Ausnahmenfällen.
• Möglichst kurze Nachtschichtfolge, in der Regel nicht mehr als 2 bis 4 Nachtschichten in Folge.
• Ausreichende Ruhezeiten zwischen 2 Schichten.
• Regelmäßige freie Wochenenden in kontinuierlichen Schichtsystemen.
• Keine Arbeitsperioden von 8 oder mehr Tagen in Folge.
• Koppelung der Schichtlänge an die körperliche und geistige Beanspruchung durch die Arbeit.
• Nachtschichten sollten grundsätzlich kürzer sein als Früh- und Spätschichten. Bei Nachtarbeit mit geringer Belastung kann die Nachtschicht allerdings auch verlängert werden, so dass insgesamt weniger Nacht-schichten anfallen.
• Ein Vorwärtswechsel der Schichten bei kontinuierlichen Schichtsystemen (erst Früh-, dann Spät- und dann Nachtschicht) begünstigen Schlaf und allgemeines Wohlbefinden.
• Die Frühschicht sollte nicht zu früh beginnen, um Kürzungen des Nachtschlafs zu vermeiden.
• Flexibilität bei den Übergabezeiten.
• Regelmäßigkeit in der Schichtfolge.
• Spielraum für individuelle Wünsche der Arbeitnehmer.
• Rechtzeitige Information der Arbeitnehmer über den Schichtplan.

Eine Schichtplangestaltung, die kein komplett freies Wochenende ermöglicht, entspricht nicht den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit.
Nach modernen Schichtplangestaltungen sind drei komplett freie Wochenenden in sieben Wochen oder vier komplett freie Wochenenden in neuen Wochen möglich (siehe auch Informationen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin  ) .

Unterstützung bei der Gestaltung von Schichtarbeitsplänen bietet die Initiative Moderne Arbeitszeiten der Landesregierung NRW an, Internet: http://www.arbeitszeiten.nrw.de/b4-4f_Instrumente_der_Arbeitszeitgestaltung.htm .


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