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Nutzerpfad: Gesundheitsschutz > Arbeitsmedizinische Vorsorge > Sonstige Fragen (13.1.5)
Stichworte: Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung G20 (Lärm) und G1.1 (quarzhaltiger Staub)

Frage:

Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung G20 und G1.1
1. Wenn für einzelne Arbeitsbereiche (z.B. Modellschreinerei, Ofenbühne (Induktionsschmelzöfen)) Lärmmessungen noch nicht erfolgt sind und lärmintensive Arbeitsmittel in der Modellschreinerei für zwei Stunden pro Tag in Verwendung sind, auf welcher rechtlichen Grundlage sind dann Vorsorgeuntersuchungen notwendig?

2. Kann in der Handformerei, Kernmacherei und dem Schmelzbetrieb einer Gießerei von einer Quarzstaubexpostion ausgegangen werden, die eine G1.1 Untersuchung erforderlich macht? Ist eine Belastung alle drei Jahre durch Röntgenstrahlung vom Risiko höher einzuschätzen, als die Belastung durch silikogenen Staub (Höhe der Exposition nicht klar)?

zu 2. In der Handformerei wird mit Altsand gearbeitet. In der Kernmacherei mit Neusand; dieser Bereich ist aber nicht von der Handformerei getrennt. Im Schmelzbetrieb-Handformerei werden jeden Monat zwei Öfen neu zugestellt mit feuerfestem Material(quarzhaltig). Die alten Zustellungen werden mit einer Vorrichtung ausgedrückt. Ein manuelles Auschlagen erfolgt nur beim Ofenrand. Im Schmelzbetrieb-Schleuderguss wird die alte Zustellung per Schlaghammer manuell entfernt; ca. alle 14 Tage.

Antwort :

Zu 1. Die Rechtsgrundlage ist in jedem Fall die G20 in Verbindung mit BGV A4 "Arbeitsmedizinische Vorsorge". Ggf. sollte der Mess- und Prüfdienst des Unfallversicherungsträgers eingeschaltet werden. Allenfalls könnte hilfsweise aus der Kenntnis von Vergleichsarbeitsplätzen die Notwendigkeit der Vorsorgeuntersuchung nach G20 angenommen werden. Der Arbeitgeber muss sich aber in jedem Fall von den Arbeitsbedingungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation nach Arbeitsschutzgesetz ein Bild verschaffen und ggf. die notwendigen Messungen umgehend veranlassen.

Zu 2. Die am betreffenden Arbeitsplatz beschäftigten Versicherten müssen nach staatlichen und berufsgenossenschaftlichen Rechtsvorschriften arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen unterzogen werden, wenn die Auslöseschwelle für silikogenen Staub überschritten wird (§ 28 i.V.m. Anhang I Gefahrstoffverordnung - GefStoffV, § 3 UVV "Arbeitsmedizinische Vorsorge" - BGV A 4). Die GefStoffV besagt hierzu eindeutig: ..."Wird am Arbeitsplatz die Auslöseschwelle für die in Anhang VI aufgeführten Stoffe überschritten, so dürfen Arbeitnehmer dort nur beschäftigt werden, wenn sie innerhalb der in Anhang VI genannten Fristen Vorsorgeuntersuchungen unterzogen werden..."
Mit einem Überschreiten der Auslöseschwelle für Quarz und quarzhaltigen Feinstaub ist so lange zu rechnen, bis durch Messungen belegt ist, dass die Auslöseschwelle unterschritten ist. Insbesondere für folgende Betriebsarten, Arbeitsbereiche oder Tätigkeiten einschließlich Reinigungs- und Reparaturarbeiten ist nach den "Auswahlkriterien für die spezielle arbeitsmedizinische Vorsorge" (BGI 504-1-1) mit einem Überschreiten der Auslöseschwelle zu rechnen:
(branchenübergreifend, u.a.)
- Abbrechen quarzhaltiger Bauwerke und Bauwerkteile
(branchenspezifisch, im Bereich Eisen- und Stahlindustrie, u.a.)
- Entformen und Entkernen von Sandformen
- Formerei unter Verwendung von Altsanden
Wenn beim Arbeitsverfahren die Auslöseschwelle überschritten wird, so ist eine Belastung alle drei Jahre durch die einer Röntgenaufnahme des Thorax im Großformat mit Hartstrahltechnik im p.a.-Strahlengang entsprechende Röntgenstrahlung vom Risiko her u.E. geringer einzuschätzen, als die Belastung durch silikogenen Staub (andernfalls wäre ja die gesamte Staublungen-Röntgendiagnostik im Rahmen der Vorsorge ethisch und moralisch nicht zu vertreten). 
 Das berufsgenossenschaftliche Regelwerk ist im Internet unter http://publikationen.dguv.de  erhältlich. 
 


Dialognummer: 2006
Stand: 04.05.2008

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