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Stichworte: Anbringung der Freigabebescheinigung an begasten Containern

Frage:

Das Merkblatt „Freigabe begaster Container oder Fahrzeuge“ (M59) des Amtes für Arbeitsschutz Hamburg fordert, dass bei ehemals begasten Containern eine Freigabebescheinigung im Container oder Fahrzeug deutlich sichtbar anzubringen ist.
Welches ist hierfür die gesetzliche Grundlage?

Hinweis: Das Merkblatt ist im Internet unter der folgenden Adresse zu finden: http://www.hamburg.de/contentblob/121078/data/m59-pdf.pdf

Antwort :

Die Durchführung von Begasungen in Fahrzeugen sind Tätigkeiten, die den Vorschriften der Gefahrstoffverordnung und der TRGS 512 unterliegen. Zu diesen Tätigkeiten gehört auch die Lüftung und die Freigabe sowie die Entsorgung von Trägermaterialien. Die Pflicht zur Ermittlung und Festlegung von Maßnahmen liegt beim jeweiligen Arbeitgeber.

Die TRGS 512 lässt den weiteren Transport eines ehemals begasten Containers unter verschiedenen Voraussetzungen zu:
1. Der Container wird ohne Belüftung als geschlossene Ladung zum Weitertransport bereitgestellt. Dazu muß ein Befähigungsschein-Inhaber durch Messungen von außen überprüfen, ob der Container dicht ist. Bei Bedarf sind die Abdichtungen nachzuarbeiten. Die vorgeschriebene Kennzeichnung muss sich in ordnungsgemäßem Zustand befinden.  Diese Angaben entsprechen internationalen Regelungen, z.B. des IMDG Codes. Nach der verkehrsrechtlichen Vorschrift ADRZiffer 5.5.2 muß am Container ein Warnzeichen angebracht sein und in den Begleitpapieren auf den Begasungszustand hingewiesen sein. Orangene Warntafeln, ADR-Ausrüstung und Unfallmerkblätter sind hingegen nicht erforderlich.   und  Die Freigabe zur Entladung am Bestimmungsort erfolgt dann unter denselben Sicherheitsmaßnahmen wie im Hafenbereich.


2. Der Container wird ( z.B. im Hafenbereich) freigegeben. Dazu wird er bis zum Absinken der Gaskonzentration unter den "Freigabewert" belüftet. Wenn ein solcher Container zur undeklarierten Weiterbeförderung freigegeben wird, ist es sinnvoll, neben der Kennzeichnung auch sämtliche Abdichtungen am Container zu entfernen, damit sekundäre Freisetzungen von Gas nicht im Container-Raum gestaut werden, sondern sich sukzessive in Spuren verflüchtigen können.

TRGS 512, Ziffer 11.3 Freigabe, Transportbehälter im Freien
(1) Die Freigabe begaster Transportbehälter darf nur durch einen Befähigungsscheininhaber und nur dann erfolgen, wenn die Transportbehälter ausreichend gelüftet wurden und Messungen ergeben haben, dass die Gaskonzentration im Behälter die jeweilige Nachweisgrenze unterschreitet. Vor der Freigabe sind alle Reste des Begasungsmittels, z. B. Trägermaterial, und die Kennzeichnung nach Nummer 8.5 zu entfernen.
(2) Über die Freigabe der Transportbehälter ist eine Bescheinigung zu erteilen und dem Auftraggeber auszuhändigen.

Als Nachweisgrenze im Sinne dieser TRGS gelten:
- bei Phosphorwasserstoff 0,01 ppm PH3,
- bei Brommethan 0,5 ppm CH3Br,
- bei Hydrogencyanid 2 ppm HCN und
- bei Sulfuryldifluorid 1ppm SO2F2.

Die geübte Praxis zur Belüftung begaster Container kann auch nach vorschriftsmäßiger Entfernung Gas entwickelnder Präparate nicht zu einer absoluten Gasfreiheit in seinem Innern führen. Diese wird auch in der internationalen Freigabepraxis nicht gefordert.

Die gebräuchlichen Gase dringen sowohl in die Verpackungsmaterialien als auch in die von ihnen umschlossenen Räume ein und werden bei einer Lüftung des Containers mit zeitlicher Verzögerung über den Diffusions- und Desorptionsprozeß wieder freigesetzt.
Aus diesem Grunde wurde die Technischen Regel TRGS 512 „Begasungen“ im Juni 2004 ergänzt:

TRGS 512, Ziffer 11.3:
(5) Die Freigabe schließt die Prüfung ein, dass durch Desorption des Begasungsmittels (Nachgasen) keine gefährliche Konzentration von Begasungsmitteln in dem Laderaum entstehen kann.
(6) .....
(7) Die Freigabebescheinigung ist den Frachtpapieren beizufügen, so dass sie auch den Empfänger / Entlader des Containers oder Fahrzeugs erreicht. Eine Kopie der Freigabebescheinigung (gemäß Anlage 7 zur TRGS 512) ist im Container oder Fahrzeug deutlich sichtbar anzubringen.

Fazit:
Solange die Ungewissheit über eine eventuelle vorherige Begasung oder das Nachgasen besteht, verbleibt beim Empfänger nach den Ermittlungsgrundsätzen des §7 der Gefahrstoffverordnung eine besondere Verantwortung zur Feststellung der tatsächlichen Gefährdung und Festlegung von Schutzmaßnahmen. Die vorgenannte Kennzeichnung soll ihm bei der Erfüllung dieser Pflicht Hilfestellung geben. Es empfiehlt sich daher, dass der Empfänger schon frühzeitig seinen Absender / Lieferanten oder Spediteur vertraglich zu entsprechenden Angaben verpflichtet.

Aktuelle Information zum "Umgang mit begasten Importcontainern mit weiteren LINKS und  Angeboten zum Download finden Sie im Internet unter www.arbeitsschutz.hamburg.de, Suchwort "begast".


Dialognummer: 2678
Stand: 31.05.2011

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