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Stichworte: Kann man Ärzten bei Ablehnung der Hepatitisimpfung, ohne Bedenken die gesundheitliche Eignung aussprechen?

Frage:

Kann man Ärzten, die auch auf Intensivstationen eingesetzt werden, bei Ablehnung der Hepatitisimpfung, ohne Bedenken die gesundheitliche Eignung aussprechen ?
Oder sind Einschränkungen bzw. besondere Schutzmaßnahmen zu empfehlen und zu fordern ?


Antwort :

Die wichtigsten arbeitsmedizinischen Maßnahmen sind die Vorsorgeuntersuchungen der Beschäftigten nach Biostoffverordnung -BioStoffV. Nach § 15 Abs. 1 BioStoffV soll dies vor Aufnahme der Tätigkeit, danach in regelmäßigen Abständen und am Ende der Beschäftigung erfolgen und beinhaltet unter anderem die Bestimmung von Antikörper und die Impfung .
Ein Arzt, der auf einer Intensivstation arbeitet und nicht Hepatitis-B-geimpft ist, ist der ständigen Gefahr ausgesetzt sich zu infizieren. Bedenken gegen eine Eignung müssten nicht vorgebracht werden, wenn er den Kontakt mit infektiösem Material meiden könnte. Dazu müsste eine genaue Analyse seiner Tätigkeiten erfolgen.
Das Infektionsrisiko kann man durch Unterbindung der Infektionswege effektiv senken bzw. vermeiden. Dieses erreicht man durch das Tragen von geeigneter persönlicher Schutzausrüstung, durch arbeitsorganisatorische Maßnahmen und durch konsequente Einhaltung der geltenden Hygienevorschriften.
Das Tragen von Handschuhen schließt die Gefahr einer Infektion nicht völlig aus, da auch über Schleimhaut (z. B. Spritzer ins Auge) eine Infektion übertragen werden kann. Außerdem ist eine regelmäßige Schulung und Unterweisung der Beschäftigten über Hygiene und Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung blutübertragener Infektionskrankheiten unerlässlich. Das Tragen von persönlichen Schutzausrüstungen wie Handschuhe, Mundschutz, Augenschutz etc. dient sowohl zum Schutz der Patienten als auch zum eigenen Schutz. Alle medizinischen Einmalschutzhandschuhe müssen die Anforderungen der europäischen Norm DIN EN 455 erfüllen. Sie sollten flüssigkeitsdicht sein. Das Tragen von zwei Paar farblich unterschiedlichen Handschuhen bietet einen noch besseren Schutz als das Tragen von einem Paar Handschuhen.
Das Tragen von einem Paar Handschuhen vermindert z. B. bei einer Verletzung die für eine Virusinfektion entscheidende Blutmenge um die Hälfte, bei zwei Paar Handschuhen sind es 80%. Die Übertragungswahrscheinlichkeit liegt bei Nadelstichverletzungen für
HIV bei 0% - 0,5%
HCV bei 2,7%-10%
HBV bei 40%
Leider versagt die Schutzfunktion der Handschuhe bei solchen Tätigkeiten wo mit schneidenden, stechenden, zerbrechlichen oder rotierenden Geräten und Gegenständen gearbeitet wird. Die Latexhandschuhe bieten bei Verletzungen keinen sicheren Schutz. Die sicherste Schutzmaßnahme ist daher die Impfung.
Das Ziel der Schutzimpfung beim Krankenhauspersonal ist die Prävention von Infektionen sowohl bei Patienten als auch beim Personal. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut, STIKO, empfiehlt die Hepatitis Schutzimpfung (Kategorie "B") auf Grund eines erhöhten beruflichen Risikos, für alle empfänglichen Personen in medizinischen Einrichtungen. Die Kosten für die Impfung trägt der Arbeitgeber.
Über die empfohlene Maßnahmen zur Hepatitis-B-Prophylaxe nach einer Kanülenstichverletzung oder anderen Blutkontakten kann man im Epidemiologischen Bulletin Nr1/2000, welche auch als PDF-Datei verfügbar ist (www.rki.de), näheres nachlesen.
Über die Einstellung, bzw. den Einsatz von HBV infiziertem medizinischen Personal sollte ein Expertengremium nach Einzelfallprüfung entscheiden. Diesem Gremium sollten der Krankenhaushygieniker, der Betriebsarzt, die Fachkraft für Arbeitssicherheit, ein Infektiologe, medizinischer Mikrobiologe oder klinischer Virologe, der behandelnde Arzt des betroffenen Mitarbeiters, der Amtsarzt sowie ein Vertreter des Arbeitgebers/der ärztlichen oder ggf. der Pflegedienstleitung (je nach Zuständigkeit) angehören (Empfehlung des Robert-Koch-Instituts, Berlin). Die Bestimmungen des Infektionsschutzgesetzes sind zu beachten. Dabei sollten die Empfehlungen zur Verhütung einer HBV Übertragung im Gesundheitswesen durch infiziertes Personal von den Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e. V. - beachtet werden. (Epidemiologischen Bulletains, Ausgabe 30/99) Über die Hepatitis B und C Übertragungsgefahr auf Patienten durch infiziertes medizinisches Personal ist ein Artikel im Bundesgesundheitsblatt 47/2004 veröffentlicht worden.
Ist man sich sicher, dass bei der Gefährdungsbeurteilung alle Aspekte berücksichtigt wurden und dass der Arzt auch immer adäquate persönliche Schutzausrüstung trägt, könnte für ihn das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung lauten: „Unter bestimmten Voraussetzungen geeignet“.
Einfacher wäre es ihn so umzusetzen, dass die Zahl der gefährdenden Situationen minimiert ist.


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