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Nutzerpfad: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Psychische Belastungen und Beanspruchungen > Soziale und psychische Belastungen
Stichworte: Wie geht man damit um, wenn im Rahmen betrieblicher Umstrukturierungen das Arbeitsverhalten einzelner im Kollegenkreis aufgezeichnet wird?

Frage:

In unserem Betrieb taucht in letzter Zeit folgendes Phänomen auf: Kollegen beobachten und notieren Arbeitszeiten, Pausenzeiten und sonstige "Auffälligkeiten" von Kollegen. Ergänzen muss man noch, dass diese Mobbing-Atmosphäre im Umfeld von massiven Umstrukturierungen und Personalabbau entstanden ist; das Verhalten wird von Vorgesetzten zumindest geduldet, teilweise unterstützt. Wie kann man sich dagegen wehren? Dürfen Kollegen oder Vorgesetzte Aufzeichnungen machen und wenn ja, zu welchem Zweck ? Dürfen sie z.B. in einem Kündigungsbegehren verwendet werden ?

Antwort :

Im Zuge von Umstrukturierungen und Personalabbau ist es mittlerweile ein durchaus gängiges Phänomen, dass Kollegen sich gegenseitig beobachten und kontrollieren, um etwaige Verhaltensabweichungen zu protokollieren.

Für die Mitarbeiter - sowohl für die Kontrollierten als auch für die Kontrollierenden - stellt diese Situation oft ein hohes Maß an Stress, psychischer Belastung und Zeitaufwand dar. Die entsprechende Arbeitsatmosphäre behindert sowohl eine kooperative Zusammenarbeit als auch die Arbeitseffizienz.

Selbst duldende oder unterstützende Vorgesetzte solcher Aktivitäten sollte es interessieren, dass die Effektivität der Arbeitsleistung durch diese Art der Kontrolle und durch das kollegiale Misstrauen gemindert wird, ganz zu schweigen von den Belastungen, denen die Beobachteten ausgesetzt sind.

Offene und klärende Gespräche, sowohl mit den entsprechenden Vorgesetzten als auch mit den kontrollierenden Kollegen, können diese Situation klarstellen.

Je nach vorherrschender Firmenphilosophie ist es einen Versuch wert, zu verdeutlichen, dass es für alle Betroffenen besser ist, das behindernde Verhalten zum Nutzen der Zusammenarbeit und des Arbeitsklimas abzustellen. Förderlich ist es auch, wenn sich mehrere betroffene Kollegen zusammen tun und die Vorgesetzten darüber informieren, dass sie sich in ihrer Arbeit behindert fühlen.

Steht ein Mitarbeiter, der seinen Arbeitsplatz behalten möchte, auf der "internen Abschussliste" oder im Kampfmittelpunkt des Personalabbaus, ist es unter den beschriebenen Umständen wichtig, dass er sich absolut konform seines Arbeitsvertrages bzw. der betrieblichen Vorgaben verhält und auffälliges Verhalten (wie z.B. Privattelefonate am Arbeitsplatz, Überziehung oder Verschiebung der Pausen, verspätetes Eintreffen oder früheres Verlassen des Arbeitsplatzes etc.) unterlässt.

Sollte es ein allgemeines Zeiterfassungssystem geben, ist es für die Betroffenen sinnvoll, sich die tatsächlichen täglichen/wöchentlichen bzw. monatlichen Zeiten anzeigen und z.B. in Kopie bestätigen zu lassen. Ansonsten können die Betroffenen sich täglich selbst ihre Arbeits- und Pausenzeiten sowie die geführten Telefonate auflisten, um einen Überblick und Belege zu haben.

Es ist ein probates Mittel, dass Meldungen durch Kollegen oder Vorgesetzte über abweichendes Verhalten von den betrieblichen Vorgaben zu Abmahnungen führen. Abmahnungen sind nicht nur oft Vorboten einer Kündigung, sie erhöhen wiederum die psychische Belastung am Arbeitsplatz.

Inwiefern die Aufzeichnungen Dritter kündigungsrelevant sind, kann ein Fachanwalt für Arbeitsrecht beurteilen. Sollten Sie einen Betriebsrat haben, kann dieser befragt und eingeschaltet werden.
Informationen sowie Fragen und Antworten zum Arbeitsrecht werden auch im Internet beispielsweise unter http://www.arbeitsrecht.de  und im Online-Angebot des ARD-Ratgebers "Recht" unter http://www.wdr.de/tv/recht angeboten.


Stand: August 2005


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