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Nutzerpfad: Physikalische Belastungen und Beanspruchungen > Lärm > Lärmmessungen, Grenzwerte
Stichworte: Werden bei Lärmmessungen akustische Signale mit einbezogen? Wann sind personenbezogene Lärmmessungen sinnvoll?

Frage:

Unsere Firma stellt Fasern her; ein Produktionsprozess, der an vielen Stellen Handarbeit erfordert. Bei Fadenabriß oder bei Wicklern von Fäden auf Walzen ertönen akustische Signale, damit das Bedienpersonal auf den Fehler aufmerksam wird. Je nach Produktionslauf ist die Häufigkeit der akustischen Signale sehr unterschiedlich. Der Lärmpegel ohne Signale liegt bei < 80 dB(A).

1) Werden bei Lärmmessungen akustische Signale mit einbezogen?
2) Sind hier personenbezogene Lärmmessungen sinnvoll?


Antwort :

Bei der Geräuschmessung der Geräuschimmissionen an Arbeitsplätzen sind alle auf die Person einwirkenden Geräusche für die Beurteilung der Lärmexposition zu berücksichtigen. Die Messung der Geräusche sollte bei typischen Arbeitstätigkeiten erfolgen und die Dauer der typischen Geräusche am Arbeitsplatz beinhalten. Sind diese bezogen auf die Tätigkeit, die Arbeitsprodukte oder den zeitlichen Ablauf sehr unterschiedlich, sollten mehrere Messungen durchgeführt werden.

Für Arbeitsplätze in ortsfesten Lärmbereichen wird der Beurteilungspegel in der Regel ortsbezogen ermittelt. Auch bei einer täglichen Arbeitszeit von mehr oder weniger als 8 Stunden ist der ortsbezogene dem personenbezogenen Beurteilungspegel vorzuziehen. Wann die Ermittlung des personenbezogenen Beurteilungspegels in Frage kommt, ergibt sich aus den Durchführungsanweisungen der BGV B3 zu § 2 Abs. 3. Die Festlegung "Die Summe der Teilzeiten Ti beträgt 8 Stunden” betrifft bei der Bestimmung des personenbezogenen Beurteilungspegels den Regelfall, dass eine durchschnittliche tägliche Arbeitszeit von 8 Stunden nicht überschritten wird. Unterschreitungen gegenüber 8 Stunden werden als lärmfreie Zeiten eingesetzt (für diese Teilzeiten gilt: 100,1· L(Aeq,i) · Ti = 0), wobei die Zuordnung der verbleibenden Lärmexpositionen zu den verkürzten Arbeitszeiten im Laufe eines Arbeitstages sorgfältig zu prüfen ist. Ist im Einzelfall die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit länger als 8 Stunden, wird die Summe der Teilzeiten Ti abweichend von 8 Stunden entsprechend höher. Hierbei ist einschränkend zu beachten, dass der personenbezogene Beurteilungspegel die Lärmbelastung aus präventiv-medizinischer Sicht nur dann richtig beschreibt, wenn sich das Gehör arbeitstäglich ausreichend erholen kann (Erholungszeiten mindestens 10 Stunden, während welcher ein Schalldruckpegel von 70 dB(A) nicht überschritten wird).

Bei der personenbezogenen Messung mit Dosimetern werden die jeweils auf die Person einwirkenden Geräusche gemessen. Dieses Verfahren wird i.d.R. dann verwendet, wenn die Person häufig die Arbeitsbereiche wechselt und somit unterschiedlichen Geräuschquellen ausgesetzt sind. Der hieraus ermittelte personenbezogene Beurteilungspegel ist außer bei kurzzeitigem Aufenthalt in Lärmbereichen dann von Bedeutung, wenn z.B. bewegliche Lärmquellen kurzzeitig außerhalb von Lärmbereichen eingesetzt werden. Diese werden dann als ortsveränderliche Lärmbereiche bezeichnet, z.B. bei fahrbaren Maschinen, Fahrzeugen und tragbaren Arbeitsgeräten. Bei ortsveränderlichen Arbeitsplätzen, die nicht Lärmbereichen angehören, wird der personenbezogene Beurteilungspegel dem ortsbezogenen Beurteilungspegel im Lärmbereich gleichgesetzt. Dies kommt z.B. in Betracht auf Baustellen oder bei der Verwendung von Handwerkzeugen und dergleichen.

Ausgenommen hiervon sind die Geräusche, die bei der personenbezogenen Arbeitsplatzmessung die Person am jeweils zu messenden Arbeitsplatz selbst verursacht. Diese Geräusche werden bei der personenbezogenen Arbeitsplatzmessung nicht berücksichtigt, z.B. Geräuschimmission durch Telefongespräche, Drucker usw. eines Sachbearbeiters im Büro, wenn dessen Arbeitsplatz gemessen werden soll.

Bei der Messung von Arbeitsbereichen (Lärmkataster) sind alle Geräusche einzubeziehen.

Geräuschmessung
Die Geräuschmessung erfolgt nach DIN 45645-2 „Ermittlung von Beurteilungspegeln aus Messungen - Teil 2: Geräuschimmissionen am Arbeitsplatz“ (Ausgabe:1997-07, Beuth-Verlag).

Bei der Geräuschmessung ist ebenfalls die UVV BGV B3 "Lärm" (bisher VBG 121) (vom 1. Januar 1990, in der Fassung vom 1. Januar 1997) der jeweiligen BG zu berücksichtigen. In der BGV B3 sind folgende wesentlichen Inhalte bezüglich der Fragestellung enthalten:

§ 2 Begriffsbestimmungen
(1) Lärmgefährdung im Sinne dieser Unfallverhütungsvorschrift ist die Einwirkung von Lärm auf Versicherte, die zur Beeinträchtigung der Gesundheit, insbesondere im Sinne einer Gehörgefährdung führen kann, oder zu einer erhöhten Unfallgefahr führt.

