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Nutzerpfad: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen
Stichworte: Gehört das Anschließen eines Ammoniak-Kesselwagens mittels Schlauch an die Entladevorrichtung zum Entladevorgang?

Frage:

Wir haben bei uns im Werk eine Entladung für Eisenbahn-Kesselwagen mit Ammoniak. Der Entladebereich ist als Ex-Zone 2 deklariert, und zwar nur für die Zeit des Entladevorgangs.
Zum Öffnen der Verschlüsse bzw. zum Anschließen des Kesselwagens ist Werkzeug erforderlich. Unsere Frage: Gehört das Anschließen des Wagens mittels Schlauch an die Entladevorrichtung bereits zum Entladevorgang? Ist hierfür dann funkenfreies Werkzeug zwingend vorgeschrieben?

Antwort :

Ammoniak hat zwar nur einen relativ kleinen explosionsgefährdeten Bereich (etwa 15 bis 30 Vol % in Luft bei 20° C), und schon viel geringere Konzentrationen sind für den Menschen tödlich; gleichwohl ist es ein explosionsfähiges Gas. Beim Umgang damit sind die Vorschriften des Explosionsschutzes (Gefahrstoffverordnung, Betriebssicherheitsverordnung) anzuwenden.
Konkrete Regelungen für die Entladung des Druckgases Ammoniak ergeben sich u.a. aus den Technischen Regeln Druckbehälter TRB 851 und 852 "Füllanlagen zum Abfüllen von Druckgasen aus Druckgasbehälter in Druckbehälter". Die technischen Regeln gelten gemäß Betriebssicherheitsverordnung (§ 27 Übergangsvorschriften) zunächst weiter und sind in die Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen.
Informationen und Hilfen zur Beurteilung und Erstellung der Explosionsschutzdokumente finden sie z.B. hier: Technische Regeln für Betriebssicherheit - TRBS z.B. TRBS 2152 und TRBS 2153 bzw. der BGR 104.
Die erforderlichen Maßnahmen orientieren sich an der Gefährdungsbeurteilung, in welchen Bereichen mit welcher Wahrscheinlichkeit mit dem Auftreten einer explosionsfähigen Atmosphäre in gefahrdrohender Menge zu rechnen ist.
Nach der Beispielsammlung der Explosionsschutzregeln (BGR 104) ist die Umgebung geschlossener gasführender Apparate, Behälter und Rohrleitungen (sofern technisch dicht) keine Zone. An Leckagestellen bzw. an Stellen, an denen die technische Dichtheit nicht dauerhaft gewährleistet werden kann, kann eine Zone ausgewiesen werden. Die Ausdehnung ist dann Abhängig von der Gasart und den Umgebungsbedingungen (Freien oder in Räumen).

Das An- und Abkuppeln des Kesselwagens ist eine vor- und nachbereitende Tätigkeit und zählt somit zum eigentlichen Betrieb. Hierbei kann das Lösen von Verschraubungen zu einer Gefahrenstelle (Leckage, Undichtigkeit, etc.) führen. Demzufolge ist bei Kupplungsvorgängen eine temporäre Ex-Zone auszuweisen bzw. die vorhandene auszuweiten. Umfangreiche Überlegungen zur Festsetzung der Ex-Zonen in Abhängigkeit von lösbaren Verbindungen können Sinngemäß der TRbF 30 "Füllstellen" - Kapitel 5.2.1. ff. entnommen werden.
Bezüglich der an Tankcontainern / Kesselwagen zu treffenden Sicherheitsmaßnahmen verweisen wir auf die Merkblätter T 015 (BGI 592) und T 045 der BG RCI (ehemals BG-Chemie) (http://www.bgchemie.de/webcom/show_article.php/_c-416/_nr-5/i.html) sowie den Schutzleitfaden 310 (http://www.bgrci.de/praevention/fachwissen/gefahrstoffe/gefahrstoffinformationen/inhalte-gefahrstoffinformationen/schutzleitfaeden/).
Das zu verwendende Werkzeug ergibt sich mitunter aus der
Bauartzulassung des Eisenbahnkesselwagens bzw. aus der Bedienungsanleitung der Füllanlage. Normalerweise ist durch die Verwendung des mitgelieferten oder empfohlenen Werkzeuges auf Grund der installierten Werkstoffpaarung zwischen Werkzeug und Kupplung eine Zündgefahr für das vorgesehene Druckgas nicht zu unterstellen.

Für konkrete Beratung vor Ort können Sie sich an die für Ihren Betrieb zuständige Arbeitsschutzbehörde wenden. Die Adressen werden im Internet z.B. unter http://lasi.osha.de/de/gfx/systems/laenderkarte.php angeboten. Arbeitsschutzvorschriften können Sie unter oder www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16032 aufrufen. 

http://www.arbeitsschutz.nrw.de/service/rechtsvorschriften/index.php

 


Dialognummer: 3079
Stand: 21.12.2009

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