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Nutzerpfad: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Gefährdungen für werdende / stillende Mütter

Frage:

Können schwangere Lehrerinnen in der Schule bedenkenlos arbeiten, wenn dort Scharlachfälle aufgetreten sind?

Antwort :

Scharlach wird hauptsächlich über Tröpfcheninfektion übertragen. Die Tröpfchen haben einen Durchmesser von mehr als 5 µm. Sie können sich nur kurze Zeit in der Luft halten und sinken dann rasch zu Boden. Sie können bis zu einer Distanz von gut einem Meter bis maximal etwa drei Meter übertragen werden. Das Ansteckungsrisiko besteht hierbei nur für die unmittelbar benachbarten Personen, z.B. in einer Schulklasse.

Nach § 1 der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz - MuSchArbV muss der Arbeitgeber rechtzeitig für jede Tätigkeit, bei der werdende oder stillende Mütter durch biologischen Arbeitsstoffe nach Anlage 1 MuSchArbV gefährdet werden können, Art, Ausmaß und Dauer der Gefährdung beurteilen. Scharlach wird durch den Streptokokkus pyogenes (Streptokokken der Gruppe A) verursacht. Dieser Erreger ist nach der Biostoffverordnung in die Risikogruppe 2 eingestuft und fällt damit unter die in Anlage 1 MuSchArbV genannten biologischen Arbeitsstoffe.

Somit darf entsprechend des Beschäftigungsverbotes nach § 4 MuSchArbV eine werdende oder stillende Mutter beim Auftreten von Scharlach in einer Schulklasse wegen der erhöhten Infektionsgefährdung vorübergehend nicht mehr in dieser Klasse unterrichten. Nach den Empfehlungen des Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik - LASI - ist eine Wiederaufnahme der Arbeit bereits am vierten Tag nach dem letzten Erkrankungsfall möglich (die Inkubationszeit beträgt in der Regel 1-3 Tage). D.h. wenn drei Tage keine neuen Erkrankungsfälle in der Klasse aufgetreten sind, kann die werdende oder stillende Mutter am vierten Tag ihre Arbeit in der Klasse wieder aufnehmen.

Das Ziel der mutterschutzrechtlichen Regelungen ist es, durch Ergreifen von effektiven Schutzmaßnahmen den Erhalt der Beschäftigung bzw. den Verbleib der Schwangeren / Stillenden am Arbeitsplatz zu ermöglichen. Dies ist im § 3 MuSchArbV klar definiert. Die Reihenfolge der zu ergreifenden Schutzmaßnahmen ist hierbei vorgegeben. Ein Beschäftigungsverbot kommt demnach erst in Betracht, wenn eine Umgestaltung der Arbeitsbedingungen nicht möglich  und als nächster Schritt auch ein Arbeitsplatzwechsel nicht realisierbar ist.

Fazit:
Beim Auftreten von Scharlach in der Schulklasse sollte die werdende oder stillende Mutter wegen der erhöhten Infektionsgefährdung vorübergehend nicht in der Klasse, in der die Erkrankung aufgetreten ist, unterrichten. Es ist jedoch nicht erforderlich, sie von der Schule fernzuhalten. Sie darf z.B. in anderen Schulkassen, in denen keine Erkrankungsfälle aufgetreten sind, unterrichten (s. Rangfolge der Schutzmaßnahmen nach § 3 MuSchArbV). Am vierten Kalendertag nach dem letzten gemeldeten Erkrankungsfall darf sie ihre Arbeit in der Klasse wieder aufnehmen.

Auf die Informationen in der Broschüre "Mutterschutz beim beruflichen Umgang mit Kindern" weisen wir hin.

Dialognummer: 22825
Stand: 04.01.2015

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