Wissensdatenbank


Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Allgemeine Fragen zum Gefahrstoffrecht > Allgemeine Fragen zum Gefahrstoffrecht
Stichworte: Welche Kenntnisse über Chrom-VI-Belastungen von Handschuhen liegen vor?

Frage:

In letzter Zeit wurde wiederholt in Berichten Chrom 6 mit überhöhten Werten bei Lederhandschuhen erwähnt. Wie sieht man dieses Thema bei den Arbeitsschutzbehörden?
Ich habe die Befürchtung, daß dieses Thema wie bereits die Thematik Gehörschutz künstlich und über Gebühr hochgespielt wird. Sollte das der Fall sein, wird damit dem Arbeitsschutz mehr geschadet als es Nutzen bringt.
Ich wäre ihnen für Ihre fachliche Unterstützung bei der Einschätzung des Themas sehr verbunden.


Antwort :

Untersuchungen von Chromat in Arbeitshandschuhen bzw. Schutzhandschuhen aus Leder wurden von verschiedenen Stellen durchgeführt. Die Bandbreite der gemessenen Chromatgehalte reichte dabei von Einhaltung der EU-Norm bis hin zu drastischer Überschreitung des Grenzwertes.
Chromverbindungen werden beim Gerben von Leder eingesetzt. Dabei ist die Chromgerbung auf Grund ihrer Wirtschaftlichkeit das am häufigsten eingesetzte Verfahren (90%). Zur Gerbung eingesetzt werden Chrom-III-Salze. Chrom-VI-Verbindungen können dabei als Verunreinigung in die Gerbung eingeschleppt werden. Der Chrom-VI-Gehalt wird ebenfalls beeinflusst durch Zusatz weiterer Hilfsmittel im Rahmen der Neutralisation und der Nachgerbung. Dabei wird am Ende des Gerbprozesses durch geeignete Verfahren sichergestellt, dass keine Chrom-VI-Verbindungen mehr enthalten sind, indem der Rückstand in unlösliches Chrom-III-hydroxid überführt wird.
Chrom-VI-Verbindungen sind als potenter Auslöser von Allergien seit langem bekannt und relativ häufig Ursache berufsbedingter Hauterkrankungen. Lösliche Chrom-VI-Verbindungen werden auch durch die intakte Haut gut resorbiert und können schon in geringen Konzentrationen nach chronischer Exposition Kontaktallergien auslösen. Aus mehreren Studien wurden Dosis-Wirkungs-Beziehungen abgeleitet, aus denen ein Schwellenwert von 10 mg/kg abgeschätzt wurde.
Dieser Schwellenwert wurde den gesetzlichen Regelungen für Schutzhandschuhe zu Grunde gelegt. Eine gute Übersicht über die derzeit aktuellen Regelungen findet sich unter www.bvh.de - Info-Reihe 2 und Info-Reihe 3.
Der Gehalt von Lederhandschuhen an Chrom IV darf derzeit 2 ppm nicht übersteigen (Info-Reihe 3).
Höhere Werte für Chrom-VI in den Lederschutzhandschuhen sind in erster Linie ein Qualitätsproblem. Sie deuten darauf hin, dass die Chromgerbung aus Kostengründen nicht nach dem international akzeptierten Stand der Technik durchgeführt wurde. Qualitätshinweise kann dabei das CE-Kennzeichen geben.
Zu einer stärkeren Belastung der Haut mit Chrom-VI und damit einem größeren Risiko für allergische Kontaktekzeme kann es aber auch durch falschen Gebrauch der Lederschutzhandschuhe kommen. Es ist bekannt, dass in der Praxis chromgegerbte Lederhandschuhe häufig universell eingesetzt werden, auch bei Tätigkeiten, bei denen diese völlig ungeeignet sind. Beispielsweise kommt es beim Umgang mit wässrigen Medien durch Herauslösen von Resten des Gerbprozesses zu einer verstärkten Belastung. Chromgegerbte Lederhandschuhe dürfen daher nur zum Einsatz kommen, wenn eine Durchfeuchtung ausgeschlossen ist. Bei Einwirkung von Alkali kann es aus dem Chrom-III-Gehalt des Leders zu einer Neubildung von Chrom-VI kommen.
Aus Sicht des Arbeitsschutzes sollten Schutzhandschuhe aus Leder daher nur verwendet werden, wenn sie
1. wirklich erforderlich und technische und organisatorische Schutzmaßnahmen ausgeschöpft sind
2. den Qualitätsanforderungen entsprechen
3. für die am Arbeitsplatz gegebenen Bedingungen geeignet sind und
4. die Beschäftigten über den richtigen Gebrauch unterwiesen sind

Zur Zeit befasst sich ein aktuelles Forschungsprojekt des Berufsgenossenschaftlichen Forschungsinstitutes für Arbeitsmedizin (BGFA) der Ruhr-Universität Bochum mit dem Nachweis von Chrom in persönlichen Schutzausrüstungen. (www.bgfa.de)
Für diejenigen, die bereits gegenüber bestimmten Inhaltsstoffen von Schutzhandschuhen sensibilisiert sind, ist eine Liste der wichtigsten Allergene in allen namhaften Handschuhen unter www.gisbau.de
 bzw. http://www.gisbau.de/Allergen/Start.html abrufbar. Dort findet sich ebenfalls eine Auswahl an Herstellern, die Lederhandschuhe aus chromfrei gegerbtem Leder anbieten.

Stand: 25.02.2004



Dialognummer: 2454
Stand: 30.04.2009

Ihre Zufriedenheit ist uns wichtig...

Sie helfen uns mit Ihrer Bewertung, die Qualität von KomNet stetig zu verbessern. Vielen Dank!

Die Beantwortung finde ich...
sehr hilfreich
hilfreich
nicht hilfreich
falsch (Bitte erläutern und ggf. E-Mail-Adresse angeben, wenn wir mit Ihnen in Kontakt treten sollen)

Bitte teilen Sie uns hier Ihre Anmerkungen oder Anregungen zu diesem Dialog mit ...
Hier bitte keine neue(n) Frage(n) stellen!

Ihre E-Mail-Adresse, damit wir ggf. mit Ihnen in Kontakt treten können :


Impressum:
Anbieter dieser Internetseiten ist das Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen (LIA.NRW) als Körperschaft des öffentlichen Rechts.
Anschrift: Ulenbergstr. 127-131, 40225 Düsseldorf
Telefon: (02 11) 3101 - 0
E-Mail: poststelle@lia.nrw.de

Inhaltlich verantwortlich:
Das LIA.NRW ist als Diensteanbieter nach § 7 Abs. 1 TMG (Telemediengesetz) für die eigenen Inhalte, die es zur Nutzung bereithält, nach den allgemeinen Vorschriften verantwortlich. Für die Inhalte der Antworten von KomNet oder einem darauf basierenden Dienst ist das dort angegebene Kompetenzcenter verantwortlich. Soweit ein Text von dritter Seite erstellt ist, wird der jeweilige Verfasser namentlich benannt. In diesen Fällen ist der Verfasser des jeweiligen Dokuments bzw. sein Auftraggeber für den Inhalt verantwortlich.

Es gelten unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung.
Um PDF-Dateien anzuzeigen und zu drucken benötigen Sie ein geeignetes Programm wie z. B. den Adobe-Reader. Diesen können Sie hier herunterladen.