(2) Der Beurteilungspegel im Sinne dieser Unfallverhütungsvorschrift kennzeichnet die Wirkung eines Geräusches auf das Gehör. Er ist der Pegel eines achtstündigen konstanten Geräusches oder, bei zeitlich schwankendem Pegel, der diesem gleichgesetzte Pegel. Er wird entsprechend Anlage 1 ermittelt.

(3) Lärmbereiche im Sinne dieser Unfallverhütungsvorschrift sind Bereiche, in denen Lärm auftritt, bei dem der ortsbezogene Beurteilungspegel 85 dB(A) oder der Höchstwert des nichtbewerteten Schalldruckpegels 140 dB erreicht oder überschreitet.

§ 11 Zusätzliche Schallquellen
Tonwiedergabegeräte mit Kopfhörer, die nicht Arbeitsmittel sind, dürfen von Versicherten nicht benutzt werden. Dies gilt nicht, wenn durch die Bauart des Gerätes sichergestellt ist, dass
- keine Gehörgefährdung entsteht und
- Gefahrensignale unbeeinträchtigt erkannt werden können

§ 12 Signalerkennung 
(1) Wird durch Lärm die Wahrnehmung akustischer Signale, Warnrufe oder gefahrankündigender Geräusche beeinträchtigt und entsteht hierdurch eine erhöhte Unfallgefahr, muss der Unternehmer den Lärm nach den fortschrittlichen, in der Praxis bewährten Regeln der Lärmminderungstechnik so vermindern, dass Signale, Warnrufe oder gefahrankündigende Geräusche in ausreichendem Maße wahrgenommen werden können.

(2) Ist eine ausreichende Verminderung des Lärms nicht möglich, hat der Unternehmer dafür zu sorgen, dass die Signalgeber entsprechend verbessert werden. 

Achtung:  
Die BGV B3 und die DIN 45645-2 sind voraussichtlich nur bis Februar 2006 gültig. Durch die neue RICHTLINIE 2003/10/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 6. Februar 2003 über „Mindestvorschriften zum Schutz von Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer vor der Gefährdung durch physikalische Einwirkungen (Lärm)“ (17. Einzelrichtlinie im Sinne des Artikels 16 Absatz 1 der Richtlinie 89/391/EWG) werden die UVV und die DIN 45645-2 eventuell zurückgezogen. In der EG-Richtlinie sind wesentlich niedrigere Grenzwerte und andere Verfahren für die Lärmbegrenzung vorgegeben. Eine nationale Umsetzung ist bislang noch nicht erfolgt.

Hinweise für die Gestaltung von Signaleinrichtungen und Durchführung von Signal-Hörproben enthalten DIN 33 404-3 "Gefahrensignale für Arbeitsstätten; Akustische Gefahrensignale” und DIN EN 457 "Sicherheit von Maschinen; Akustische Gefahrensignale; Allgemeine Anforderungen, Gestaltung und Prüfung”. Hierbei ist besonders interessant, dass die Warnsignale auch durch eine Hörprobe eingestellt werden können.

Auszug DIN EN 457:
6 Prüfungen
6.1 Akustische Messungen
Die Einhaltung der Anforderungen nach 5.2 kann mit Hilfe von Messeinrichtungen geprüft werden; dazu sind erforderlich:
a) Messungen der A-bewerteten Schallpegel des Störgeräusches und der Signale [dies reicht aus, wenn der Unterschied zwischen den Schallpegeln größer als 15 dB ist; (siehe 8.1)];
b) Frequenzanalyse, wenn durch Messung der A-bewerteten Schallpegel keine eindeutigen Aussagen gemacht werden können;
c) Messungen des Zeitverlaufs der A-bewerteten Schallpegel des akustischen Gefahrensignals.

Die Messungen sollten mit einem Gerät entsprechend ISO 266, IEC 225 und IEC 651 (Schallpegelmesser, mindestens Klasse 2) erfolgen.

Für die Messung des Störgeräusches ist die Zeitbewertung „Slow" vorzuziehen. Bei schwankendem Geräusch sollte der Maximalwert berücksichtigt werden.

6.2 Hörprobe
Die Anforderungen an akustische Gefahrensignale nach 5.2 gelten auch als erfüllt, wenn die im Signalempfangsbereich anwesenden Personen das akustische Gefahren-Signal erkennen.

Zur Durchführung einer Hörprobe. z.B. in Arbeitsstätten, kann nachstehendes Vorgehen angewendet werden: Es wird eine Gruppe von mindestens 10 Testpersonen aus dem Signalempfangsbereich gebildet, in der soweit wie möglich alle Altersgruppen vertreten sind. Ohne vorherige Bekanntgabe wird das akustische Gefahrensignal unter den ungünstigsten Verhältnissen innerhalb des Signalempfangsbereiches (d.h. bei größtem Störschall und gegebenenfalls während des Auftretens anderer Signale) der Gruppe dargeboten. Dieser Versuch ist 5-mal zu wiederholen.

Falls erforderlich, sollen die Testpersonen ihre eigenen, persönlichen Gehörschutzeinrichtungen benutzen. Das akustische Gefahrensignal gilt als erkennbar, wenn es von allen Testpersonen erkannt wird. Sind im Signalempfangsbereich weniger als 10 Personen beschäftigt, dann sind die Versuche bei Anwesenheit aller Personen durchzuführen. Befinden sich ältere Personen und Personen mit Gehörbehinderungen im Signalempfangsbereich, sind diese bei der Hörprobe in die Gruppe der Testpersonen einzubeziehen.

Dialognummer: 3643
Stand: 22.08.2012

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