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Nutzerpfad: Physikalische Belastungen und Beanspruchungen > Schwingungen > Schwingungen
Stichworte: Welche Vibrations- und Lärmbelastung ist in einer Panzerinstandssetzung-Werkstatt zulässig? Wann ist eine Belastung regelmäßig?

Frage:

Wir sind unternehmerisch verantwortlich für die Panzerinstandsetung in den Werkstätten der Bundeswehr. Laut BW-Vorschrift muss bei jedem Panzer (z.B. Leopard) zwei mal im Jahr im ausgebauten Zustand ein Probelauf ca. 1/2 Std. in verschiedenen Drehzahlen durchgeführt werden.
In den Werken und an einigen Standorten gibt es hierfür umbaute Prüfstände, in manchen wird dies in der Werkhalle, wo auch andere Arbeitsstände sind, durchgeführt. Bei der Anzahl der Panzer an manchen Standorten ist fast jeden Tag ein Probelauf.
Selbstverständlich sind gute Gehörschutzkapseln vorhanden, aber die Belastung liegt auch in Vibration, Druckwellen usw., selbstverständlich werden auch organisatorische Maßnahmen getroffen.

Meine Frage: Ab welcher Anzahl von Läufen pro Woche/Monat würde man von "Regelmäßigkeit" sprechen, bei der die Probeläufe nicht mehr mit organisatorischen Maßnahmen gesetzeskonform zu tätigen sind?

Antwort :

Vibrationen

Vibrationen sind mechanische Schwingungen. Häufig treten in der Nähe von Maschinen, die Schwingungen erzeugen, auch hohe Lärmpegel auf. Die Ursache dafür ist die Luftschallabstrahlung im Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz von schwingenden Maschinenteilen und -oberflächen.

Im Bereich des Arbeitsschutzes unterscheidet man zwischen Hand-Arm-Schwingungen und Ganzkörperschwingungen. Um Beschäftigte in der Europäischen Union besser vor gesundheitlichen Schäden durch Vibrationen zu schützen, hat die EU 2002 Mindestvorschriften zum Schutz von Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer vor der Gefährdung durch physikalische Einwirkungen (Vibrationen) in einer Richtlinie "Vibrationen“ (2002/44/EG) zusammengefasst. Diese legt fest, wie lange ein Arbeitnehmer Schwingungen ausgesetzt sein darf (Expositionsgrenzwerte) und ab welcher Belastung (Auslösewerte) die Vibrationen am Arbeitsplatz reduziert werden müssen. Nach dem Arbeitsschutzgesetz (z.B. im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung) sind Schwingungs- bzw. Vibrationsbelastungen zu berücksichtigen.

Maßgeblich für die Beurteilung der Vibrationsbelastung ist der auf einen Bezugszeitraum von 8 Stunden normierte Tagesexpositionswert A(8). Die EG-Richtlinie legt folgende Expositionsgrenzwerte und Auslösewerte fest:
für Hand-Arm-Vibrationen: Expositionsgrenzwert A(8) = 5 m/s²
Auslösewert A(8) = 2,5 m/s²
für Ganzkörper-Vibrationen: Expositionsgrenzwert A(8) = 1,15 m/s²
Auslösewert A(8) = 0,5 m/s²
Zur Minderung der Vibrationsbelastung sind technische und organisatorische Maßnahmen gleichermaßen heranzuziehen.
Weitere detaillierte Hinweise bezüglich der Ermittlung der Einwirkungsdauer und des Vibrationswertes enthält ein Informationsblatt der Berufsgenossenschaft Metall Süd unter www.bgmetallsued.de  -> (Angebot) Fachausschuss MFS, -> Vibration oder auch direkt http://www.bgmetallsued.de/praevention/arbeit-gesundheit/physikalische_belastung/vibration.php .

Dort ist auch ein Kennwertrechner für Ganzkörperschwingungen verfügbar. Ebenso enthält dieses Informationsblatt eine Übersicht der aktuellen Normen zur Messung und Beurteilung mechanischer Schwingungen.

