Wissensdatenbank


Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Gefährdungen > Gefährdungen durch bestimmte Stoffe / Zubereitungen

Frage:

Welche Arbeitsschutzmaßnahmen gibt es für den Umgang mit Formaldehyd in der Pathologie?

Antwort :

In der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist die Gefährdungsbeurteilung der zentrale Begriff und der Ausgangspunkt für alle Arbeitsschutzmaßnahmen durch die Gefährdungen der Beschäftigten vermieden oder vermindert werden sollen. Auf Grundlage dieser Gefährdungsbeurteilung sind die notwendigen Schutzmaßnahmen festzulegen.

Die Gefährdungsbeurteilung ist vor der Aufnahme der Tätigkeit des Arbeitnehmers sachkundig vom Arbeitgeber unter aktiver Einbeziehung der betrieblichen Arbeitsschutzakteure nach Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG), wie der Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) und dem Betriebsarztes, zu erstellen. Die Gefährdungsbeurteilung umfasst die Beurteilung der Arbeitsbedingungen, die Feststellung der Gefährlichkeitsmerkmale der bei den Tätigkeiten eingesetzten chemischen Arbeitsstoffe, wobei die Sicherheitsdatenblätter der benötigten Stoffe, Gemische und ggf. auch Erzeugnisse hinzugezogen werden müssen, die Überprüfung des Einsatzes und, wenn möglich und technologisch bzw. wirtschaftlich zumutbar, den tatsächlichen Einsatz von weniger gefährlichen Ersatzstoffen und Ersatzverfahren (Substitutionsgebot), sowie die Festlegung der notwendigen technischen, organisatorischen, kollektiven und individuellen Schutzmaßnahmen unter Beachtung der Priorität der Schutzmaßnahmen.

Die GefStoffV basiert auf einem - je nach Gefährdungspotential der Tätigkeiten mit den eingesetzten Stoffen und Gemische - abgestuften Maßnahmenkonzept, das zur Gestaltung der notwendigen Schutzmaßnahmen zur Verfügung steht. Dabei sind nicht nur die nach GefStoffV und die in der CLP-Verordnung festgelegten Gefährlichkeitsmerkmale zu berücksichtigen. Es sind auch die nicht in der GefStoffV definierten Gefährdungen zu berücksichtigen, wie z. B. die erstickende Wirkung komprimierter Gase, wie z. B. Kohlendioxid, Stickstoff und Argon sowie die der sauerstoffreduzierten Atmosphären, die erfrierende Wirkung von tiefkalten Gasen, wie z. B. der von flüssiger Luft und flüssigem Stickstoff, und die Bildung von explosionsfähigen Atmosphären, wie z. B. die von Mehl- und Holzstaub in Gegenwart von Luft. Ferner ist auch einzubeziehen, in welcher Größenordnung die Gefahrstoffe zum Einsatz kommen, ob z. B. im Milligramm-, Gramm-, Kilogramm- oder Tonnenmaßstab. Ferner ist auch das durch den Aggregatzustand der Gefahrstoffe bedingte Freisetzungsverhalten der Gefahrstoffe einzubeziehen, ob z. B. staub- oder gasförmig, in stückiger oder kompakter Form vorliegend. 

Aufgrund zahlreicher Gefährlichkeitsmerkmale ist Formaldehyd nach den Vorgaben der Gefahrstoffverordnung als Gefahrstoff klassifiziert. Nach Anhang VI der CLP-Verordnung ist Formaldehyd in reiner Form und mit 37 % in wässriger Lösung als „Giftig“ (T; R23/24/25: „Giftig beim Einatmen, Verschlucken und Berührung mit der Haut“). „Ätzend“ (R34: „Verursacht Verätzungen“) „Krebsverdächtig“ (Xn; R 40: „Verdacht auf krebserzeugende Wirkung“) und „Sensibilisierend“ (R 43: „Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich“) eingestuft. Bei beruflichen Tätigkeiten mit Formaldehyd als Arbeitsstoff ist nach den Vorgaben der Technischen Regeln für Gefahrstoffe TRGS 900 ein Arbeitsplatzgrenzwert (AGW; vorher MAK-Wert) von 0,62 mg/m³ mit einem Spitzenbegrenzungsfaktor von 1 einzuhalten. Von der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wurde eine Absenkung des Grenzwertes auf 0,37 mg/m³ mit einem Spitzenbegrenzungsfaktor von 2 vorgeschlagen.

Zur Konservierung und Härtung von Gewebeproben sowie zur Präparation von Organen und Körperteilen werden in der Pathologie verschiedene Chemikalien, wie z. B. Xylol und Alkohole, vor allem aber aufgrund der Protein denaturierenden Wirkungen Aldehyde wie z. B. Formaldehyd und Glutaraldehyd eingesetzt. Insbesondere bei Formaldehyd war eine angesichts der Häufung von gefährlichen Eigenschaften wünschenswerte Substitution durch einen weniger gefährlichen Stoff bisher nicht möglich. Vor allem durch technische Maßnahmen ist daher sicherzustellen, eine inhalative und dermale Exposition der Beschäftigten durch Formaldehyd zu vermeiden und den Arbeitsplatzgrenzwert bei den einzelnen Präparationsschritten einzuhalten.

