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Nutzerpfad: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Ergonomie > Ergonomie von Arbeitsstätten und Arbeitsmitteln
Stichworte: Gibt es Vorschriften für stehende Tätigkeiten an einer Maschine, die der Arbeitgeber einhalten muss?

Frage:

Ich stehe 8 Stunden an einer Finishmaschine und muß dort kleine leichte Teile einzeln einlegen und rausholen. Viel Bewegung ist nicht außer von einem Bein auf"s andere. Nach 45 Teilen (ca. 20 min stehen) wird die Palette gewechselt. Gibt es irgendwelche Vorschriften, die der Arbeitgeber einhalten muß?
Im Prinzip wäre es schon sinnvoll den Arbeitgeber dazu zu
bringen, dort einen Stehstuhl/Stehhilfe bereitzustellen?

Antwort :

Der beschriebene Fall lässt sich rechtlich gut mit den Mitteln der Lastenhandhabungsverordnung und Betriebssicherheitsverordnung regeln. Hierbei ist allerdings nicht -wie zu vermuten- die Schwere der Last das Problem, sondern die Anzahl der Umsetzvorgänge einer relativ leichten Last, in Verbindung mit der ergonomischen Gestaltung des Arbeitsplatz (Stehplatz), des Arbeitsmittels (Maschine) und des Arbeitsablaufs.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die ergonomischen Zusammenhänge zwischen Arbeitsplatz, Arbeitsmittel, Arbeitsorganisation, Arbeitsablauf und Arbeitsaufgabe zu berücksichtigen; dies gilt insbesondere für die Körperhaltung, die Beschäftigte bei der Benutzung der Arbeitsmittel einnehmen müssen (vergl. § 4 Abs. 4 Betriebssicherheitsverordnung). Weiterhin muss er bei seiner durchgeführten Gefährdungsbeurteilung die Merkmale, aus denen sich eine Gefährdung von Sicherheit und Gesundheit, insbesondere der Lendenwirbelsäule, der Beschäftigten ergeben kann, berücksichtigen (vergl. § 2 Lastenhandhabungsverordnung).

Im Anhang zur Lastenhandhabungsverordnung werden allgemeine Merkmale genannt, die beim Heben, Umsetzen, Bewegen und Tragen berücksichtigt werden müssen. An Hand dieser Merkmale ist eine Methode entwickelt worden, mit der relativ einfach ermittelt werden kann, welches Gewicht, bei welchen Ausführungsbedingungen wie oft gehoben bzw. umgesetzt werden darf. Dabei fließen ein: das Geschlecht, die Anzahl der Vorgänge, die Körperhaltung und weitere Ausführungsbedingungen.

Die Methode ist (als Download) erhältlich beim Länderausschuß für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI,
http://lasi.osha.de/de/gfx/publications/lv9_info.htm) in der "Handlungsanleitung zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen beim Heben und Tragen von Lasten LV 9". Die Methode selbst heißt Leitmerkmalmethode (LMM). In der Handlungsanleitung enthalten ist in der Anlage eine Checkliste mit Ausfüllanleitung (4 Seiten), mit der die Belastung in Abhängigkeit von den Merkmalen (Randbedingungen) einfach ermittelt werden kann. Die Checkliste sollte mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit oder dem Betriebsarzt zusammen ausgefüllt werden. Sie läßt aber auch eine schnelle Überschlagsbewertung zu und gibt Optionen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen (Reduzierung der Gewichte, Verminderung der Häufigkeit oder Optimierung der Arbeitshaltung, der Arbeitsumgebung).

Siehe auch die Homepage des Institutes ASER: http://www.institut-aser.de/out.php?idart=538 unter "Manuelle Lastenhandhabung". Dort wird die Leitmerkmalmethode als JAVA-Script und ein "Heben-und-Tragen-Rechner" als Download angeboten.

Vorschläge zur Verbesserung der Gestaltung von Arbeitsplätzen können sie direkt dem Vorgesetzten, der Sicherheitsfachkraft oder Sicherheitsbeauftragten, dem Betriebsarzt oder der Personalvertretung unterbreiten. Diese werden dann gemeinsam die entsprechenden Vorschläge erörtern und ggf. umsetzen.
 


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