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Nutzerpfad: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Sonstige Mutterschutzfragen
Stichworte: Können sich Raumluftbelastungen (Sick-Building-Syndrom) auf das ungeborene Kind auswirken?

Frage:

Bei den Mitarbeitern in unseren Büroräumen sind Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, brennende-juckende Haut, gereizte Bindehaut der Augen und Atembeschwerden (trockene Kehle, Hustenreiz) aufgetreten. Wir sind nunmehr seit 2 Jahren in diesen Räumen, die vor drei Jahren saniert wurden. Der Bau selbst stammt vermutlich aus den 1950/60er Jahren. Meine etwas speziellere Frage ist folgende:

Obwohl wir als Mitarbeiter diese Umstände beklagt und zu einer Untersuchung aufgefordert haben, "mauert" die Verwaltung ("es riecht nicht"; "das liegt an der schlechten Lüftung"... (obwohl wir die Räume morgens und abends zweiseitig belüften (Tür und Fenster stehen die ganze Zeit offen))und versucht mit allen Mitteln eine Untersuchung zu umgehen. Ich selber bin nunmehr in der 8. Schwangerschaftswoche und ich mache mir erhebliche Sorgen um das ungeborene Kind. Nun meine Frage: Was kann ich unternehmen, um unter allen Umständen eine Schädigung für das Kind zu vermeiden? Kann man aufgrund der Häufigkeit der Beschwerden und des Beschwerdebildes bereits von einer gesundheitsschädigenden Raumbelastung sprechen - die sich besonders auf ungeborenes Leben auswirken kann?


Antwort :

Das von Ihnen angesprochene Sick-Building Syndrom (SBS) ist eine Befindlichkeitsstörung, die nicht auf eine Ursache zurückzuführen ist. Verschiedene Faktoren können mit der Entstehung in Verbindung gebracht werden. Hierzu gehören:
1. physikalische Faktoren ( raumklimatische Bedingungen wie Raumtemperatur, Luftfeuchte, Lärm, Beleuchtung, Lüftungsrate)
2. chemische Stoffe ( Tabakrauch, Staub, flüchtige organische Verbindungen)
3. biologische Arbeitsstoffe (Bakterien und Pilze)

Nach dem Mutterschutzgesetz in Verbindung mit der Mutterschutzverordnung treten generelle Beschäftigungsverbote dann ein, wenn die Schwangere während Ihrer Arbeit gesundheitsgefährdenden Stoffen oder Strahlen (ionisierende Strahlen,...), Staub, Gasen, Dämpfen, Hitze (mehr als 26° C), Kälte (weniger als 16° C), Nässe, Erschütterungen oder Lärm (mehr als 80 dB) ausgesetzt ist.

In den Gebäuden, in denen das Sick-Building Syndrom auftritt, wird erfahrungsgemäß überwiegend Computerarbeit durchgeführt. Daher der Hinweis, das die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin e. V. zum Thema Bildschirmtätigkeit und Schwangerschaft Stellung genommen hat. Demnach bestehen diesbzgl. keine gesundheitlichen Gefahren für eine werdende Mutter.

Höhere Konzentrationen bestimmter chemischer Gefahrstoffe in der Raumluft (z.B. Formaldehyd, PCB, u.s.w.) können aber Auswirkungen auf die Gesundheit von werdenden und stillenden Müttern sowie deren Kinder haben. Daher muss die Ursache des Sick-Building Syndroms ermittelt werden, damit die reale Gefährdung der Schwangeren bewertet werden kann.
Zu beachten ist, dass es sich bei der Innenraumluftbelastung nicht um einen arbeitsspezifischen Umgang mit chemischen bzw. biologischen Arbeitsstoffen handelt. Daher soll die Bewertung nicht unter Aspekten der Gefahrstoffverordnung erfolgen. Da viele von diesen Stoffen überall vorkommen können, sollte die Belastung am Arbeitsplatz auf die allgemeine Hintergrundbelastung begrenzt werden. Anbei einige Beispiele:

1. Polychlorierte Biphenyle (PCB) und verwandte Verbindungen.

PCB wurde in der Vergangenheit vielen Baustoffen zugefügt, so dass sie heute noch in älteren Gebäuden aus hochbelasteten Materialien ausgasen. Die Aufnahme von PCB in den Körper erfolgt über die Raumluft, Hausstaub und ggf. Lebensmittel. PCB können auch über Hautkontakt mit kontaminierten Materialien aufgenommen werden. Im Vordergrund chronischer Gesundheitsschäden stehen Schädigungen des Nerven- und des Immunsystems sowie das reproduktionstoxische Potential. Grundlage für die Bewertung der PCB-Konzentrationen in der Innenraumluft ist für Nordrhein-Westfalen die "PCB-Richtlinie NRW" (Richtlinie für die Bewertung und Sanierung PCB-belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden).

