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Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Gefährdungen > Gefährdungen durch bestimmte Stoffe / Zubereitungen
Stichworte: Hauterkrankungen durch synthetische Motorenöle und Schutzmaßnahmen

Frage:

Es besteht der Verdacht, dass synthetische Motorenöle, die aus Motoren abgelassen werden oder mit denen Monteure (Automechaniker) bei der Wartung und Reparatur von Motoren in Kontakt kommen, zu Hautirritationen bzw. Hauterkrankungen führen. Gibt es weitere Erkenntnisse darüber? Welche Schutzmaßnahmen können getroffen werden?

Antwort :

Eigenschaften und Zusammensetzungen von Motorölen:

Motoröle sind speziell auf die Betriebsbedingungen vor allem von Kraftfahrzeug-Motoren - Viertakt- und Zweitakt-Ottomotoren sowie Dieselmotoren - abgestimmte Schmierstoffe. Sie bestehen aus konventionellen oder synthetischen Grundölen bzw. Mischungen daraus und enthalten meistens Additive zur Verbesserung der Schmierfähigkeit (Viskosität und Fließvermögen), der thermischen sowie chemischen Stabilität. Basisinformationen zu der Herstellung, Zusammensetzung und Eigenschaften von Motor- und Schmierölen sind in „Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie“ (Ullmann Bd. 20) zu finden. In der In der Präsentation „Schmierstoffwissen“ bietet die Fa. Castrol spezielle Informationen zum Aufbau, zur Spezifikation und zur Anwendungstechnik von Motorölen.

Konventionelle mineralische Grundöle bestehen überwiegend aus Normal- und Isoalkanen (paraffinischen Kohlenwasserstoffen) und Cycloalkanen (naphthenischen Kohlenwasserstoffen) der Kettenlängen C20 bis C35 und werden durch Destillation und Raffination von Erdöl gewonnen („Straight-run“-Produkte). Daneben werden aus hochsiedenden Erdölfraktionen durch thermische Spaltreaktionen in Wasserstoffatmosphäre (Hydrocracken) Mitteldestillate gewonnen, die ebenfalls als Grundöle von Schmierstoffen eingesetzt werden.

Synthetische Schmieröle (Synlubes) dagegen werden gezielt mit speziellen Verfahren für Schmierungen bei erschwerten Bedingungen hergestellt und enthalten hochmolekulare Bestandteile aus sehr unterschiedlichen Verbindungsklassen:

-Polyalphaolefine (PAO) durch Oligomerisation von 1-Decen C10H20
-Mono- und disubstitutierte Alkylbenzole
-Carbon- und Dicarbonsäureester aus der Versterung von z.B. Adipinsäure mit 2-Ethylhexanol
-Neopentyl-, Pentaerythrit- und Trimethylolpropanester
-Polyetheröle (Polygylcole) und Polyphenylether (PPE)
-Siliconöle (Polydimethylsiloxane)
-Chlor-Fluor-Carbon-Öle und Perfluoralkylether (PFAE; Krytox@)

In speziellen Bereichen oder zur Umweltentlastung werden auch Bioöle bzw. Pflanzenöle wie z. B. Rapsöl als Grundöle eingesetzt. Neben den Grundölen enthalten die handelsfertigen Motoröle meistens noch zahlreiche Additive, durch deren Zusatz die den Verwendungszwecken entsprechenden Schmierstoffeigenschaften (Viskositätsindex VI), thermischen Beständigkeiten und Standfestigkeiten oftmals erst erreicht werden. Hauptsächlich kommen folgende Additive zum Einsatz:

-Oxidationsinhibitoren (Antioxydantien und Metalldesaktivatoren)
-Viskositäts-Index-Verbesserer
-Stockpunktserniedriger
-Detergentien und Dispergentien
-Hochdruckzusätze und Reibwertverminderer
-Schaumverhütungsmittel und Demulgatoren
-Farbstoffe und Fluoreszenz-Zusätze

Toxikologische Bewertung von Motor- und Altölen:

Einige der als Additive verwendeten Stoffe können Hautreizungen und Allergien verursachen, jedoch auch die Grundöle selbst können bei längerem bzw. wiederholtem Kontakt durch ihre hautentfettende Wirkung Hauterkrankungen begünstigen. Hinweise darüber, dass die hautschädigenden Wirkungen von synthetischen Grundölen stärker ausgeprägt wären als die der mineralischen Grundöle, sind allerdings in Fachveröffentlichungen nicht zu finden. Auch in den Veröffentlichungen und Untersuchungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), der Deutschen Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV) sowie dem Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) liegen keine Erkenntnisse hierzu vor.