Lärm

Lärmbelastung mit verschiedenen Einwirkzeiten und an unterschiedlichen Tagen:
Ein Motorprüflauf von nur 30 min führt bei einem durchschnittlichen Lärmpegel von 107 dB(A) zu einer achtstündigen Lärmbelastung (Beurteilungspegel bzw. Lärmexpositionswert) von 96 dB(A)! Die Berücksichtigung der angegebenen mittleren Schalldruckpegel bei Leerlauf- und Höchstdrehzahl (103 dB(A) und 115 dB(A)) zu gleichen Anteilen würde einen Beurteilungspegel bzw. Lärmexpositionswert von 101 dB(A) ergeben!

Für Arbeitsplätze in ortsfesten Lärmbereichen wird der Beurteilungspegel in der Regel ortsbezogen ermittelt. Auch bei einer täglichen Arbeitszeit von mehr oder weniger als 8 Stunden ist der ortsbezogene dem personenbezogenen Beurteilungspegel vorzuziehen. Wann die Ermittlung des personenbezogenen Beurteilungspegels in Frage kommt, ergibt sich aus den Durchführungsanweisungen der BGV B3 zu § 2 Abs. 3. Die Festlegung "Die Summe der Teilzeiten Ti beträgt 8 Stunden” betrifft bei der Bestimmung des personenbezogenen Beurteilungspegels den Regelfall, so dass eine durchschnittliche tägliche Arbeitszeit von 8 Stunden nicht überschritten wird.

Unterschreitungen gegenüber 8 Stunden werden als lärmfreie Zeiten eingesetzt (für diese Teilzeiten gilt: 100,1· L(Aeq,i) · Ti = 0), wobei die Zuordnung der verbleibenden Lärmexpositionen zu den verkürzten Arbeitszeiten im Laufe eines Arbeitstages sorgfältig zu prüfen ist. Ist im Einzelfall die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit länger als 8 Stunden, wird die Summe der Teilzeiten Ti abweichend von 8 Stunden entsprechend höher. Hierbei ist einschränkend zu beachten, dass der personenbezogene Beurteilungspegel die Lärmbelastung aus präventiv-medizinischer Sicht nur dann richtig beschreibt, wenn sich das Gehör arbeitstäglich ausreichend erholen kann (Erholungszeiten mindestens 10 Stunden und Schalldruckpegel von max. 70 dB(A)).

Bei erheblichen Schwankungen der täglichen Lärmexposition darf der Beurteilungspegel ausnahmsweise auch als wöchentlicher Mittelwert LArw der einzelnen Tageswerte LArd ermittelt werden. Dabei sind für jeden Arbeitstag die entsprechend ermittelten Beurteilungspegel zu berücksichtigen.
Beispiel: Ein Beurteilungspegel von 96 dB(A) für einen Tag einer Woche und die Berücksichtigung der übrigen Wochentage mit jeweils Beurteilungspegeln von nur 80 dB(A) führt im Ergebnis schon zu einem Wochen-Beurteilungspegel von über 89 dB(A).

Die Geräuschmessung erfolgt nach DIN 45645-2 "Ermittlung von Beurteilungspegeln aus Messungen - Teil 2: Geräuschimmissionen am Arbeitsplatz“ (Ausgabe:1997-07, Beuth-Verlag). Bei der Beurteilung ist die UVV BGV B3 "Lärm" der jeweiligen BG zu berücksichtigen.

Achtung: Die BGV B3 und die DIN 45645-2 sind voraussichtlich nur noch bis Anfang 2007 gültig. Durch die neue Richtlinie 2003/10/EG "Lärmschutzrichtlinie"  werden die UVV und die DIN 45645-2 eventuell zurückgezogen. In der EG-Richtlinie sind wesentlich niedrigere Grenzwerte und andere Verfahren für die Lärmbegrenzung vorgegeben.

Eine nationale Umsetzung ist bislang noch nicht erfolgt. Bis zur Umsetzung der o.g. Richtlinie können Betriebe des gewerblichen Bereichs die in der Richtlinie getroffenen Festlegungen schon anwenden. Für Arbeitgeber im Bereich der öffentlichen Verwaltungen ist die Richtlinie seit dem 15.02.2006 bindend anzuwenden. Dies betrifft auch solche Einrichtungen, die unter staatlicher Aufsicht Dienstleistungen im öffentlichen Interesse erbringen.
 


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