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Stichworte: Was ist bei der Benutzung von Rasenmähern mit geschlossenen Kabinen aufgrund der hohen Temperaturen im Sommer zu beachten?

Frage:

Bei der Pflege der öffentlichen Flächen werden größere Rasenmäher mit geschlossenen Kabinen eingesetzt (bisher ohne Klimatisierung), so dass im Sommer hohe Temperaturen im Inneren der Kabine entstehen.

1. Wie lange darf der Fahrer diesen Temperaturen täglich ausgesetzt sein? 2. Sind evt. Klimaanlagen vorgeschrieben?
3. Wie hoch dürfen die Temperaturen sein?
4. Welche organisatorischen Maßnahmen sind zum Schutz des Mitarbeiters zu treffen?

Antwort :

Der Arbeitgeber hat auch für Arbeitsplätze auf Fahrzeugen und selbstfahrenden Maschinen eine Gefährdungsbeurteilung gemäß § 5 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) durchzuführen. In dieser Gefährdungsbeurteilung muss auch auf mögliche Gefährdungen durch zu hohe Temperaturen im Fahrzeuginneren eingegangen werden. Nach § 3 ArbSchG ist der Arbeitgeber verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu treffen.
Nach dem Arbeitssicherheitsgesetz ist es Aufgabe des Betriebsarztes und der Fachkraft für Arbeitssicherheit, den Arbeitgeber in Fragen des Arbeitsschutzes zu beraten. Der Betriebsarzt und die Fachkraft für Arbeitssicherheit sollten bei der Ermittlung der erforderlichen Maßnahmen beteiligt werden.

Für die klimatischen Bedingungen in der Kabine des Rasenmähers sind die Vorgaben des berufsgenossenschaftlichen Vorschriften- und Regelwerk konkret bzw. sinngemäß anzuwenden. Nach der
BG-Information BGI 7005 "Klima im Fahrzeug - Antworten auf die häufigsten Fragen" gilt:
"Bei Außentemperaturen von ca. 10 °C bis 25 °C wird eine Innentemperatur von etwa 22 °C als angenehm empfunden.
Bei hohen Außentemperaturen im Sommer ist die als angenehm empfundene Temperatur im Fahrzeug geringfügig höher als 22 °C. Bei tiefen Außentemperaturen im Winter sind ebenfalls Temperaturen über 22 °C empfehlenswert, um die an kalte Umgebungsflächen abgegebene Wärme zu kompensieren."
"Eine Klimaanlage ist sinnvoll, da sie die Leistungsfähigkeit des Fahrzeugführers erhält und die Sicherheit erhöht. Das regelmäßige Auftreten hoher Außentemperaturen im Sommer selbst in gemäßigten Klimaregionen spricht für Klimaanlagen in Fahrzeugen. Daneben gibt es weitere Gründe für eine Klimaanlage. So verfügen moderne Fahrzeuge heute häufig über große Fensterflächen, was eine starke Aufheizung des Fahrzeuginnenraumes oder Fahrerarbeitsplatzes begünstigt. Ein weiteres Argument für die Nutzung einer Klimaanlage ist, dass Fenster während der Fahrt nicht geöffnet werden müssen und Lärm durch Fahrtwind vermieden wird. Nicht zu vergessen: gerade bei Stop – and – Go – Betrieb, z.B. Abfallsammelfahrzeuge, Linienbusse, kann es zur Aufheizung des Fahrzeuginnenraumes oder Fahrerarbeitsplatzes kommen, z.B. Motorabwärme, Wärmestau, die sich nur durch Verwendung einer Klimaanlage vermindern lässt.

Im Allgemeinen sind die Kosten einer Klimaanlage im Verhältnis zu den Anschaffungskosten eines Fahrzeuges gering, der Nutzen aber groß."
Eine Klimaanlage kann auch nachgerüstet werden. "Dies kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn das Fahrzeug noch eine große Restnutzungsdauer hat, was vor allem bei Schienenfahrzeugen häufig der Fall ist. Bei Großserienfahrzeugen kann unter Umständen auf die Bauteile einer optional verfügbaren Klimaanlage zurückgegriffen werden. Daneben gibt es für sehr verbreitete Fahrzeugtypen auch standardisierte Nachrüstsätze. Problematisch wird es bei Einzelumrüstungen, insbesondere wenn aus Gründen des Einbauraumes nicht auf die vorhandenen Luftkanäle zurückgegriffen werden kann."


