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Stichworte: Ist für ein Erdgas-Blockheizkraftwerk (BHKW Aufstellraum) ein Explosionsschutzdokument erforderlich, und sind im Raum Ex-Zonen (0, 1 oder 2) einzuteilen?

Frage:

Ist für ein Erdgas-Blockheizkraftwerk (BHKW Aufstellraum) ein Explosionsschutzdokument erforderlich, und sind im Raum Ex-Zonen (0, 1 oder 2) einzuteilen?
Der Raum verfügt über ein Gaswarnsystem und eine Lüftungsanlage.

Wenn im BHKW-Raum keine Ex-Zone einzuteilen ist, ist dann die Prüfung nach § 14 BetrSichV sowie Ziffer 3.8 Anhang 4 A BetrSichV erforderlich?

Eigentlich gilt der Anhang 4 der BetrSichV doch nur für Bereiche, in denen eine Ex-Zone einzuteilen ist.


Antwort :

a) Sind in Blockheizkraftwerken explosionsgefährdete Bereiche vorhanden und sind diese in Zonen einzuteilen?

Hinsichtlich Vermeidung von Gasgefahren bei mit Erdgas betriebenen BHKW hat der Unternehmer zur Wahrnehmung seiner gesetzlichen Verpflichtungen im Rahmen eines Explosionsschutzkonzeptes Maßnahmen zu treffen. Das Schutzziel hierbei ist die Gewährleistung der Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigen oder anderen Personen im Gefahrenbereich, insbesondere indem das Auftretens von gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre in der Umgebung gasführender Anlagenteile verhindert wird.

Wenn gasführende Anlagenteile (Rohrleitungen, Ausrüstungsteile und Verbindungselemente) auf Dauer technisch dicht sind, werden in ihrer Umgebung im ungeöffneten Zustand keine explosionsgefährdeten Bereiche verursacht. Explosionsgefährdete Bereiche an der Anlage entstehend dann nicht.

Dass eine Anlage auf Dauer technisch dicht gilt, kann auch durch eine Kombination von technischen mit organisatorischen Maßnahmen erreicht werden (vgl. TRBS 2152 Teil 2, Pkt. 2.4.3.2 "Auf Dauer technisch dichte Anlagenteile"). Anlagenteile gelten als auf Dauer technisch dicht, wenn ihre technische Dichtheit durch Wartung und Überwachung ständig gewährleistet wird. Umfang und Häufigkeit für die Überwachung und Instandhaltung richten sich im Einzelnen nach der Art der Verbindung und Konstruktion, Betriebsweise, Beanspruchung sowie Zustand und Eigenschaften der Stoffe. Umfang und Häufigkeit für die Überwachung und Instandhaltung zur Aufrechterhaltung der auf Dauer technischen Dichtheit werden in einer zugehörigen Betriebsanweisung oder im Instandhaltungsplan festgelegt und dokumentiert. Die Errichtung und Inbetriebnahme der Gasleitungen muss entsprechend den einschlägigen DVGW Arbeitsblättern erfolgen. Die zu erwartenden mechanischen, chemischen und thermischen Beanspruchungen sind hierbei zu berücksichtigen. Das Schutzkonzept ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu dokumentieren.

Für BHKW bis 50 kW (Klein BHKW gemäß DVGW Hinweis G 640, Ausgabe Feb. 2002) ist dieses Schutzkonzept "auf Dauer technisch dicht" anwendbar, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten.

Bei BHKWen mit einer Leistung über 50 KW kann aufgrund der Betriebsweise die Bildung von gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre nicht sicher ausgeschlossen werden. Daher muss für BHKW mit einer elektrischen Leistung von mehr als 50 KW der Betreiber im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung ein geeignetes Schutzkonzept festlegen. Dies kann z.B. mit einer ortsfesten Gaswarnanlage zur Erkennung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre realisiert werden. Das Gaswarngerät dient als Grundlage für die Einleitung von Schutzmaßnahmen. Es löst bei einer vom Betreiber festgelegten Gaskonzentrationen von z.B. 10 % UEG einen Voralarm aus und bei 25 % der UEG automatische Schutzmaßnahmen oder auch Notfunktionen zur Stilllegung der Anlage aus (vgl. TRBS 2152 Teil 2, Pkt. 2.5 Überwachung der Konzentration in der Umgebung von Anlagenteilen). In der Gefährdungsbeurteilung / Explosionsschutzdokument sind die Maßnahmen zum Explosionsschutz niederzuschreiben.

Sofern der Betreiber ein anderes Schutzkonzept für seine Anlage auswählt, muss das eingangs angeführte Schutzziel (Vermeidung des Auftretens von gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre in der Umgebung gasführender Anlagenteile) sichergestellt sein. Die getroffenen Maßnahmen sind zu dokumentieren.


b) Handelt es sich dabei um überwachungsbedürftige Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen und welche Prüfungen aufgrund der BetrSichV sind erforderlich?

Eine überwachungsbedürftige Ex-Anlage ist in Anhang 2 Abschnitt 3 Ziffer 2 Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV wie folgt definiert:
"Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen sind die Gesamtheit der explosionsschutzrelevanten Arbeitsmittel einschließlich der Verbindungselemente sowie der explosionsschutzrelevanten Gebäudeteile."

Wenn ein explosionsgefährdeter Bereich festzulegen ist, bilden die Gesamtheit der für den Explosionsschutz relevanten Arbeitsmittel einschließlich der Verbindungselemente und der explosionsschutzrelevanten Gebäudeteile die Ex-Anlage des BHKW.

Für den Betrieb von Ex-Anlagen sind die Bestimmungen des Anhangs 2 Abschnitt 3 BetrSichV bezüglich der Prüfungen einzuhalten. Die Prüfanforderungen sind in Anhang 2 Abschnitt 3 Ziffer 4 und Ziffer 5 BetrSichV enthalten. Neu in der 2015er BetrSichV ist, dass nunmehr zusätzlich gemäß Ziffer 5.1 BetrSichV wiederkehrend nach 6 Jahren eine Prüfung der Explosionssicherheit der Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen vorgeschrieben ist. 

Bei BHKW (gasführende Anlagenteile), die auf Dauer technisch dicht gelten, entstehen keine Ex-Anlagen, die unter den Anhang 2 Abschnitt 3 BetrSichV fallen. Hier sind die Kontrollen und Prüfungen aufgrund der Maßgaben der Gefahrstoffverordnung und der Betriebssicherheitsverordnung für Arbeitsmittel vorzunehmen.

Wenn bei BHKW mit einer Leistung von über 50 kW ein Gaswarngerät eingesetzt wird, um das Auftreten von gefährlicher Atmosphäre  im Aufstellungsraum der Anlage sicher zu vermeiden, müssen vor dem Erreichen einer festgelegten Konzentrationsschwelle von diesem besondere Maßnahmen wie z.B. Abschaltung und Entspannung der Anlage oder Aktivierung einer technischen Lüftung ausgelöst werden. Das Gaswarngerät ist entsprechend Anhang I Ziffer 1.8 auszuwählen. Die Ex-Anlage nach Anhang 2 Abschnitt 3 BetrSichV bilden in diesem Fall das Gaswarngerät einschließlich der für den Explosionsschutz vorhandenen Anlagenteile und Schutzmaßnahmen wie Lüftung, Abschaltung etc.


Dialognummer: 23677
Stand: 21.08.2015

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