Die Formaldehydbelastung in pathologischen und anatomischen Instituten und der Stand der Technik an diesen Arbeitsplätzen war Thematik des Projektes „Formaldehyd im Gesundheitswesen“. Dort ging es auch um die Frage, ob durch den Stand der Technik auch die Einhaltung eines von 0,62 mg/m³ auf 0,37 mg/m³ abgesenkten Luftgrenzwertes dem Vorschlag der MAK-Kommission der DFG sichergestellt wäre. Die Ergebnisse dieses Projektes wurden unter dem Titel „Formaldehydexpositionen in Pathologie und Anatomien“ in der Fachzeitschrift „Gefahrstoff – Reinhaltung der Luft“ 63 (2003) Nr. 7/8, S.299-308 veröffentlicht. Diese Veröffentlichung enthält Beschreibungen der untersuchten Arbeitsplätze und –verfahren, Messstrategien und Messverfahren, Messergebnisse an den einzelnen Arbeitsplätzen in Zusammenhang mit Abluftleistungen und anderen technischen Schutzmaßnahmen sowie Schlussfolgerungen mit Empfehlungen zur sicheren Handhabung.

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat in den letzten Jahren zahlreiche Untersuchungen zur Handhabung von Formaldehyd im Gesundheitswesen und speziell in der Pathologie durchgeführt bzw. initiiert. Gemeinsam mit dem Berufsverband deutscher Pathologen, dem Deutschen Verband technischer Assistentinnen und Assistenten und der Unfallkasse Hessen wurde eine umfassende Broschüre zum sicheren Arbeiten mit chemischen Stoffen in der Pathologie veröffentlicht - Internet: http://www.bgw-online.de - Stichwort Pathologie.
In Zusammenarbeit mit dem Berufsverband Deutscher Pathologen und der Ärztekammer Nordrhein fand zu dieser Problematik im November 2002 eine Informationsveranstaltung mit dem Titel „Formaldehyd und Xylol im Griff? – Gefährdungen sicher beherrschen“ statt. Die wesentlichen Schwerpunktthemen dieser Veranstaltung waren die bei den einzelnen Arbeitsschritten in der Pathologie auftretenden stofflichen Belastungen, die zum Schutz vor Expositionen einzuhaltenden gesetzlichen Vorgaben, die notwendigen Schutzmaßnahmen, auch z. B. gegenüber den im Mutterschutz befindlichen Mitarbeiterinnen, und die technisch-wissenschaftlichen Kriterien des Einsatzes und der Substitution von Formaldehyd und anderen Hilfsstoffen der Pathologie. 

Eine zusammenfassende Informationen über Gefahrstoffe im Krankenhaus bietet die GUV-I 8596 "Gefahrstoffe im Krankenhaus".

Weiterführende Informationen und unterstützende Beratungen vor Ort können bei den für die Region zuständigen Staatlichen Aufsichtbehörden angefordert werden. In Nordrhein-Westfalen sind das die Bezirksregierungen.



Dialognummer: 3456
Stand: 14.11.2010

Ihre Zufriedenheit ist uns wichtig...

Sie helfen uns mit Ihrer Bewertung, die Qualität von KomNet stetig zu verbessern. Vielen Dank!

Die Beantwortung finde ich...
sehr hilfreich
hilfreich
nicht hilfreich
falsch (Bitte erläutern und ggf. E-Mail-Adresse angeben, wenn wir mit Ihnen in Kontakt treten sollen)

Bitte teilen Sie uns hier Ihre Anmerkungen oder Anregungen zu diesem Dialog mit ...
Hier bitte keine neue(n) Frage(n) stellen!

Ihre E-Mail-Adresse, damit wir ggf. mit Ihnen in Kontakt treten können :


Impressum:
Anbieter dieser Internetseiten ist das Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen (LIA.NRW) als Körperschaft des öffentlichen Rechts.
Anschrift: Ulenbergstr. 127-131, 40225 Düsseldorf
Telefon: (02 11) 3101 - 0
E-Mail: poststelle@lia.nrw.de

Inhaltlich verantwortlich:
Das LIA.NRW ist als Diensteanbieter nach § 7 Abs. 1 TMG (Telemediengesetz) für die eigenen Inhalte, die es zur Nutzung bereithält, nach den allgemeinen Vorschriften verantwortlich. Für die Inhalte der Antworten von KomNet oder einem darauf basierenden Dienst ist das dort angegebene Kompetenzcenter verantwortlich. Soweit ein Text von dritter Seite erstellt ist, wird der jeweilige Verfasser namentlich benannt. In diesen Fällen ist der Verfasser des jeweiligen Dokuments bzw. sein Auftraggeber für den Inhalt verantwortlich.

Es gelten unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung.
Um PDF-Dateien anzuzeigen und zu drucken benötigen Sie ein geeignetes Programm wie z. B. den Adobe-Reader. Diesen können Sie hier herunterladen.