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Stichworte: Handelt es sich bei der beschriebenen Modernisierung einer überwachungsbedürftigen Anlage um eine wesentliche Änderung? Wann ist eine neue Risikoanalyse erforderlich?

Frage:

Wir sind ein mittelständisches Unternehmen im Bereich der Automatisierungstechnik. Vom Engineering über den Schaltanlagenbau bis hin zur Inbetriebnahme entwickeln wir maßgeschneiderte Applikationen für die verschiedensten fertigungs- und verfahrenstechnischen Prozesse.

Ein Kunde von uns möchte eine ältere überwachungspflichtige Anlage modernisieren. Die alte Anlage verfügt nicht über eine CE-Kennzeichnung. In dieser Anlage werden Behälter gereinigt. Eine Freisetzung der Flüssigkeiten ist nicht zulässig und wird mit Sensoren überwacht. Da es für viele der alten Komponenten der elektrischen Steuerung keine Ersatzteile mehr gibt, soll ein neuer Schaltschrank gefertigt werden. Abgesehen von einer Änderung bei der Druckprüfung (es soll nur noch mit dem höheren Prüfdruck geprüft werden) sind keine funktionalen Änderungen in der Steuerung geplant. Die Bedienung der neuen Steuerung soll aber dem aktuellen Stand der Technik angepasst werden. Der Einsatz eines Operator Panels als Ersatz für eine Vielzahl von Drucktasten und Schaltern ist gewünscht.


Wir hätten dazu die folgenden Fragen:
1) Handelt es sich bei dieser Modernisierung um eine wesentliche Änderung von Maschinen oder Anlagen?

2) Durch den Einsatz von neuen Sensoren und Aktoren sowie den dazugehörigen Auswertegeräten (mit CE Kennzeichnung) wird der Sicherheitsstandard aus unserer Sicht definitiv verbessert. Ist trotzdem eine neue Risikoanalyse erforderlich?

Antwort :

Zuerst die Antwort auf die letzte Frage

Eine Risikoanalyse ist immer erforderlich. Diese dient dazu festzustellen:
a) ob die vorhandenen Schutzmaßnahmen (Schutzeinrichtungen und Ausführung der Sicherheitsfunktionen) ausreichend für den derzeitigen Zustand sind
b) ob nach der geplanten Modernisierung neue Risiken auftreten oder vorhandene Risiken höher werden und dadurch andere / zusätzliche Schutzmaßnahmen erforderlich sind
c) ob die vorhandenen Komponenten der Anlage für den weiteren Betrieb geeignet sind (durch Verschleiß, Materialermüdung, Alterung etc,)

Hierbei ist zu beachten, dass die Verfahren zur Festlegung:
- einer Steuerungskategorie nach DIN EN 954-1, (nicht mehr verwenden ! kein Stand der Technik !)
- des Performance Level (DIN EN ISO 13849-1)
- des SIL (EN 62061)
KEINE RISIKOANALYSEN sind, sondern lediglich RISIKOBEWERTUNGEN sind
(Risikoanalyse: siehe DIN EN ISO 12100:2010 oder DIN EN ISO 14121:2007 [nur bis 31.12.2013 anzuwenden)


Die Frage b) ist die eigentliche Frage nach der wesentlichen Änderung. Diese trifft zu wenn:
1. Eine Erhöhung von Leistung, Geschwindigkeit, Kraft, Druck, Spannung etc. zu einer Risikoerhöhung führt. In diesen Fall könnte es sein, dass die Anlage ursprünglich fur den Normalbetrieb mit Prüfungsdruck Pa und gelegentlich für den höheren Prüfungsdruck Pb ausgelegt wurde, und vielleicht wesentliche Teile der Anlage NICHT für den Dauerbetrieb mit den höheren Prüfungsdruck Pb geeignet sind.

2. Eine Änderung der Funktion einer Maschine oder des Bedienkonzeptes die eine Erhöhung vorhandene Risiken bewirkt (z.B. Quetschkraft, Verfahrgeschwindikeit, Druck, etc) oder neue Risiken hervorbringt. (Vakuumgreifer wird durch Fingergreifer ersetzt).

3. Eine Änderung der Schutzmaßnahmen (des Schutzkonzeptes) oder der Steuerung. Im ersten Fall müssen die Schutzmaßnahmen auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Es sollte auch geprüft werden, ob eine Änderung der Steuerung dazu führt, dass eine geänderte Maschinendynamik, Zykluszeiten, etc. vorhandene Schutzmaßnahmen nicht unwirksam machen (z.B. ungenügenden Mindestabstand von Sicherheitslichtvorhängen aufgrund verlängerter Bremszeit eines schneller laufenden Antriebes).

Eine gründliche Risikobeurteilung beantwortet grundsätzlich diese Frage und ist daher unerlässlich !

Wenn Schutzmaßnahmen in der Steuerung realisiert werden, sollte darauf geachtet werden, dass der Umbau oder die Erneuerung der Steuerung keine zusätzlichen Gefahren verursacht oder vorhandene Schutzmaßnahen unwirksam macht (z.B. Ersatz von Schützen mit RC Glieder durch solche mit Löschdioden). Dabei sollte auch der erforderliche Performance Level nach DIN EN ISO 13849 ermittelt und validiert werden. (Das geschieht durch eine RISIKOBEWERTUNG, z.B. gemäß Anhang A von DIN EN ISO 13849-1 - Das ist KEINE Risikobeurteilung !)

Hinweis:
Die angesprochenen Normen können Sie hier beziehen.


Dialognummer: 19179
Stand: 12.08.2013

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