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Stichworte: Dürfen Fluchtwege aus einem Bürokomplex durch Baustellenbereiche führen? Ist die Entfluchtung eines Baustellenbereichs über ein Fassadengerüst zulässig?

Frage:

Bei einem größeren Neu- und Umbauvorhaben im Bestand an einem mehrgeschossigen Bürokomplex mit einigen hundert Arbeitsplätzen gibt es gegensätzliche planerische Vorstellungen über die Fluchtwegeführung:

In den einzelnen Bauabschnitten werden Bauteile zur Sanierung leergezogen, während andere in Betrieb bleiben. Dabei sind Bau- und Betriebsbereiche klar voneinander getrennt. Davon soll aber laut des vorliegenden Brandschutzkonzeptes abgewichen werden. Dies soll in der Form geschehen, dass die Fluchtwege aus Betriebsräumen z.T. über Baustellenbereiche zum Treppenraum und im Erdgeschoss dann wieder über Baustellenbereiche ins Freie geführt werden. Dazu müssten die Fluchtwege und –türen im Baustellenbereich nicht nur jederzeit von Material, Gerätschaften, Abfällen und sonstigen im Baubetrieb erdenklichen Gegenständen freigehalten werden, sondern die Fluchtwege müssten auch stets eben und frei von Stolperstellen sein.

Dieser Zustand ist nach meiner Auffassung im Baubetrieb nicht realisierbar – auch nicht bei intensiver Kontrolle.

Die Frage ist nun, ob Sie eventuell Erfahrungswerte haben, die Sie mitteilen können und wie Sie die Angelegenheit einschätzen?

Weiter soll die Entfluchtung eines Baustellenbereiches über ein Fassadengerüst vorgesehen werden. Ist dies zulässig oder muss nicht ein Treppenturm vorgesehen werden?

Antwort :

Die beiden geschilderten Problembereiche (Fluchtweg führt durch Baustellenbereiche, Fluchtweg führt über ein Fassadengerüst) sind nach dem Arbeitsstättenrecht nicht verboten.

Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A2.3 "Flucht- und Rettungswege" erlaubt sogar in Ziffer 10 Abs. 2 ausdrücklich den Verlauf des Fluchtwegs über Gerüste, wenn eine entsprechende Gefährdungsbeurteilung vorliegt.

Ein Treppenturm wird streng genommen weder in staatlichen Vorschriften noch in Unfallverhütungsvorschriften ausdrücklich gefordert. Der Einsatz von Treppentürmen unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. Gerüsthöhe, Umfang der Bauarbeiten) wird zum Beispiel in der berufsgenossenschaftlichen Information BGI 530 "Hochbauarbeiten" im Sinne einer Lösung nach dem Stand der Technik vorgeschlagen. Die Arbeitsstättenverordnung fordert wiederum die Einrichtung der Baustelle nach dem Stand der Technik, so dass abhängig von den Voraussetzungen der Baustelle ein Treppenturm notwendig werden kann.

Insofern kann tatsächlich nur durch eine besondere Gefährdungsbeurteilung speziell für die von Ihnen betrachtete Baustelle ermittelt werden, ob die vorgeschlagenen Lösungen möglich sind oder nicht. Die von Ihnen geschilderten Befürchtungen bezüglich des Freihaltens der Fluchtwege und möglicher Stolperstellen sind ein gutes Beispiel für wichtige Aspekte der Gefährdungsbeurteilung.

Wir können uns an Hand Ihrer Schilderung durchaus vorstellen, dass die Gefährdungsbeurteilung ergibt, dass die vorgeschlagenen Fluchtwege nicht mit dem Schutz der Beschäftigten vereinbar sind. Aber ohne Kenntnis des Gebäudes und der Bauplanungen ist eine Bewertung von hier aus nicht möglich. Wir raten Ihnen angesichts der komplexen Gefährdungslage, das Gebäude gemeinsam mit der zuständigen Arbeitsschutzbehörde und dem zuständigen Unfallversicherungsträger zu besichtigen und gemeinsam eine sichere Lösung zu suchen.

Dialognummer: 18892
Stand: 03.07.2013

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