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Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Allgemeine Schutzmaßnahmen (5.)
Stichworte: Dekontamination von BSE-Betrieben

Frage:

Was ist beim Einsatz von Dekontaminationsmitteln (Gefahrstoffe)zu beachten?
Welche Stoffe kommen in Frage?

Antwort :

Inaktivierungsversuche an BSE-Erregern belegen die Wirksamkeit einer Behandlung mit 2,5 –5 % Natriumhypochlorit oder 2 M Natronlauge. Diese Wirkstoffkonzentrationen werden auch vom Friedrich-Loeffler-Institut Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI) – Internet: http://www.fli.bund.de/ - empfohlen und sind im Beschluss 603 des Ausschusses für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) für entsprechende Desinfektionsmaßnahmen genannt. Um die Wirksamkeit zu erhalten ist eine Konzentration von mindestens 2 % aktiven Chlors notwendig. Die Lösung ist daher mindestens alle 4 Wochen zu erneuern, wobei als Wirksamkeitskontrollen Inaktivierungsversuche durchzuführen sind.

Arbeitsschutz bei Tätigkeiten mit Natriumhydroxid in wässrigen Lösungen:

Natriumhydroxid ist ein harter, nicht brennbarer, stark ätzender, hygroskopischer Feststoff, der mit Wasser unter starker Wärmeentwicklung eine stark alkalische, ätzende Lösung bildet. Organische Stoffe, z.B. Wolle, Leder, Polyester werden gelöst, viele andere anorganische und organische Stoffe reagieren mit der Lösung unter Entwicklung von Wärme, gefährlichen bzw. entzündlichen Gasen. Beim Umgang mit Natriumhydroxid und seinen Lösungen sind akut ätzende Wirkungen auf Augen, Atemwege und Haut, Augen- und Lungenschädigungen, bei oraler Aufnahme lebensgefährliche Verätzungen im Verdauungstrakt sowie chronische Hautschädigungen möglich.

Natriumhydroxid, CAS-Nr. 1310-73-2, ist in der EG-Richtlinie 67/548/EWG aufgeführt, daher als Gefahrstoff korrekt einzustufen und zu kennzeichnen. Der sichere Umgang ist nach TRGS 555 durch technische Mittel, Betriebsanweisungen und Unterweisungen zu gewährleisten. Bei der Verwendung als Reinigungsmittel können die Sicherheitsdatenblätter, die vom Hersteller bzw. Vertreiber zur Verfügung gestellt werden müssen, genutzt und neben den benötigten verfahrensspezifischen Informationen zur Erstellung von Betriebsanweisungen verwendet werden.

Die zur Dekontamination einzusetzende wässrige Natriumhydroxidlösung soll eine molare Konzentration von 1 bis 2 mol/l besitzen, Massenkonzentrationen von 4 bis 8 % entsprechend.

Arbeitsschutz bei Tätigkeiten mit Natriumhypochloritlösung mit aktivem Chlor:

Natriumhypochlorit ist nur in wässriger Lösung haltbar und wird durch Einleiten von Chlor in verdünnte Natronlauge hergestellt. Die Lösungen sind stark ätzend, stark alkalisch und oxidierend. Sie reagieren mit Leichtmetallen, z.B. Aluminium oder Magnesium, sowie mit organischen Verbindungen. Mit Säuren, wie z.B. mit Salzsäure, Schwefelsäure oder Phosphorsäure, sauren Salzen (u.a. Hydrogensulfate) sowie mit Oxidationsmitteln, wie z.B. Wasserstoffperoxid oder Kaliumpermanganat, bildet sich giftiges Chlorgas. Beim Erwärmen und im Sonnenlicht zersetzen sich die Lösungen unter Bildung von Chlor, Sauerstoff, Chlorwasserstoff und höheren Chloroxiden. Bei Tätigkeiten mit Natriumhypochlorit können reizende bis ätzende Wirkungen auf Haut und Schleimhäute auftreten, wobei auch chronische Hautschädigungen möglich sind.

Natriumhypochloritlösung mit aktivem Chlor, CAS-Nr. 7681-52-9, ist als Gefahrstoff gemäß Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) in der EG-Richtlinie 67/548/EWG aufgeführt, daher als Gefahrstoff korrekt einzustufen und zu kennzeichnen. Eine sichere Handhabung ist nach TRGS 555 durch technische Mittel, Betriebsanweisungen und Unterweisungen zu gewährleisten. Bei der Verwendung als desinfizierendes Reinigungsmittel können die Sicherheitsdatenblätter, die nach § 6 der neuen Gefahrstoffverordnung (GefStoffV vom 23.12.2005) vom Hersteller bzw. Vertreiber zur Verfügung gestellt werden müssen, genutzt und neben den benötigten verfahrensspezifischen Informationen zur Erstellung von Betriebsanweisungen verwendet werden.


Arbeitsschutz bei Tätigkeiten mit BSE-Erregern:

Das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA) hat das Auftreten der Infektion mit BSE-Erregern auch bei Rindern in der Bundesrepublik Deutschland zum Anlass genommen, am 14. Dezember 2000 eine Expertenanhörung hierzu durchzuführen. Als Ergebnis der Erörterungen und zur Beseitigung der allgemeinen Verunsicherung auch unter den Arbeitgebern, Beschäftigten und Aufsichtsbehörden schlagen die Sachverständigen dem Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) Maßnahmen zum präventiven Arbeitsschutz bei bestimmten Tätigkeiten vor.

Diese Maßnahmen sind folgenden zwei Beschlüssen des ABAS formuliert:

·Beschluss 602: Spezielle Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten vor Infektionen durch BSE-Erreger, BArbBl. 8/01, S. 75-77, 4. Aktualisierung BArbBl. 10-2003, S. 34-39; Internet: http://www.baua.de/prax/abas/besch602.pdf.

·Beschluss 603: Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit Transmissibler Spongiformer Enzephalopathie (TSE) assoziierten Agenzien in TSE Laboratorien, Neufassung: BArbBl. 3-2003, S. 55-59; Internet: http://www.baua.de/prax/abas/besch603.pdf.

Diese und weitere ABAS-Beschlüsse sowie die Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) sind in den jeweils aktuellsten Versionen auf der Homepage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Internet: http://www.baua.de, unter der Internetadresse http://www.baua.de/prax/abas/trba.htm veröffentlicht.

Weiterführende Informationen:

Umfassende physikalisch-chemische und toxikologische, sicherheitstechnische und gefahrstoffrechtliche Informationen über Gefahrstoffe finden Sie unter http://www.hvbg.de/d/bia/fac/stoffdb/index.html in der Stoffdatenbank GESTIS, einer vom Berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitssicherheit (BGIA), Homepage: http://www.bgia.de, erstellten und gepflegten Datenbank.

Die für die genannten Gefahrstoffe relevanten und weitere Sicherheitsdatenblätter können Sie unter http://chemdat.merck.de aus der Stoffdatenbank ChemDat Online der Firma MERCK, Homepage: http://www.merck.de, mittels Suchmaske aufrufen, lesen und ausdrucken.

Stand: 25.10.2005

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