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Nutzerpfad: Gesundheitsschutz > Impfungen > Sonstige medizinische Fragen zum Impfen
Stichworte: Ist es sinnvoll und statthaft, dass ein Unternehmen als Schutz vor der Vogelgrippe einen Vorrat Neuroaminidasehemmer anschafft?

Frage:

Ein Unternehmen befürchtet ein Übergreifen der Vogelgrippe auf den Menschen und damit eine Ausbreitung auch auf die Mitarbeiter.
Da nach Meinung des Geschäftsführers nicht ausreichend Neuroaminidasehemmer zur Verfügung stehen, überlegt er sich einen Vorrat anzuschaffen, um in Ernstfall die Mitarbeiter damit behandeln zu lassen.
Ist dies erlaubt und sinnvoll und darf das Unternehmen überhaupt solche Medikamente bevorraten?

Antwort :

1) Eine Gefährdung von Beschäftigten würde sich bei Auftreten von Fällen der Vogelgrippe in Deutschland nach bisherigen Erkenntnissen bei einem direkten Kontakt mit infizierten Tieren und kontaminierten Produkten bzw. Materialien ergeben.

Tätigkeiten mit derartigen Gefährdungen sind insbesondere möglich
- in der Geflügelhaltung
- in der Veterinärmedizin
- bei der Tötung von Geflügel
- bei der Tierkörperbeseitigung
- bei der Reinigung- und Desinfektion in kontaminierten Bereichen

Bei gefährdeten Personen muss ein ungeschützter Kontakt durch geeignete Schutzkleidung, Schutzhandschuhe, Schutzbrille und Atemschutz vermieden werden.
[Quelle: BAuA/Praxis/Biologische Arbeitstoffe/Informationen über biologische Arbeitstoffe]

Eine umfassende Darstellung dieser Schutzmaßnahmen enthalten die „Empfehlungen spezieller Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten vor Infektionen durch den Erreger der klassischen Geflügelpest“
[Beschluss 608 des ABAS, BArbBl. 10-2003, S. 68-69]

2) Der Beschluss 608 enthält auch einige Hinweise zur arbeitsmedizinischen Vorsorge:
- Eine Impfung mit dem aktuellen humanen Influenza-Impfstoff wird hier aus Gründen des Bevölkerungsschutzes als empfehlenswert angesehen (Verhinderung von Doppelinfektionen), ist allerdings aus Arbeitsschutzgründen nicht zwingend erforderlich.
- Der Arbeitgeber hat Beschäftigten mit möglichem direkten Kontakt zu erkrankten oder krankheitsverdächtigen Tieren oder erkrankten bzw. krankheitsverdächtigen Menschen eine prophylaktische antivirale Therapie mit Neuramidasehemmern zu ermöglichen.

Siehe hierzu auch „Empfehlungen des RKI zur Prophylaxe für und zum Management von gefährdeten Personen durch Geflügelpest [aviäre Influenza A(H7N7)]“

3) Es sollen tatsächlich z.Z. bestimmte Engpässe bei der Lieferung größerer Kontingente an Neuramidasehemmern bestehen. Da es sich hierbei um ein rezeptpflichtiges Medikament handelt, ist eine Bestellung dieses Medikamentes in größeren Mengen durch den Geschäftsführer nicht möglich. Dem zuständigen Betriebsarzt obliegt die Entscheidung, ob und in welchem Umfang eine Bestellung erforderlich ist und in welchen Fällen die Medikamente verabreicht werden. Bei einer Bestellung sollte auch die Haltbarkeit des Medikamentes berücksichtigt werden.

4) Zur Zeit wird bevorzugt „Tamiflu 75 mg (Oseltamivir)“ empfohlen. Die normale Packungseinheit umfasst lediglich 10 Kapseln. Bei einer täglichen Dosis von 2 Kapsel ab dem 13. Lebensjahr ist damit eine Behandlung über lediglich 5 Tage möglich. Eine Bevorratung erscheint auf Grund der hohen Kosten erst sinnvoll, wenn auch ein Einsatz des Medikamentes erforderlich ist.


5) Zur aviären Influenza können viele Detailinformationen über die Internetseiten des Robert-Koch-Institutes (http://www.rki.de/cln_011/nn_225576/DE/Content/InfAZ/I/Influenza/IPV/IPV__Node.html__nnn=true )
bezogen werden (Epidemiologie, Prävention und Bekämpfung, Antworten auf häufig gestellte Fragen, Umgang mit infizierten Personen, Umgang mit Probenmaterial)

6) Weiterhin sollten die neueste Entwicklung der Impfstoffherstellung für Geflügel beobachtet werden. Hier konnte das Friedrich-Löffler-Institut (http://www.fli.bund.de/1191.html ) erste positive Erfolge vermelden, so dass möglicherweise in absehbarer Zeit ein Impfstoff für die Tiere zur Verfügung gestellt werden kann.

Siehe auch die aktuellen Meldungen des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft: http://www.bmelv.de/cln_045/DE/01-Themen/Vogelgrippe/vogelgrippe__node,naviExpand=.html

Stand: Mai 2005


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