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Nutzerpfad: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Sanierungsarbeiten, Entsorgung > Sanierungsarbeiten, Entsorgung

Frage:

Müssen mit Wasserstoffperoxid behandelte Stoffe (z.B. zum Abtöten von Schimmelpilzen) gesondert entsorgt werden?

Antwort :

Bei der Beantwortung der Frage sind sowohl die Vorgaben des Abfall- als auch des Chemikalien- bzw. Gefahrstoffrechts in Verbindung mit den zugehörigen EU-Regelungen zu beachten.

In einem ersten Schritt zur Abfallentsorgung - Beseitigung oder Verwertung im Sinne des Kreislauf-wirtschafts- und Abfallgesetzes (KrW-/AbfG) - ist der Abfall zunächst gemäß § 2 der Abfallverzeichnis-verordnung (AVV) nach Abfallart zu klassifizieren und mit einer sechsstelligen Schlüsselnummer zu bezeichnen. Die Abfallschlüsselnummer ist aus einer zweistelligen Kapitelnummer nach Herkunft oder Abfallerzeugendem Prozess sowie einer vierstelligen Gruppennummer nach herkunfts- bzw. prozess-bedingten Bestandteilen zusammengesetzt. Sollte es sich bei dem in der Abfrage genannten Material z.B. um Putztücher handeln, die nach Einsatz mit Wasserstoffperoxid-Lösung desinfiziert wurden, kommen je nach Restgehalt an Desinfektionsmittel die Abfallschlüsselnummern 15 02 02* oder 15 02 03 in Frage:

15 02 02*
Aufsaug- und Filtermaterialien (einschließlich Ölfilter a. n. g.), Wischtücher und Schutzkleidung, die durch gefährliche Stoffe verunreinigt sind

15 02 03
Aufsaug- und Filtermaterialien, Wischtücher und Schutzkleidung mit Ausnahme derjenigen, die unter 15 02 02 fallen

Das Sternchen (*) an der Schlüsselnummer 15 02 02 bedeutet, dass nach § 3 AVV ein besonders überwachungsbedürftiger Abfall vorliegt, für dessen Entsorgung und Überwachung nach § 5 Abs. 2 KrW- / AbfG für die Verwertung und nach § 11 Abs. 2 KrW- / AbfG für die Beseitigung besondere Anforderungen zu stellen sind.

Zur vollständigen Klärung, ob der Abfall als besonders überwachungsbedürftig eingestuft werden muss, ist auch die Identität bzw. Zusammensetzung des gemeinsam mit Wasserstoffperoxid (H2O2) zu entsorgenden Stoffes zu klären. Sollte es sich dabei ebenfalls um einen Gefahrstoff im Sinne der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) oder der Biostoffverordnung (BioStoffV) handeln, sind auch dessen Gefährlichkeitsmerkmale bei der Entsorgung zu beachten.

Wasserstoffperoxid ist ein Gefahrstoff im Sinne der Gefahrstoffverordnung und im Anhang I der EG-Richtlinie 67/548/EWG aufgeführt.

Wasserstoffperoxid in reiner Form ist als „Brandfördernd“ (O; R 8: Feuergefahr bei Berührung mit brennbaren Stoffen) und „Ätzend“ (C; R 34: Verursacht Verätzungen) eingestuft. Die handelsüblichen wässrigen Lösungen besitzen das Gefährlichkeitsmerkmal „Brandfördernd“ (O, R 8) allerdings nur bei H2O2-Gehalten ab 60 %. Unterhalb von 60 % bis 20 % ist das Merkmal „Ätzend“ (C, R 34) zu beachten. Unterhalb von 20 % bis 5 % wirken H2O2-Lösungen „Reizend“ (Xi) gegenüber Augen und Haut (R 36/38: Reizt die Augen und die Haut), während unterhalb von 5 % keine gefährlichen Eigenschaften zu beachten sind. Die Überwachungsbedürftigkeit des Abfalls ist daher von dem Restgehalt an Wasserstoffperoxid abhängig und durch eine Deklarationsanalyse zu klären.

Die Bezeichnung von Abfällen nach § 2 AVV und deren Einstufung nach § 3 AVV gehören zwar zu den Grundpflichten des Abfallerzeugers, kann jedoch als Dienstleistungen auf Entsorgungsunternehmen mit Zulassung für die vorliegenden Abfallarten übertragen werden. Um eine rechtlich einwandfreie Entsorgung zu gewährleisten, sollte daher bei der angefragten Problematik Kontakt mit einem zugelassenen Entsorgungsbetrieb aufgenommen werden. Weitere Informationen sind auch bei den zuständigen unteren Abfallwirtschaftsbehörden der Kreisordnungsbehörden – Kreisverwaltung bei Landkreisen, Stadtverwaltung bei kreisfreien Städten - erhältlich.

Weiterführende Information: Stand: Dezember 2005

Dialognummer: 1913

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