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Nutzerpfad: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Entzündliche Flüssigkeiten > Lagerung entzündlicher Flüssigkeiten
Stichworte: Wird durch eine Probennahme aus einer `passiven Lagerung` brennbarer Flüssigkeiten eine `aktive Lagerung`? Darf ein herkömmlicher Gabelstapler im Lagerbereich benutzt werden?

Frage:

Probennahme bei passiver Lagerung entzündlicher (brennbarer) Flüssigkeiten:
ich beziehe mich auf die Begriffsbestimmung "Passive Lagerung" in Nr.2.1 (5)TRbF Ausgabe 06.2002. Wird durch das Öffnen der 2"-Verschlüsse neu eingegangener 200 ltr.-Fässer (Rohware) zwecks Probennahme mit Hilfe einer Pipette (wenige ml) die passive Lagerung zur aktiven Lagerung? Die Probennahme beschränkt sich auf maximal 10 Fässer pro Tag. Die Frage stellt darauf ab, ob damit ein betrieblich notwendiger Gabelstapler-Gebrauch noch statthaft ist (vgl. Nr. 8.8.1 (11) TRbF Ausgabe 06.2002 - Gabelstapler-Gebrauch nur bei passiver Lagerung).

Das Problem bezieht sich auf eine 100.000 ltr. Lager (für AI-, AIII- und B-Flüssigkeiten) im Freien (Passive Lagerung, Zone 2), in dem 200 ltr. Fässer und 1000 ltr.-IBCs lagern.

Antwort :

Zur Frage 1 „passive/aktive Lagerung“
Die Lagerung von entzündlichen Flüssigkeiten in ortsbeweglichen (gefahrgutrechtlich zulässigen) Behältnissen ist nur dann eine passive Lagerung im Sinne von Ziffer 2.1 (5) der TRbF 20 "Läger", wenn während des Lagerns keine Dämpfe entzündlicher Flüssigkeiten aus den Behältern austreten können. Das bedeutet auch, dass ein Öffnen zum Zwecke der Probennahme oder Kontrolle eine aktive Lagerung auslöst. Begründet wird dies u.a. mit der Tatsache, dass bei der Öffnung eine gewisse Menge Dämpfe brennbarer Flüssigkeiten entweichen und somit zu einer explosionsfähigen Atmosphäre führen kann (Kommentar Degener/Krause VbF/TRbF).

Zur Frage 2 „Benutzung eines Gabelstaplers“
Lagerräume im Freien werden entsprechend den Vorgaben der Ziffern 8.4.1 und 8.4.3, und wenn passive Lagerung unterstellt wird gem. Ziffer 8.4.3.2 der TRbF 20 in explosionsgefährdete Bereiche (Zonen) eingestuft. Die Festlegung erfolgt meist in Anlehnung an die Größe des Auffangraumes / der Ableitflächen und der Höhe dieser bzw. den gelagerten Behältnissen. Größtenteils wird die Zone 2 festgelegt, selten die Zone 1 um die Behälter.
Das bedeutet, dass in solchen Lägern nur Flurförderzeuge (Gabelstapler) der Gerätekategorie 3 für Zone 2 verwendet werden dürfen (Ziffer 8.8.1 (5)). Die Ausnahmen von dieser Forderung sind in Abs. 11 (technisch) und in Abs. 6 (technisch/organisatorisch) der Ziffer 8.8.1 beschrieben.

In einem Explosionsschutzdokument nach § 6 Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) kann z.B. für Ihren Fall dokumentiert werden, wie die Sicherheit auf andere Weise gewährleistet wird. Eine Gewährleistung der Sicherheit auf andere Weise ließe sich z.B. durch das räumliche Trennen von Lagerbereich und Probennahmebereich herstellen, bei gleichzeitigen Verbot von nicht geeigneten Betriebsmitteln während der Probennahme. Dadurch würde wieder die passive Lagerung mit den möglichen Erleichterungen der TRbF 20 greifen.

Kommt man bei der Gefährdungsbetrachtung zu dem Ergebnis, dass bei ausreichender Lüftung und bestimmten Randbedienungen (Absaugung vor Ort, Anwendung von Vakuum, Inertisierung, Geschlossenes Probennahmesystem, etc.) kein explosionsgefährdeter Bereich vorliegt, so kann dieser Bereich mit herkömmlichen Flurförderzeugen befahren werden (Vergleiche hierzu die BGR 104 „Explosionsschutz-Regeln“ der Berufsgenossenschaft).

Grundsätzlich beschreibt die TRbF 20 die Anforderungen, die an die Läger von brennbaren Flüssigkeiten (im freien bzw. in Räumen, ortsfest oder ortsbeweglich) zu stellen sind. Bei Einhaltung der Vorgaben der TRbF 20 besteht die Vermutungswirkung die Anforderungen der BetrSichV (alt: VbF) einzuhalten, bzw. anders ausgedrückt: der Stand der Technik gem. den §§ 4 Abs. 2 und § 12 Abs. 1 BetrSichV wird eingehalten. Die TRbF 20 lässt andere gleichwertige Lösungen zu. Eine Ausnahme gem. § 6 VbF (alt), wie in Ziffer 8.8.1 (6) TRbF 20 beschrieben, ist nicht mehr erforderlich. Abweichungen werden im Explosionsschutzdokument (BetrSichV) bewertet und beschrieben.


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