Raumluftkonzentrationen unter 300 ng PCB / m3 Luft gelten nach dieser Richtlinie als langfristig tolerierbar. Da hierbei keine geschlechtsspezifischen Unterschiede gemacht werden, ist eine Beschäftigung schwangerer und stillender Mütter bei diesen Raumluftkonzentrationen erlaubt. 


2. Passivrauchen

Unter Passivrauchen versteht man die inhalative Aufnahme von Tabakrauch durch Nichtraucher. In der Technischen Regel für Gefahrstoffe - TRGS 905 Abschnitt 2 ist Passivrauchen u.a. als krebserzeugend aufgeführt. Tabakrauch beinhaltet eine Vielzahl von Krebs erzeugenden Stoffen, deren Konzentration im Nebenstromrauch (beim Passivrauchen) höher ist als beim Hauptstrom (aktive Raucher). Teils ist die schädliche Einwirkung von den räumlichen Verhältnissen, Luftverschmutzung und Lüftungsbedingungen abhängig. In rauchgefüllten Räumen steigt der Kohlenmonoxydgehalt des Blutes bei Nichtraucherinnen in einer halben Stunde auf das Niveau von aktiven Raucherinnen. Die fetotoxische Wirkung des CO ist bekannt (fetotoxisch: giftig für das ungeborene Kind). Eine Beschäftigung werdender und stillender Mütter ist in solchen Räumen untersagt (zum Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz s. a. § 5 Arbeitsstättenverordnung).

Die Begründung des AGS für die Bewertung des Passivrauchens in Bezug auf die krebserzeugenden, erbgutverändernden und fortpflanzungsgefährdenden Eigenschaften finden Sie unter:
http://www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Gefahrstoffe/TRGS/pdf/905/905-passivrauchen.pdf?__blob=publicationFile&v=4



3. Formaldehyd

Spanplatten, die im Innenausbau und zu Möbeln verarbeitet werden, Parkettversiegelungen, Kleber, Farben und Lacke können dieses Schadgas ausdünsten. Formaldehyd ist in der MAK Liste - "Schwangerschaft" – in der Gruppe C eingestuft, d.h. ein Risiko der Fruchtschädigung braucht bei Einhaltung des MAK-Wertes nicht befürchtet zu werden. Ein Momentanwert von 1 Milliliter pro Kubikmeter Luft entsprechend 1,2 Milligramm pro Kubikmeter Luft sollte nicht überschritten werden. Liegt die Konzentration über dem Grenzwert von 0,1 Milliliter pro Kubikmeter Luft, sollte die Formaldehydquelle ausfindig gemacht und über eine Sanierung nachgedacht werden.



Ein geeignetes Forum, Probleme des Arbeitsschutzes anzusprechen, ist der Arbeitsschutzausschuss. Sie können gegenüber den Mitgliedern des Arbeitsschutzausschusses (Arbeitgebervertreter, Personalrat, Betriebsarzt, Sicherheitsfachkraft, Sicherheitsbeauftragte) anregen, die Probleme zu erörtern und das Ergebnis nachfragen.

Sind Beschäftigte aufgrund konkreter Anhaltspunkte der Auffassung, dass die vom Arbeitgeber getroffenen Maßnahmen und bereitgestellten Mittel nicht ausreichen, um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Arbeit zu gewährleisten und hilft der Arbeitgeber darauf gerichteten Beschwerden nicht ab, können sich die Arbeitnehmer an die zuständige Behörde wenden. Hierdurch dürfen Ihnen keine Nachteile entstehen (§ 17 Arbeitsschutzgesetz).

Die zuständigen Behörden sind die Staatlichen Ämter für Arbeitsschutz bzw. die Gewerbeaufsichtsämter. Ihre Anschriften erhalten Sie z.B. über das Arbeitsschutzportal NRW: www.arbeitsschutz.nrw.de

 


Dialognummer: 2620
Stand: 25.11.2005

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