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Nutzerpfad: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Gefährdungen für werdende / stillende Mütter
Stichworte: Sollte in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft der Umgang mit Chemikalien vermieden werden, auch wenn diese nicht fruchtschädigend sind?

Frage:

Ich bin in der fünften Woche schwanger und arbeite in einem chemischen Labor, wobei ich ausschliesslich Kontakt mit Methanol, Ethanol, Acetonetril, n-Hexan und Ethylacetat habe. Meine Frage ist: In den Sicherheitsdatenblaettern ist vermerkt, dass diese Chemikalien nicht fruchtschädigend sind, sollte ich trotzdem innerhalb der ersten drei Monate den Kontakt mit diesen Chemikalien vermeiden?

Antwort :

Grundsätzliche Anforderungen bezüglich der vom Arbeitgeber zu treffenden Schutzmaßnahmen sind im Mutterschutzgesetz - MuSchG und in der Mutterschutzverordnung - MuSchV festgelegt.

Der Arbeitgeber muss rechtzeitig für jede Tätigkeit, bei der sie durch die chemischen Gefahrstoffe gefährdet werden können, Art, Ausmaß und Dauer der Gefährdung beurteilen. Des Weiteren ist er verpflichtet, Sie und die weiteren Arbeitnehmerinnen über die Ergebnisse dieser Beurteilung und die zu ergreifenden Schutzmaßnahmen zu unterrichten (§ 2 MuSchArbV).

Nach § 5 Abs. 1 Nr. 3 der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz (MuSchArbV) ist während der gesamten Schwangerschaft jegliche Exposition mit krebserzeugenden, erbgutverändernden oder fruchtschädigenden Stoffen verboten. Schwangere und stillende Arbeitnehmerinnen dürfen also nicht mit Stoffen und Erzeugnissen arbeiten oder denen ausgesetzt sein (Expositionsverbot), die insbesondere die folgenden Gefahrenbezeichnungen tragen:

R39: Irreversibler Schaden möglich
R40: Kann Krebs verursachen
R46: Kann vererbbare Schäden verursachen
R49: Kann beim Einatmen Krebs erzeugen
R61: Kann das Kind im Mutterleib schädigen
R63: Kann das Kind im Mutterleib möglicherweise schädigen
R64: Kann Säuglinge über die Muttermilch schädigen

Für Schwangere, die diesen Stoffen bei dem bestimmungsgemäßen Umgang (z. B. Arbeiten mit Stoffen im geschlossenen System) nicht ausgesetzt sind, gilt dieses Beschäftigungsverbot nicht.

Schwangere dürfen auch nicht mit giftigen, sehr giftigen, gesundheitsschädlichen, oder chronisch schädigenden Gefahrstoffen arbeiten, wenn der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW- früher MAK Wert)) dieser Gefahrstoffen überschritten ist : Die Einhaltung des Grenzwertes muss (ggf. mit Messungen) nachgewiesen werden.

So gibt es z. B. für den von Ihnen angegebenen Stoff Ethanol einen Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) bzw. Luftgrenzwert von 960 mg/m3 bzw. 500 ml/m3. Ein Risiko der Fruchtschädigung ist bei der Einhaltung dieses Grenzwertes nicht zu befürchten.

Methanol ist giftig (T)-Gefahr der Hautresorption. Der Arbeitsplatzgrenzwert (Luftgrenzwert nach TRGS 900) sind 270 mg/m3 bzw. 200 ml/m3. Ein Risiko der Fruchtschädigung braucht bei Einhaltung des AGW nicht befürchtet zu werden.

Ethylacetat ist reizend ( Xi ). Der AGW beträgt 1500 mg/m3 bzw. 400 ml/m3 und darf nicht überschritten werden. Bei Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwertes kann eine Fruchtschädigung ausgeschlossen werden.

Alle Gefahrstoffen bzw. Gemische mit denen Sie arbeiten müssen wie v.g. beurteilt werden.

Der Nachweis, dass ihr Arbeitgeber einen sicheren Arbeitsplatz geschaffen hat, ist nach § 5 des MuSchG zu dokumentieren. Der Arbeitgeber ist nach der Bekanntgabe einer Schwangerschaft verpflichtet über diese Schwangerschaft das zuständige Arbeitsschutzbehörde zu informieren.

Weitere nützliche Informationen finden Sie in den Faltblättern zum Mutterschutz z.B. auf der Internetseite der Arbeitsschutzverwaltung NRW.


Dialognummer: 3241
Stand: 15.02.2013

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