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Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Allgemeine Schutzmaßnahmen (5.)
Stichworte: Welche Anforderungen werden an einen Umkleideraum beim Umgang mit Sonderabfällen gestellt?

Frage:

Ich führe im Auftrag meiner Firma Transporte bei einem Sonderabfallzwischenlager durch und komme durch meine Tätigkeit mit verschiedenen Stoffen in Berührung.( GGVS Klasse: 2, 3, 4, 5, 6, 8, 9) In dem Sonderabfallager ist eine Schwarz-Weiß Anlage, in meinem Betrieb aber nur ein normaler Umkleideraum. Frage: Müßte ich mich jetzt bei dem Sonderabfallager umkleiden oder weiterhin in meinem Betrieb?


Antwort :

Die Arbeitsstättenverordnung - ArbStättV fordert unter § 6 , dass vom Arbeitgeber geeignete Umkleideräume zur Verfügung zu stellen sind, wenn die Beschäftigten bei ihrer Tätigkeit besondere Arbeitskleidung tragen müssen und es ihnen nicht zuzumuten ist, sich in einem anderen Raum umzukleiden. Gemäß der Kommentierung zur "alten" Arbeitsstättenverordnung müssen besondere Gründe vorliegen, die das Tragen der  Arbeitskleidung rechtfertigen. Diese können z.B. durch:

In den derzeit grundsätzlich noch anzuwendenden Arbeitsstättenrichtlinien, hier ASR 34/1-5 , wird weiter erläutert, dass eine getrennte Aufbewahrungsmöglichkeit für Arbeitskleidung (Schwarz) und Straßenkleidung (Weiß) vorhanden sein muss, wenn die Arbeitnehmer infektiösen, giftigen, gesundheitsschädlichen, ätzenden, reizenden oder stark geruchsbelästigenden Stoffen oder starker Verschmutzung ausgesetzt sind.

Liegen diese Gründe nicht vor, so ist ein besonderer Umkleideraum (Schwarz-Weiß-Bereich), der den Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung genügen muss, nicht vorgeschrieben.

Ebenfalls werden in den technischen Regeln für biologische Arbeitsstoffe – TRBA 213 -Abfallsammlung: Schutzmaßnahmen – bereits bei der Sammlung von normalen Haushaltsabfall auf den Stützpunkten der Sammelfahrzeuge Umkleideräume mit Schwarz-Weiß-Bereichen gefordert, dies gilt erst recht bei dem Umgang mit Sonderabfällen, wenn eine entsprechende Exposition gegenüber gefährlichen Stoffen besteht.

Für die reine Fahrtätigkeit dürfte dieses aber nicht der Fall sein, die Fahrerkabine wird als unbelasteter Bereich einzustufen sein. Sind dagegen umfangreiche Ladungstätigkeiten mit Ladungssicherungsarbeiten erforderlich ist formal immer der "Umgangsbegriff" erfüllt und somit u.a. die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung an Umkleideräume zu erfüllen.
Besondere Umkleiden sind deshalb nur erforderlich, wenn der Fahrer einen Umgang mit gefährlichen Stoffen hat und dabei spezielle Schutzkleidung tragen muss, weil es dabei zu  Expositionen kommen kann (auch im Havariefall!).

Grundsätzlich sollen die Stoffe aus dem Sonderabfallzwischenlager natürlich nicht unbewusst verschleppt werden. Falls der Fahrer einen mit den Beschäftigten des Zwischenlagers vergleichbaren Umgang mit den Stoffen hat, sind auch die entsprechenden Schutzmaßnahmen anzuwenden. Im Normalfall sollte dies aber nicht der Fall sein. Der Ort des Umkleidens sollte immer da erfolgen, wo sichergestellt ist, dass anschließend kein Kontakt mit gefährlichen Stoffen (Gefahrgut), kontaminierten Behältnissen, - Arbeitsmitteln oder den - Fahrzeugen mehr möglich ist.

Letztendlich kann nur die Gefährdungsbeurteilung (nach der Gefahrstoffverordnung und für biologische Arbeitsstoffe nach der Biostoffverordnung eine Pflichtaufgabe des Arbeitgebers) ggf. unter Hinzuziehung der Fachkraft für Arbeitssicherheit und des Betriebsarztes detailliert festlegen welche Maßnahmen für welche Tätigkeit zu ergreifen sind. Diese Personen oder auch der Betriebsrat sollte als erster Ansprechpartner für Ihre Bedenken genutzt werden. Konkrete Aussagen können nur in Kenntnis des ganzen Arbeitsablaufes (Tätigkeit, Exposition, Dauer, etc.) gegeben werden. Hierbei kann es auch hilfreich sein, mit der zuständigen Behörde (Staatliches Amt für Arbeitsschutz bzw. Gewerbeaufsichtsamt) in Kontakt zu treten.

Aus der Fragestellung ergibt sich offenbar, dass hierbei auch nicht nur der eigene Arbeitgeber betroffen ist. Es besteht daher eineKoordinierungspflicht der Arbeitgeber untereinander nach dem Arbeitsschutzgesetz.


Dialognummer: 3604

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