Wesentlich kritischer als unverbrauchte Motoröle sind jedoch vor allem Altöle zu bewerten, die in Kraftfahrzeug-Werkstätten beim Motorölwechsel anfallen und auch bei Motorwartungen und -reparaturen in Erscheinung treten. Durch hohe thermische und mechanische Belastungen sowie durch Einwirkung von Luftsauerstoff während des Motorbetriebs entstehen zahlreiche Reaktions- und Abbauprodukte sowohl aus den Grundölen als auch aus den Additiven. Diese Abbauprodukte wie z. B. Säuren, Ketone, Phenole, Aromaten. PAK und Schwermetalle besitzen teilweise reizende, giftige, gesundheitsschädliche und krebserzeugende. Syntheseöle sind dabei teilweise positiver zu bewerten aufgrund ihres geringeren Bedarfs an Additiven und höherer chemischer und mechanischer Beständigkeit.

Empfehlungen zur sicheren Handhabung von Motorölen:


Vor Aufnahme von Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, zu denen Motoren-, Schmier- und Altöle gehören können, ist nach § 7 "Grundpflichten" Absatz 1 der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) vom Arbeitgeber bzw. von den dazu Beauftragten eine Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Anschließend sind nach dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung entsprechend dem festgestellten Gefährdungs- und Freisetzungspotential die Schutzmaßnahmen festzulegen. Hilfestellung hierbei liefert u. a. das Einfache Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe (EMKG).

Die relevanten Informationen zu Gefährlichkeitsmerkmalen und Schutzmaßnahmen, zur Toxikologie und zu Rechtsvorschriften sind vor allem den Sicherheitsdatenblättern zu entnehmen, die nach Artikel 31 in Verbindung mit Anhang II der REACH-Verordnung von den Herstellern oder Händlern fachkundig angefertigt und mit der ersten Belieferung zur Verfügung gestellt werden müssen. Falls kein Sicherheitsdatenblatt zur Verfügung steht, ist es vom Inverkehrbringer anzufordern und unverzüglich nachzuliefern. Auf der Homepage der Fa. Castrol werden die Sicherheitsdatenblätter (SDS) und Technischen Datenblätter (TDS) der von Castrol angebotenen Motor- und Schmieröle sowie Betriebsmittel angeboten.

Auf der Grundlage der ermittelten Informationen ist vom Arbeitgeber oder von der Fachkraft eine Betriebsanweisung zu erstellen und es sind die mit dieser Tätigkeit Beschäftigten zu unterweisen. An der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung, an der Betriebsanweisung und Unterweisung ist auch der Betriebsarzt zu beteiligen, zu dessen Aufgabe auch die arbeitsmedizinische Beratung gehört.

Zur Vermeidung von Hautirritationen und Hauterkrankungen sind beim Umgang sowohl mit unverbrauchten als auch mit verbrauchten Motor- und Schmierölen wirksame Schutzmaßnahmen entsprechend Abschnitt 4 "Schutzmaßnahmen" der GefStoffV festzulgen. Allgemeine Schutzmaßnahmen entsprechend den Mindeststandards nach den Technischen Regeln für Gefahrstoffe TRGS 500 "Schutzmaßnahmen" sind unabhängig davon, ob es sich um mineralische oder synthetische Produkte handelt, festzulegen. Hierzu gehört u. a. die Erstellung eines Hautschutzplanes, die Auswahl von Hautschutz- und Hautreinigungsmitteln sowie von geeigneten Schutzhandschuhen.

Arbeitshilfen zum Vorgehen sind u. a. als „Gruppenmerkblätter für der beruflichen Hautschutz – Hautmittel“ (Hautmittel) beim Bundesverband Handschutz e.V. sowie als BG-Information BGI 658 „Hautschutz in Metallbetrieben“ erhältlich. Informationen zu Schutzhandschuhen können auch bei Herstellern wie z. B. den Firmen KCL, MAPA und STIEMA erfragt werden. Die Firma KCL stellt auf Anfrage auch ein Hilfsprogramm „Chemikalien-Manager“ zur Ermittlung von Schutzhandschuhen bei Kontakt mit bestimmten Chemikalien zur Verfügung.

Weiterführende Informationen:


Ullmann Encyklopädie der technischen Chemie, 4. Auflage, Verlag Chemie, Weinheim-New York, ISBN 3-527-20000-2; Band 20: Radionuklide bis Schutzgase.

Castrol Schmierstoff-Info Deutsche Castrol Vertriebsgesellschaft mbH, Hamburg – Internet: .

BAuA Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund, Berlin und Dresden

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV)

Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA)

BVH Hautmittel Bundesverband Handschutz e.V.  und Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V., Gruppenmerkblätter für den beruflichen Hautschutz – Hautmittel,

BGI 658 "Hautschutz in Metallbetrieben"

KCL Chemikalien-Manager Kächele-Cama Latex GmbH

MAPA GmbH, Zeven

STIEMA Arbeitsschutz GmbH

 


Dialognummer: 2009
Stand: 15.11.2010

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