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Stichworte: Welche Schutzhandschuhe sind für den Umgang mit Formaldehyd geeignet?

Frage:

Als OP-Schwester arbeite ich ständig mit einem Flächendesinfektionsmittel, das Formaldehyd enthält. Wir benutzen Nitril-Handschuhe, da wir viele Kollegen mit Latexallergie haben! Wären latexhaltige Handschuhe besser? Meine Frage: Können Sie mir Informationen zu dem Thema Schutzhandschuhe/Formaldehyd zukommen lassen.

Antwort :

Formaldehyd besitzt sowohl ein kanzerogenes als auch ein irritatives Potential und ist nach der TRGS 900 am Arbeitsplatz mit einem AGW (Arbeitsplatzgrenzwert) von 0,5 ml/m3 bzw. 0,62 mg/m3 eingestuft worden. Es weist zusätzlich eine potentiell sensibilisierende Wirkung auf. Aufgrund seiner niedrigen Reizschwelle sind erheblich häufiger Krankheitsbilder bei einer beruflichen Exposition mit Formaldehyd als mit anderen Desinfektionsmitteln bekannt geworden.

Bei Tätigkeiten mit Kontakt mit Desinfektionsmitteln muss deshalb auf eine genaue Einhaltung der vorgegebenen Konzentration sowie auf ein optimales Funktionieren der raumlufttechnischen Anlagen geachtet werden. Durch entsprechende und ausreichende Hautpflege kann eine gesteigerte dermale Aufnahme verhindert werden.

Zu Ihrer Anfrage:
1. Prinzipiell ist vor der Aufnahme von Tätigkeiten mit Kontakt mit formaldehydhaltigen Desinfektionsmitteln eine Gefährdungsbeurteilung einschl. einer Substitutionsprüfung durchzuführen. Dabei muss u. a. geklärt werden, ob sich die gleiche Wirkung nicht durch ein entsprechend „ungefährlicheres“ Mittel erzielen lässt. Das Substitutionsgebot ist in der
Gefahrstoff-Verordnung durch § 7 Abs. 1 Nr. 5 geregelt.

2. Produktlisten mit formaldehydfreien Desinfektionsmitteln sind sowohl durch die Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) als auch die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) erstellt und veröffentlicht worden. Vorab sind diese gelisteten Mittel auf ihre Qualität hin untersucht und zertifiziert worden, einzusehen in der berufsgenossenschaftlichen Regel -Desinfektionsarbeiten im Gesundheitsdienst- BGR 206, Internet: http://publikationen.dguv.de .

Unter den Punkten 1 und 2 der Antwort wird auf die Pflicht des Arbeitgebers zur Gefährdungsbeurteilung nach § 7 der Gefahrstoffverordnung sowie auf Produktlisten formaldehydfreier Desinfektionsmittel im Rahmen der Substitutionsprüfung eingegangen. Aus der Sicht des Arbeitsschutzes handelt es sich bei der Gefährdungsbeurteilung um eine elementare Forderung zum Schutze der Arbeitnehmer. Der Arbeitgeber darf eine Tätigkeit mit Gefahrstoffen erst aufnehmen lassen, nachdem eine Gefährdungsbeurteilung vorgenommen wurde und die erforderlichen Schutzmaßnahmen getroffen wurden. Grundsätzlich beinhaltet die Gefährdungsbeurteilung auch die Prüfung der Möglichkeit einer Substitution, welche ab der Schutzstufe 2 entsprechend den Kriterien des § 9 Abs. 1 GefStoffV verpflichtend ist (bei Substitutionsverzicht Dokumentation und Begründung). Die „Funktionsfähigkeit“ eines Austauschdesinfektionsmittels ist im Rahmen der Substitutionsprüfung selbstverständlich zu berücksichtigen.

3. Eine Einbindung der zuständigen Sicherheitsfachkraft, ggf. auch der Hygienefachkraft, sollte auf jeden Fall im Rahmen des sich stellenden Substitutionsgebots erfolgen.