Nachfolgend einige nähere Informationen zum Thema klimatische Belastungen in Fahrzeugen:
Veröffentlichung in der Zeitschrift ADAC Motorwelt 9/98, Prof. Dr. H. Lewrenz, Mitglied im ADAC - Ärztekollegium:
"Hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit an heißen Tagen machen Autofahrer vorzeitig müde. Das bestätigt eine TÜV-Untersuchung: Bei 35 °C Innentemperatur reagiert man um 20 % langsamer als bei 25 °C, etwa so, als hätte man 0,5 o/oo Alkohol im Blut. Mit einer guten Klimaanlage bleibt der Fahrer länger fit und verliert außerdem weniger Wasser und Salz, weil er weniger schwitzt. Besonders kreislaufgeschädigte oder anfällige Menschen können mit guten Klimaanlagen z.B. Herz-Kreislaufprobleme im Auto vermeiden. Allerdings gilt: Nicht zu kühl einstellen, um eine Erkältung zu vermeiden."

Ob ein Raumklima als angenehm empfunden wird, hängt nicht allein von der tatsächlichen Temperatur ab. Es kommt auch auf das Alter, das Geschlecht, die körperliche Verfassung und Beanspruchung, die Bekleidung, die Feuchtigkeit der Luft, die Bewegung der Luft, den Luftdruck und die Wärmeeinstrahlung, die von den Wänden ausgeht, an.

Die Verpflichtung des Arbeitgebers, für gesundheitlich zuträgliche Temperatur zu sorgen, verlangt eine Temperatur, die nicht nur unmittelbare Gesundheitsgefahren ausschließt, sondern auch als thermisch behaglich empfunden wird. Dies rechtfertigt sich aus den arbeitsmedizinisch gesicherten Erkenntnissen, dass gerade bei Langzeiteinwirkungen Temperaturen unterhalb der thermischen Behaglichkeit zu gesundheitlichen Schäden führen können.
Geht man von einer verminderten Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers aus, dürfte sich ein entsprechender Schutz in jedem Fall auch rechnen, da wegen des geringeren Reaktionsvermögens auch mit einer erhöhter Unfallgefahr zu rechnen ist.
Zu prüfen ist allerdings, ob eine Klimaanlage (die mit Nachteilen behaftet ist) oder ein sehr guter Strahlungsschutz mit Belüftung nicht besser ist.
Der Hauptgrund, warum Klimaanlagen in Pkws eingebaut werden, ist nicht die hohe Außentemperatur, die in Deutschland nur selten über 30 °C Lufttemperatur ansteigt, sondern die hohe Innenraumtemperatur im Fahrzeug, die sehr schnell auf weit über 40 °C ansteigen kann.
Die Aufheizung erfolgt durch die Sonneneinstrahlung auf die Karosserie und besonders durch die Fenster. Glas hat die in diesem Fall unangenehme Eigenschaft, Sonneneinstrahlung herein, aber die Wärme nicht wieder heraus zu lassen.
Wenn es technisch möglich und finanziell günstiger ist, die Fahrzeuge entsprechend umzubauen (Isolierung der tragenden Teile, Sonnenschutzglas) und mit einer wirksamen Be- /Entlüftung zu versehen, sollte diese Lösung bevorzugt werden.
Voraussetzung für die genannte Technik ist, dass die Fahrer im Sommer leichte Kleidung tragen dürfen und durch die Belüftung eine (regelbare) spürbare Luftgeschwindigkeit vorhanden ist. Die Luftgeschwindigkeit muss am Kopf automatisch erheblich geringer als am Körper sein. Weiterhin muss der Fahrer die Möglichkeit der regelmäßigen Flüssigkeitsaufnahme haben (dies ist bei Klimaanlagen nicht erforderlich).
Unabhängig davon, welche der beiden Lösungen bevorzugt wird, erfordert der Um-/Einbau Fachkenntnis auf dem Gebiet der Klimatechnik und auf dem Gebiet der Einwirkung von Klimakomponenten auf den Menschen.
Weiterhin müssen die Bediener geschult werden, damit es bei unsachgemäßer Einstellung nicht zu vermehrten Erkältungskrankheiten (z.B. Nebenhöhlenentzündungen) kommt.
Um bei bekannten oder gemessenen Klimagrundparametern zu entscheiden, ob die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten noch gesundheitlich zuträglich sind, stehen als Praxishilfe verschiedene anerkannte Regeln der Technik über Klimasummenmaße zur Verfügung. Die Beurteilung von Arbeitsbedingungen über Klimasummenmaße ermöglicht z.B. der ”ASER-Klimarechner”, der von der Homepage des
Instituts ASER e.V., Wuppertal, kostenlos heruntergeladen werden kann (Rubrik: Praxis-Instrumente). 


