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Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Allgemeine Fragen zum Gefahrstoffrecht > Maßnahmenstufen / Handlungshilfen
Stichworte: Liegt bei giftigen Stoffen, die ausschließlich zum Zwecke des Weiterverkaufes gelagert werden, eine geringe Gefährdung vor?

Frage:

Geringe Gefährdung nach Gefahrstoffverordnung, 2010 für das Lagern giftiger Stoffe bzw. gesundheitsschädlicher Stoffe.

Ist es möglich bzw. richtig, dass bei obigen Gefahrstoffen, die ausschließlich zum Zwecke des Weiterverkaufes gelagert werden, eine geringe Gefährdung vorliegt? Für Giftstoffe vorgesehene Regelungen - Giftbuch, Sachkunde, Verschluss sind vorhanden. Für den Fall eines beschädigten Behältnisses wird zusätzlich zu den Maßnahmen nach § 8 auch PSA (Handschuhe) bereitgestellt.
Nach dem Einfachen Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe ist die Dauer der Tätigkeit unter 15 Min. (gleich 0, weil verpackt), es besteht kein Hautkontakt, keine Wirkmenge.

Antwort :

Um zu ermitteln, ob eine geringe Gefährdung nach § 6 "Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung" der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) vorliegt, müssen zunächst die in der GefStoffV aufgeführten Voraussetzungen berücksichtigt werden:

"(11) Ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung für bestimmte Tätigkeiten auf Grund
1. der dem Gefahrstoff zugeordneten Gefährlichkeitsmerkmale,
2. einer geringen verwendeten Stoffmenge,
3. einer nach Höhe und Dauer niedrigen Exposition und
4. der Arbeitsbedingungen
insgesamt eine nur geringe Gefährdung der Beschäftigten und reichen die nach § 8 zu ergreifenden Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten aus, so müssen keine weiteren Maßnahmen des Abschnitts 4 ergriffen werden.
"

Anzumerken ist hierzu zunächst, dass es sich auch bei der Lagerung von Gefahrstoffen nach § 2 "Begriffsbestimmungen" der GefStoffV um Tätigkeiten handelt und daher die GefStoffV auch hierbei anzuwenden ist:
"(4) Eine Tätigkeit ist jede Arbeit mit Stoffen, Zubereitungen oder Erzeugnissen, einschließlich Herstellung, Mischung, Ge- und Verbrauch, Lagerung, Aufbewahrung, Be- und Verarbeitung, Ab- und Umfüllung, Entfernung, Entsorgung und Vernichtung. Zu den Tätigkeiten zählen auch das innerbetriebliche Befördern sowie Bedien- und Überwachungsarbeiten."


Des weiteren macht der §6 Absatz 11 der GefStoffV deutlich, dass für die Entscheidung, ob eine geringe Gefährdung vorliegt, eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen notwendig ist. Wichtige Hilfestellungen für diese Beurteilung liefern insbesondere die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) der Reihe 400 (Gefährdungsbeurteilung). Besteht z. B. aufgrund von beschädigten Behältnissen Hautkontakt, steht die TRGS 401 "Gefährdung durch Hautkontakt Ermittlung – Beurteilung – Maßnahmen" (abgebildet im EMKG) als Hilfestellung zur Ermittlung der Höhe der Gefährdung zur Verfügung. Bei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung  sind bezüglich der den Gefahrstoffen bei der Einstufung zugeordneten Gefährlichkeitsmerkmale (hier: giftig; gesundheitsschädlich) die jeweiligen R-Sätze bzw. H-Sätze von großer Bedeutung. So kann es sich bei giftigen oder gesundheitsschädlichen Stoffen beispielsweise um so genannte hautresorptiv Stoffe nach TRGS 401 handeln:
"Hautresorptiv sind Stoffe, die aufgrund ihrer physikalisch-chemischen Eigenschaften über die Haut aufgenommen werden können. Folgende R-Sätze weisen auf eine entsprechende Eigenschaft hin: R 21 (Gesundheitsschädlich bei Berührung mit der Haut), R 24 (Giftig bei Berührung mit der Haut), R 27 (Sehr giftig bei Berührung mit der Haut), sowie alle Kombinationen mit diesen R-Sätzen."

In diesem Fall erfolgt die Zuordnung zu den Gefährdungskategorien nach Abschnitt 4.2.3 "Hautresorptive Gefahrstoffe und sonstige Stoffeigenschaften" der TRGS 401:
"(1) Eine geringe Gefährdung durch Hautkontakt liegt vor bei Tätigkeiten mit kleinflächigem und kurzfristigem Hautkontakt mit Gefahrstoffen mit R 21.
(2) Eine mittlere Gefährdung durch Hautkontakt liegt vor:
1. bei Tätigkeiten mit
a) kleinflächigem und kurzfristigem Hautkontakt oder
b) großflächigem und kurzfristigem Hautkontakt oder
c) kleinflächigem und längerfristigem Hautkontakt,
mit Gefahrstoffen mit
d) R 24 oder
e) R 40, R 68, wenn hautresorptiv oder
f) R 21 (nicht kleinflächiger und kurzfristiger Hautkontakt)
oder
2. bei allen Tätigkeiten mit R 62, R 63, wenn hautresorptiv.
(3) Eine hohe Gefährdung durch Hautkontakt liegt vor:
1. bei allen Tätigkeiten mit Gefahrstoffen mit Hautkontakt mit a) R 27 oder b) R 24, wenn zusätzlich mit R 34 bzw. R 35 gekennzeichnet ist,
2. bei Tätigkeiten mit großflächigem und längerfristigem Hautkontakt mit Gefahrstoffen mit a) R 21, R 24 oder b) R 40, R 68, wenn hautresorptiv,
3. bei allen Tätigkeiten mit Gefahrstoffen mit Hautkontakt mit R 45, R 46, R 60 oder R 61, wenn hautresorptiv.
"

Daher kann zur Anfrage keine pauschale Antwort gegeben werden. Denn hierzu müssen einerseits die R-Sätze der Stoffe einbezogen werden. Des weiteren muss ermittelt werden, ob oder ob keine Exposition zu den Lagerstoffen besteht (siehe TRGS 400er Reihe; Hautkontakt, Inhalative Exposition, ...). Auf dieser Grundlage kann dann ermittelt werden, ob ein geringe Gefährdung besteht. Das Vorhandensein eines Giftbuchs, von Sachkunde, etc. ist hierbei zunächst nicht von Bedeutung.


Dialognummer: 3559
Stand: 12.02.2013

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