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Stichworte: Wie sinnvoll ist es, wenn das Verkaufspersonal einer Bäckerei aus hygienischen Gründen Latexhandschuhe tragen soll?

Frage:

Der Arbeitgeber hat aus hygienischen Gründen angeordnet, dass das Verkaufsperson einer Bäckerei beim Bedienen/Verpacken Latexhandschuhe tragen soll, diese beim Kassieren (Umgang mit Geld) ausziehen und beim Bedienen von weiteren Kunden wieder anziehen soll.
Was ist zu beachten?
Ist die Vorgehensweise tatsächlich so hygienisch?
Welche Vorteile/Nachteile hat diese Maßnahme für die Kunden und Beschäftigten?

Antwort :

Das Thema Hautschutz beim Umgang mit Lebensmitteln wird sehr ausführlich in der von der Berufsgenossenschaft für den Einzelhandel veröffentlichten Broschüre M 101 erläutert.
In der Broschüre wird u.a. ausgeführt, dass entgegen der oft geäußerten Auffassung die Lebensmittelhygieneverordnung (LMHV) das Tragen feuchtigkeitsdichter Handschuhe nicht verlangt. Im Kapitel 5 der Anlage zu § 3 Satz 2 LMHV "Anforderungen beim Umgang mit Lebensmitteln und an das Personal", Abschnitt 7.1, heißt es lediglich: "Personen, die Lebensmittel herstellen, behandeln oder in Verkehr bringen, haben ein hohes Maß an persönlicher Sauberkeit zu halten und müssen angemessene saubere Kleidung und erforderlichenfalls Schutzkleidung tragen."
Die übrigen lebensmittelrechtlichen Vorschriften des Bundes, z. B. Fleischhygienegesetz und -verordnung, verlangen das Tragen feuchtigkeitsdichter Handschuhe ebenfalls nicht.

Zu beachten ist aber, dass in Bezug auf die Hautbelastung beim Umgang mit Lebensmitteln folgende Risikofaktoren bedeutsam sind:
• regelmäßiger Kontakt mit Wasser oder Nässe,
• Kontakt mit hautbelastenden Stoffen, z. B. Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse, Gewürze, Marinaden,
• Kontakt mit Reinigungsmitteln,
• Kontakt mit Desinfektionsmitteln, einschließlich Händedesinfektion,
• Tragen von feuchtigkeitsdichten Handschuhen,
• Kontakt mit gekühlten oder erhitzten Produkten,
• häufiges und intensives Reinigen der Hände,
• mechanische Verletzungen, z.B. an Knochen/Knochensplittern, Fischschuppen.

Welche Gefährdungen konkret vorliegen und welche Schutzmaßnahmen nötig sind, muss der Arbeitgeber im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung ermitteln und festlegen..

Unter Berücksichtigung der mit der M 101 gegebenen Hinweise sollte der Arbeitgeber zusammen mit dem Betriebsarzt und der Sicherheitsfachkraft die Gefährdungsbeurteilung durchführen und einen Hautreinigungs-, Hautschutz- und Hautpflegeplan erstellen.
Bei der Verwendung von Handschuhen sind folgende Punkte zu beachten:
Tragekomfort:
• passende Größe,
• Gewährleistung der Fingerbeweglichkeit und des Tastgefühls,
• angenehmes Tragegefühl,
• ein Innenfutter, das der Schweißbildung entgegenwirkt und Hautschweiß aufnimmt.

Hautverträglichkeit:
• Das Handschuhmaterial selbst soll nicht allergen, z. B. nicht aus Naturlatex sein.
• Die Handschuhe sollen keine Rückstände von Hilfsstoffen enthalten, z. B. frei sein von Thiuramen, Carbamaten, Benzothialzolen, Phenylendiaminen.
• Handschuhpuder soll vermieden werden.

Zu den lebensmittelhygienischen Aspekten können wir von hier aus keine weitergehende Beratung geben. Eine entsprechende Fragestellung sollte an das kommunale Lebensmittelüberwachungsamt (Stadt, Kreis) gerichtet werden.


Stand: März 2006 



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