Weitere Informationen bieten die nachstehenden Veröffentlichungen (in Auswahl):

• Piter, H. (1982). Das Klima am Arbeitsplatz LKW-Fahrerhaus, Zeitschrift für Verkehrssicherheit, 2, S. 73 - 80. Für die Umgebungsbedingungen des Kraftfahrers im Fahrerhaus ist der Begriff ”Konditionssicherheit” gebräuchlich. In der Veröffentlichung wird der Einflussfaktor Klima im Fahrerhaus hinsichtlich seiner Auswirkungen auf das Wohlbefinden des Fahrzeugführers analysiert und diskutiert. In experimentellen Untersuchungen wurden Temperaturmessungen im Stand und während der Fahrt durchgeführt; die Erfassung der Wärmestrahlung erfolgt mittels Steradiometer. Es zeigte sich, dass die Leistungsfähigkeit des Fahrers besonders an heißen Tagen durch die klimatischen Bedingungen stark beeinträchtigt wird. Die fahrzeugtechnischen Aspekte wurden beschrieben und aus den Untersuchungsergebnissen Folgerungen für die Fahrerhausgestaltung gezogen.

• Schweizer, G. (1994). Der Einfluß des Mikroklimas im Nutzfahrzeug auf die Leistungsfähigkeit des Fahrers. Automobiltechnische Zeitschrift, 7/8, S. 406-410. Einer der wichtigsten Aspekte neben der Wirtschaftlichkeit eines Nutzfahrzeuges ist die Verkehrssicherheit, die vom technischen Stand und von der Leistungsfähigkeit des Fahrers abhängt. Die Belastung des Fahrers ist vor allem psychomentaler Art und wird in starkem Maße vom Mikroklima in der Fahrerkabine beeinflusst. Durch die Enge in der Kabine treten sehr unterschiedliche Temperaturen in verschiedenen Bereichen des Körpers auf, die physiologisch schwer auszugleichen sind. Die angesaugte Luft ist schadstoffbelastet. Wohlbefinden, Reaktionsfähigkeit und Ermüdung wurden experimentell unter verschiedenen Klimabedingungen getestet; Temperaturerhöhung führte dabei zu signifikant schlechten Testergebnissen. Die Aufmerksamkeit der Fahrer wurde durch Lärm und Vibration noch weiter herabgesetzt. Zur Verbesserung der Situation sollten Klimaanlagen in den Fahrzeugen vorhanden sein; zu erreichende Eckdaten wurden genannt.

• Meyer-Gramcko, F. (1989). Belastung und Beanspruchung von Berufskraftfahrern und ihre Auswirkungen auf das Fahrverhalten Teil 1. Verkehrsunfall und Fahrzeugtechnik, 1,S. 2 -6.
• Meyer-Gramcko, F. (1989). Belastung und Beanspruchung von Berufskraftfahrern und ihre Auswirkungen auf das Fahrverhalten Teil 2. Verkehrsunfall und Fahrzeugtechnik, 2, S. 39 - 42. Auf die Verkehrsteilnehmergruppe ”Berufskraftfahrer” wirken spezifische Belastungsfaktoren ein z.B. Lärm, Schwingungen, Klima und Schadstoffbelastung. Die damit zusammenhängenden Beanspruchungen werden in ihren Auswirkungen auf das Fahrverhalten dargestellt. Von Beanspruchungsveränderungen wie ”Psychische Ermüdung”, ”Monotonie”, ”Psychische Sättigung” und ”Streß” gehen für den Fahrer eher Risiken aus, als von situationsspezifischen Beanspruchungen, die im Regelfall durch eine Modifizierung des Fahrverhaltens, insbesondere des Geschwindigkeitsverhaltens, abgefangen werden.

• Cohrs, H.-H. (1989). Schutzbelüftung von Baumaschinenkabinen bei der Altlastensanierung. Wasser, Luft und Boden, 9, S. 70-72. Speck, J. (1989). Fahrerkabinen mit Filteranlagen auf Erdbau- und Spezialmaschinen des Tiefbaus. Tiefbau-Berufsgenossenschaft, 3, S. 168, 173-174, 176- 177

• Marx, K.W. (1987). Ergonomie automobiler Fahrzeuge für den Bergbau unter Tage. Glückauf, 15, S. 935-942.

• Dangelmaier, M.; Muntzinger, W.F. (1987). Ergonomische und sicherheitstechnische Gestaltung von Fahrerarbeitsplätzen auf mobilen Arbeitsmaschinen. Industrie-Anzeiger, 26, S. 38, 41.

• Kotte, G. (1985). Die Fahrerkabine - ein Arbeitsplatz für Anspruchsvolle. Bauwirtschaftliche Informationen, 4, S. 58, 60, 62 - 63.

• Schlüter, W. (1983). Klimatisierung und ergonomisch-sicherheitsgerechte Gestaltung von Fahrerständen im Steinkohlenbergbau eingesetzter Dieselfahrzeuge. Bundesministerium für Forschung und Technologie, Humanisierung des Arbeitslebens, Forschungsbericht, Bonn.

Arbeitsschutzvorschriften sowie weitere Rechtsvorschriften können Sie unter www.arbeitsschutz.nrw.de/Service/rechtsvorschriften/index.php (--> Rechtsvorschriften Arbeitsschutz) oder www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16032 aufrufen. 


Dialognummer: 3828
Stand: 26.07.2012

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