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Nutzerpfad: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Gefährdungen durch Arbeitsmittel und Einrichtungen
Stichworte: Werden beim Explosionschutzdokument die Gullys betrachtet?

Frage:

Werden beim Explosionschutzdokument die Gullys betrachtet?
Und wenn, wie sind z.B. in einer Zone 1 oder 2, die Gullys zu betrachten?
Müssen Maßnahmen ergriffen werden?

Antwort :

Beurteilung:

Sollte sich die Frage auf Abwasserkanäle und Schächte beziehen, so sind die Regelungen der BGV C 5 / GUV 7.4  "Abwassertechnische Anlagen" heranzuziehen. Für die Betrachtung von Bauteilen von Abwasseranlagen sind die Ausführungen der Beispielsammlung unter Ziffer 4.1 ff. zur BGR 104 (Ex-Rl) "Explosionsschutzregeln" heranzuziehen. Gem. der Beispielsammlung werden von Abwasser durchflossene Kanäle bei unbelüftetem Zustand der Zone 1 für den gesamten Raum zugeordnet. Existiert eine natürliche Belüftung ist der Bereich als Zone 2 eingestuft. Ist eine ausreichende technische Lüftung vorhanden so wird keine Zone unterstellt (Vergl. Ziffer 4.1.1.2 BGR 104). Schächte und Dückerbauwerke sind analog bei natürlicher Belüftung als Zone 1 eingestuft und bei technischer Lüftung als Zone 2 (vergl. Ziffer 4.1.1.1 BGR 104). Örtliche Besonderheiten oder andere apparative Ausführungen können zu einer anderen Einstufung führen. Die Anforderungen an die Lüftung (natürlich oder technisch) werden in der BGR 104 erläutert.

Grundsätzlich lässt sich die Pflicht Explosionsgefahren zu ermitteln und zu beurteilen aus der Gefahrstoffverordnung (§§ 7, 12 und Anhang III Nr. 1 GefStoffV) ableiten. Konkretisiert u.a. für den Einsatz von Arbeitsmitteln wird dies in § 3 Abs. 2 der Betriebssicherheitsverordnung. Gemäß § 5 Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung, muss der Arbeitgeber die ermittelten explosionsgefährdeten Bereiche in Zonen entsprechend Anhang 3 BetrSichV einteilen. Dies wird dann im Explosionsschutzdokument (§ 6 BetrSichV) und im Ex-Zonenplan dokumentiert. D.h. alle explosionsgefährdeten Bereiche werden erfasst. Im günstigsten Fall könnte der explosionsgefährdete Bereich aufgrund von Luftströmungen unterhalb des Kanalschachtdeckels enden. Dies muss in der Gefährdungsbeurteilung ermittelt und beurteilt werden.

Die BetrSichV verpflichtet den Arbeitgeber in § 7 Absätzen 3 und 4 nur geeignete Arbeitsmittel entsprechend Rl 94/9/EG (ATEX 95) zu verwenden. Demzufolge müssen Einrichtungen für die entsprechende Zone geeignet sein.

Kennzeichnung:

Explosionsgefährdete Bereiche sind gemäß Anhang 4 Nr. 2.3 zur BetrSichV an den Zugängen zu kennzeichnen. Nach Nr. 2.4 ist in diesen Bereichen auch das Rauchen und die Verwendung von offenem Feuer und offenem Licht zu verbieten. Ebenfalls ist der Zutritt durch Unbefugte zu verbieten. Auf die Verbote ist dauerhaft und deutlich hinzuweisen. Die Gefahrstoffverordnung fordert in Ziffer 1.4 Absatz 2 und 3 zum Anhang I "Brand und Explosionsgefahr" analog zu BetrSichV eine Kennzeichnung von Arbeitsbereichen mit Brand- oder Explosionsgefahr. Daraus folgt, dass zur vollständigen Kennzeichnung mindestens die Zeichen P02, P06 und W21 nach BGV A 8 gehören.

Der Praxis-Leitfaden zur Umsetzung der Explosionsschutzrichtlinie 1999/92/EG [pdf] führt auf Seite 44 aus, dass eine solche Kennzeichnung beispielsweise erforderlich für Räume oder Bereiche ist, in denen gefährliche explosionsfähige Atmosphäre auftreten kann (z. B. Räume oder abgegrenzte Bereiche zur Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten). Nicht sinnvoll ist es dagegen, z. B. einen konstruktiv völlig geschützten Anlagenteil zu kennzeichnen. Wenn nicht der gesamte Raum, sondern nur ein Teilbereich ein explosionsgefährdeter Bereich ist, kann dieser Bereich durch eine gelb-schwarze Schraffur z. B. auf dem Boden gekennzeichnet werden. Kanalabdeckungen werden in dem Zusammenhang nicht als kennzeichnungspflichtige Zugänge eingestuft. Dies entbindet den Arbeitgeber nicht für eine ausrechende Unterweisung und Anweisung (ggf. mit Arbeitserlaubnisschein) seiner Mitarbeiter zu sorgen.
 


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