4. Des Weiteren ist der Betriebsarzt mit in die Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen. Neben entsprechenden arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen bei Beschäftigten, die Tätigkeiten ausüben, bei denen sie Kontakt mit formaldehydhaltigen Desinfektionsmitteln haben, ist eine schriftliche Betriebsanweisung zu erstellen und eine regelmäßige Unterweisung durchzuführen.

5. Das Sicherheitsdatenblatt des bisher von Ihnen verwendeten Desinfektionsmittels muss Aussagen zu den bei Tätigkeiten mit dem entsprechenden Mittel zu verwendenden Handschuhen enthalten. Sollte diese Angaben nicht enthalten sein, so sind sie vom Hersteller oder Inverkehrbringer, dem Ersteller des Sicherheitsdatenblatts, nachträglich einzufordern.

6. Ein Angebot für entsprechende Alternativprodukte ist bei den unterschiedlichen Desinfektionsmittelvertreibern zu erfragen.

7. Sollte im Rahmen des Substitutionsgebots der Einsatz eines alternativen Desinfektionsmittels nicht möglich sein (Dokumentation und Nachweis!), so ist entsprechend der angewendeten Formaldehyd-Konzentration ein spezieller Schutzhandschuh zu verwenden. Als ein Beispiel für Handschuhmaterialien bei Tätigkeiten mit unterschiedlichen Formaldehyd-Konzentrationen ist der Handschuhplan der Universität Freiburg (http://www.zuv.uni-freiburg.de/formulare/hautplan.pdf/view/?searchterm=hautschutzplan
) anzusehen:

Formaldehyd-Konzentration < 5 %: Alle gängigen Materialien
Formaldehyd-Konzentration 20 %: Nitril, Butyl, FKM
Formaldehyd-Konzentration 37 %: Butyl, FKM

Die Auswahl eines geeigneten Handschuhs hängt aber nicht nur von dem zu verwendeten Gefahrstoff sondern auch von der zu verrichtenden Tätigkeit ab. Deshalb sind die vom Hersteller gemachten Angaben über Material, Dicke, Durchdringungs- sowie Tragezeit bei der Auswahl mit zu berücksichtigen.

8. Ein Angebot für entsprechende Alternativprodukte ist von unterschiedlichen Desinfektionsmittelvertreibern zu erfragen.

9. Bezüglich der ebenfalls im Begleittext beschriebenen Latexallergie ist zu unterscheiden, ob es sich um eine allergische Reaktion auf eines oder mehrere der Naturlatex-Proteine oder um eine Reaktion auf weitere Inhaltsstoffe handelt. Dementsprechend ist grundsätzlich ein Handschuh auszuwählen, der auf der einen Seite den Anforderungen der Tätigkeiten und der Desinfektionsmittel entspricht aber auch auf der anderen Seite das entsprechende Allergen nicht
enthält. Auf mögliche Kreuzreaktionen ist hier ebenfalls hinzuweisen.

Es ist richtig, dass die GESTIS-Datenbank Handschuhmaterialien aus Naturlatex-NR als ungeeigneten Handschutz aufführt. Dies gilt jedoch ausdrücklich für 5 %-ige Formaldehydlösungen. In der Aufzählung der Antwort wird lediglich die Möglichkeit eingeräumt, dass unterhalb dieser Konzentrationsgrenze alle gängigen Materialien zum Einsatz kommen könnten.

(siehe auch DIN EN 374 Teil 1-3 „Schutzhandschuhe gegen Chemikalien und Mikroorganismen“ und DIN EN 455 „Medizinische Handschuhe zum einmaligen Gebrauch“)

Weitere umfangreiche Informationen zum Thema Schutzhandschuhe finden Sie unter www.dguv.de (Webcode: d106735)


Dialognummer: 3240
Stand: 04.08.2008

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