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Nutzerpfad: Belastungen durch Biostoffe > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Biostoffen > Allgemeine Schutzmaßnahmen (6.)
Stichworte: Sicherheitsmaßnahmen bei der Sortierung ungetesteter humaner Zellen mittels FACS

Frage:

Wir sind eine medizinisch-biologische Forschungsgruppe und arbeiten mit humanem Frischgewebe (Blut, Tonsillen, Lymphknoten). Der Infektionsstatus v.a. bei Tonsillen, die wir frisch aus dem OP zur direkten Weiterverarbeitung erhalten, ist (und bleibt) i.d.R. unbekannt. In einem zukünftigen Projekt sollen Zellen aus Frischblut und Tonsillen nach Ficoll und MACS-Anreicherung mit einem FACSorter (FACS DIVA) für spätere RNA-Analysen nach bestimmten Oberflächenmarkern sortiert werden.
Das Gerät wird auch von anderen Arbeitsgruppen benutzt, die nicht mit humanen Zellen arbeiten.

Laut TRBA100 6.1.2 sind nicht gezielte Tätigkeiten mit humanen Probenmaterialien, deren Infektionsstatus nicht weiter charakterisiert ist unter den Bedingungen der Schutzstufe 2 durchzuführen. Dort heisst es unter 5.3 (10)" Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppe 2, bei den mit Bioaerosolen zu rechnen ist, müssen in einer mikrobiologischen Sicherheitswerkbank oder vergleichbaren Einrichtung durchgeführt werden."
Wie verhält es sich beim Sortieren ungetesteter humaner Zellen ?
Inwieweit entstehen beim Sorten von Zellen Bioaerosole und
wie hoch ist das Risiko einzuschätzen, sich durch beim Sorten entstehende Bioaerosole mit HIV, HCV, Syphilis etc. zu infizieren ?
Welche Schutzmaßnahmen sind beim Sorten dieser potentiell infektiösen humanen Zellen für Mensch und Maschine zu treffen ?
Muss das Gerät für die geplanten Experimente/Sortierungen unter eine Sicherheitswerkbank gebracht werden ?
Wie kann/muss das FACS-Gerät gereinigt/desinfiziert werden ?




Antwort :

Die Voraussetzungen der TRBA 100 für nicht gezielte Tätigkeiten mit frischem humanem Probenmaterial gelten auch für das Sortieren ungetesteter menschlicher Zellen mittels FACS: Da der Infektionsstatus nicht weiter charakterisiert ist, sind die Tätigkeiten der Schutzstufe 2 zugeordnet.
Nach Schmid et. al. (1) entstehen während der Zellsortierung prozessbedingt Tröpfchen von 40 - 200 µm sowie Mikrotröpfchen von 3 - 7 µm Durchmesser. Tropfen von einem Durchmesser unterhalb von ca. 80 µm verbleiben als Aerosole in der Luft. Bei fehlerhaftem Betrieb, insbesondere bei verstopfter Sortierdüse, kann die Aerosolproduktion erheblich ansteigen (Sorensen et. al (2)). Bei vorschriftsmäßig geschlossenem Gerät verbleiben die Aerosole weitestgehend in der Sortierkammer, es besteht jedoch immer die Möglichkeit, dass Aerosole in die Raumluft entweichen. Besonders gefährdet ist das Personal, das den Sorter unmittelbar bedient.
Die Gerätehersteller haben dem Rechnung getragen; so wurde u.a. für den Zellsorter FACSVantage SE/DiVa (Firma Becton Dickinson) ein Aerosol-Containment-System entwickelt, bei dem die Abluft aus der Sortierkammer über ein HEPA-Filter geführt wird (Firmen Cytek Development und Becton Dickinson). Diese Entwicklungen ersparen die Unterbringung des umfangreichen Gerätes unter einer Sicherheitswerkbank und werden durch den Begriff "vergleichbare Einrichtung" in Nr. 5.3 Abs. 10 der TRBA 100 abgedeckt. Eine Wirksamkeitsprüfung und regelmäßige Wartungen müssen erfolgen.
Zu bedenken ist, dass auch vor- und nachbereitende Schritte bei der Zellsortierung Infektionsgefahren bergen, so sollten beim Öffnen und Einsetzen der Probengefäße in das Gerät Schutzhandschuhe getragen werden. Eine umfassende Sicherheitsbetrachtung für das Sortieren unfixierter Zellen hat die International Society of Analytical Cytology (ISAC) veröffentlicht (1). Dort wird auch darauf hingewiesen, dass bei der Zellsortierung eine Infektion mit HIV und HBV mittels Spritzer und Tropfen über die Schleimhäute nicht völlig auszuschließen ist.
Eine Desinfektion des Gerätes sollte nach (1) nach jedem Sortiervorgang erfolgen, spätestens nach Beendigung der Tätigkeit (TRBA 100 Nr. 5.3 Abs. 9) und insbesondere wenn ein Wechsel der Arbeitsgruppen erfolgt. Das Desinfektionsmittel sollte den einschlägigen Listen (RKI, DGHM) entnommen sein und einen umfassenden Wirkungsbereich aufweisen. Alle Oberflächen innerhalb der Sortierkammer, im Bereich der Probeneinbringung und -halterung sollten einer Wischdesinfektion unterzogen werden. Die Möglichkeit, ein Desinfektionsmittel durch das Gerät laufen zu lassen und die Oberflächenverträglichkeit bestimmter Mittel sollte mit dem Gerätehersteller abgeklärt werden.

Literatur:
(1) Schmid I, Nicholson JKA, Giorgi JV, Janossy G, Kunkl A, Lopez P.A, Perfetto P, Seamer LC, Dean PN. Biosafety guidelines for sorting of unfixed cells. Cytometrie 28: 99-117, 1997.
(2) Sorensen TU, Gram GJ, Nielsen SD, Hansen J-ES. Safe sorting of GFP-transduced live cells for subsequent culture using a modified FACSVantage. Cytometry 37: 284-290, 1999.

Stand: September 2004


Dialognummer: 2784

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